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PayPal-Beacon: Interaktionsloses Zahlen – großer Wurf oder großer Mist?

PayPal Beacon soll „Hands-Free-Shopping“ ermöglichen. Quasi-Automatisches Zahlen ohne einen Finger zu rühren. (Screenshot: PayPal.)

PayPal Beacon soll das Bezahlen in beliebigen Geschäften ermöglichen – und zwar ohne Bargeld, Kreditkarte, Handy oder auch nur einen Finger zu rühren. Wie das funktionieren soll? Eine gute Frage.

PayPal ist in letzter Zeit mit vielen Baustellen am Projekt „stationärer Handel“ zu finden. Verständlich, stellt das doch ein Segment dar, das erst noch erobert werden will. Im Online-Bereich ist PayPal ja durchaus schon eine Größe, mit der man rechnen muss, im stationären Handel muss der Weg noch beschritten werden. Ein weiterer Schritt in diese Richtung soll nun PayPal Beacon sein. Ein System mit einem Bluetooth-Low-Power-Stick, der nahtlos in die Kassensysteme der Einzelhändler eingebunden werden kann, um Kunden ein völlig neues „...“ Zahlungserlebnis zu ermöglichen. Was das „...“ bedeutet? Das ist nicht so leicht zu beschreiben.

Kontaktlos? Berührungslos? Drahtlos? Passt alles bei PayPal Beacon nicht ganz, denn diese Begriffe klingen alle nach NFC oder ähnlichen Systemen. Und PayPal Beacon ist eher „alles-los“ statt nur kontaktlos. Der Kunde soll ins Geschäft gehen, seine Tüte in Empfang nehmen, dem Händler mitteilen: „Ich bezahle mit PayPal“ und den Laden schließlich wieder  verlassen – ohne dass ein spürbarer Bezahl-Prozess stattgefunden hätte, was letztlich das erstrebenswerte Kundenerlebnis sein soll. Trotzdem bleibt beim Betrachten der gesamten Lösung eine Frage im Hinterkopf: Was hat sich PayPal bloß bei „Beacon“ gedacht? Mich persönlich jedenfalls hat das Konzept irritiert. Wieso? Das könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen.

Einsatzbeispiel für Paypal Beacon. (Screenshot: Paypal)
Einsatzbeispiel für PayPal Beacon. (Screenshot: PayPal)

PayPal Beacon im Überblick

PayPal Beacon ist ein Bezahlsystem, das sich mit der PayPal-App auf dem Smartphone eines Kunden verbindet, sobald er in die Nähe eines Beacon-Dongles kommt. In der Praxis  bedeutet das: Sobald der Kunde das Geschäft betritt oder daran vorüberläuft. PayPal bezeichnet diesen Vorgang als Checkin, analog zu Facebook und beispielsweise Foursquare ein schon bekannter Begriff. Der Beacon selbst ist ein selbst-aktualisierender Bluetooth-Low-Power-Dongle mit einem integrierten WLAN-Netz. Das Gerät wird beim Händler in die Steckdose gestöpselt und und soll sich dann ohne größeren Aufwand mit dem Kassensystem des Händlers verbinden.

PayPal hat für dieses Projekt eng mit großen, amerikanischen Kassensystem-Herstellern zusammengearbeitet. Sobald der Checkin stattfindet, erhält der Händler im Kassensystem eine Einblendung mit dem Namen des Kunden. Dem Händler soll eine Benachrichtigungsfunktion zur Verfügung gestellt werden, die dem Kunden mitteilt, dass zum Beispiel eine getätigte Bestellung jetzt abholbereit ist. Hat der bereits mit dem Beacon verbundene Kunde seinen Einkauf beendet, nimmt er seine Waren und teilt dem Verkäufer mit, er wolle per PayPal bezahlen. Die Waren werden über das Kassensystem abgewickelt, der Händler löst die Zahlung aus, der Kunde erhält seinen Kaufbeleg elektronisch. Am Zahlungsvorgang selbst ist der Kunde im Prinzip nicht aktiv beteiligt, salopp gesagt läuft der Kunde rein, schnappt sich die Ware, sagt „PayPal“ und ist wieder weg. Der Vorteil für den Kunden soll im Zeitgewinn und Komfort der Methode liegen.

Kurze Übersicht

  • USB-Dongle mit PayPal-Verbindung, Bluetooth-Low-Power-Profil, integriertes WLAN für ladeninterne Kommunikation.
  • Kein Mobilfunk-Empfang nötig, kein aktiviertes WLAN beim Kunden.
  • Anbindung ans Kassensystem des Händlers.
  • Übermittlung des Namens und persönliche Ansprache beim Händler, ein personalisiertes „VIP-Feeling“, wie PayPal es formuliert.
  • Benachrichtigungsfunktion für Bestellungen, optional auch für spezielle Angebote. (Opt-in seitens des Kunden).
  • Versuchter Datenschutz: keine Kommunikation mit Servern, wenn der Checkin vom Kunden abgelehnt oder deaktiviert wurde.
  • Keine Kunden-Aktion zur Zahlung nötig.
  • Automatischer Rechnungsversand.
  • Zahlung über alle bei PayPal hinterlegten Zahlungsmethoden.
  • Checkin kann automatisch erfolgen, der automatische Checkin ist pro Händler aktivier- und deaktivierbar.
Der Bluetooth-Dongle für Paypal-Beacon. (Screenshot: Paypal)
Der Bluetooth-Dongle für PayPal-Beacon. (Screenshot: PayPal)

Fazit: PayPal Beacon – Bezahlsystem der Zukunft oder zukünftiges Ex-Bezahlsystem?

Gleich vorweg: Ich bin ein eher euphorischer Nutzer, alle irgendwie coolen Technologien kommen bei mir ziemlich gut an. Manchmal auch zu gut. Der ein oder andere droht mir da schon beim Lesen verbal mit dem Finger und meint, ich solle mal besser auf dem Boden bleiben. Heute werde ich das mal befolgen: Denn hier sitze ich nun mit meinem Fazit. Ganz ehrlich: Ich habe lange gebraucht, bis ich zu einem gekommen bin. Eine ganze Weile habe ich mit dem Versuch verbracht, das System zu begreifen – man mag mir vorwerfen, ich sei lediglich begriffsstutzig, aber das Ganze wirkte auf mich unverständlich. Kunde läuft rein, nimmt Ware, ruft „PayPal“ und geht. Klingt auf den ersten Blick wie Ladendiebstahl, nicht wie ein Einkauf.

Okay, bei nochmaligem Nachdenken: Das Ding integriert sich ja ins Kassensystem, schön. Der Händler löst die Bezahlung aus, immer noch schön. Halt. Die Ware muss doch gescannt werden, also muss der Kunde doch an die Kasse. Passiert in der Demonstration nicht. Okay, vergessen wir das Promotion-Video, das ist offensichtlich ein idealisierter Hollywood-Streifen mit dran-gepapptem Happy End. Dampfen wir das Ganze ein: Kunden kaufen ganz normal an, sagen lediglich an der Kasse „mit PayPal zahlen“ und freuen sich dann darüber, mit Ihrem Namen angesprochen zu werden, was meine Supermarkt-Kassiererin übrigens auch kann: Die liest den Namen von der EC-Karte ab. Das war es? Die große Innovation? Versteht mich nicht falsch, technisch ist das eine Innovation. Aber wo liegt der große Kunden-Nutzen? Wieder die vielzitierte „Zeit-Ersparnis“? Oder doch PayPals „VIP-Feeling“?

Das sehe ich so nicht, mich persönlich interessiert die gewonnene Spanne von vielleicht 20 Sekunden nicht, einzig die Tatsache, bargeldlos zu zahlen ist für mich ein Vorteil. Das kann ich aber auch mit anderen mobilen Payment-Lösungen. Etwas stört mich auch das psychologisch bedenkliche Gefühl des Kontrollverlusts: Das System erzeugt latent das Gefühl, den Einkauf oder konkreter den Zahlungsvorgang nicht kontrollieren zu können, denn die Zahlung wird vom Händler ausgelöst. Vielleicht wäre es ratsamer, die „Null-Interaktion mit dem Kunden“ nicht zur Ultima-Ratio zu erheben und darüber hinaus in Klausur zu gehen und etwas mehr am Thema Kundennutzen zu arbeiten. Und das Thema Datenschutz, dürfte für viele in diesem Zusammenhang auch etwas bedrohlich ... Wie? Was? Wo denn jetzt endlich mein Fazit ist? Beacon ist ein toller Name, steht im Englischen glaube ich für Leuchtfeuer oder war's doch eher Strohfeuer? Ich weiß es nicht mehr. Das ist kein Fazit? A'*!;´2°./)(. Tut mir Leid, meine Tastatur ist defekt. Schaut euch doch bitte solange die PayPal-Videos an.

PayPal Beacon – So könnte es im Einsatz aussehen

PayPal-Promotion-Video für Händler

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4 Reaktionen
Sabine

Herr Weber, das liest sich wie eine Meinung im Kommentarfeld eines Troll-Forums. Wo haben Sie denn das Schreiben gelernt?

Antworten
Jochen G. Fuchs

@Jürgen
Nein, das hast du richtig verstanden. Technisch wird die Reichweite des Checkins nur durch die Reichweite des Bluetooth-Senders begrenzt. Man könnte aber anscheinend den automatischen Checkin abschalten..

@Dirk
Ähm, nein. Nichts. Nur die App auf dem Smartphone in der Hosentasche. Es gibt den vagen Hinweis auf eine Art „Gesichtskontrolle“, weil der Verkäufer von Paypal wohl zusätzlich zum Namen ein Bild übermittelt bekommt.. Wenn ich daran denke wie ich auf meinem Ausweis aussehe, befürchte ich allerdings dass ich in diesem Fall wahrscheinlich nirgends damit einkaufen könnte ... :D

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Dirk

Cool, damit wird das Handy praktisch zu Bargeld. Wehe ich lassen mein Handy aus versehen irgendwo liegen oder es wird gestohlen. Der Dieb rennt in den nächsten Supermarkt und bringt mein Konto zum Glühen.
Er braucht dazu also nicht mal den Sperrcode vom Handy, keine Pin, kein Fingerabdruck ? Nichts ?

Ich sehe es kommen, niemand wird mehr Geldautomaten manipulieren, Handys werden viel attraktiver. Wird bestimmt bald ein entsprechenden Trojaner geben.

Oder besser: ein Bluetooth-Repeater! Soll doch der Kunde in der anderen Schlange meine Rechnung übernehmen....

ich freu mich jetzt schon :)

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Jürgen

Mit Blick auf die Datenschnüffeleien von Firmen, Geheimdiensten etc. bevorzuge ich mittlerweile wieder Bargeld. EC-/Kreditkarte nur wenn es sein muss. Ich käme nicht im Traum auf die Idee noch ein bargeldloses Bezahlsystem zu nutzen. Noch dazu von einer amerikanischen Firma. Und dann noch automatisches Checkin, wenn ich an einem Laden vorbei gehe - oder habe ich da was falsch verstanden? Und das "keine Kommunikation mit Servern, wenn der Checkin vom Kunden abgelehnt oder deaktiviert wurde." mag glauben wer will.

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