Interview

„Anonym, kompatibel, verlässlich“: Chris Boos erklärt das Backend gegen Corona

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t3n: Würden dann die Apps in allen Ländern gleich funktionieren?

Die Plattform bietet verschiedene Lösungen damit sie auch in verschiedenen Ländern genutzt werden kann. Kryptographen diskutieren die Vor- und Nachteile von zentralen und dezentralen Systemen schon seit vierzig Jahren – auch das konnten wir jetzt nicht auf die Schnelle lösen. Außerdem schreiben die Gesetzte mancher Staaten für medizinische Daten auch zentrale Lösungen vor.

„Wir nutzen komplett anonyme IDs, die nicht zurückrechenbar sind.“

t3n: Wie genau kann die Plattform die Privatsphäre der Nutzer garantieren?

Wir nutzen komplett anonyme IDs, die nicht zurückrechenbar sind. Wenn das Gesundheitsamt mit einem Nutzer in Kontakt treten will, haben weder wir noch die jeweilige App die Daten der Person. Es gibt keine Ortsdaten, keine Sim-IDs, keine MAC-Adressen oder so etwas. Wir zeichnen es nur als Event auf, wenn zwei Menschen lange genug in Kontakt waren, dass es für die Übertragung der Krankheit relevant ist. Da spielt dann auch die genaue Uhrzeit keine Rolle. Auch die IDs sendet das Gerät nicht bei einem Kontakt nach draußen zu den anderen Geräten. Stattdessen werden jeweils andere rotierende IDs per Bluetooth an die anderen Geräte gesendet.

t3n: Ist auch die Nutzung von anderen Daten dabei im Gespräch?

Die Daten von den jeweiligen Bluetooth-Chips sind unsere Hauptquelle. Das haben wir mit den Bundeswehr-Tests durchgemessen, das funktioniert in Sachen Genauigkeit, Privatsphäre und Interoperabilität.

t3n: Wie kann ich mich dann genau mit der App als infiziert melden?

Wenn Sie sich als infiziert melden wollen, muss das erst eine zweite Stelle bestätigen. Wie genau das funktioniert, kommt auf das Land an – aber es könnte oft ein Arzt sein, oder eine Behörde. Dann würde die App dich fragen, ob du deine anonymisierte Kontaktliste übertragen willst. Die Behörde weiß dann zwar nicht, wer du bist, aber welcher Fall du bist.

t3n: Und dann werden die jeweiligen Kontaktpersonen benachrichtigt?

Nein. Wir können niemanden benachrichtigen, weil es ja anonym ist. Aber wenn die jeweilige App sich bei dem Server meldet und abfragt, ob es für die jeweilige ID Neuigkeiten gibt, kann sie eine hinterlegte Nachricht abrufen: Zum Beispiel, dass man sich telefonisch melden soll, und dann bespricht man, wie es weiter geht. Ob man sich dann bei einem Arzt meldet, oder beim Gesundheitsamt oder einfach zu Hause bleibt hängt von den Bestimmungen in dem jeweiligen Land ab.

t3n: Wann wird die Plattform gelauncht?

Wir haben ja jetzt schon Betabenutzer auf der Plattform. Open Source gehen wir in dieser Woche noch. Eigentlich wollten wir das heute machen, aber dann kam heute die Datenspende-App. Aber das ist okay, wir können jeden Testtag gut gebrauchen.

t3n: Wer betreibt gerade den Server dafür? Und wie sieht die Finanzierung des Projekts im Moment aus?

Momentan betreibt den Server das Zuse-Institut in Berlin. Bisher ist alles rein freiwillig und ehrenamtlich. Wir wollen das Projekt langfristig am Leben halten, weil uns diese Krankheit noch länger begleiten wird und weil es auch ein nützliches Werkzeug bei anderen Infektionskrankheiten sein kann – solange alles freiwillig bleibt. Wir wollen das über Spenden finanzieren und ich denke die Wirtschaft sollte ein großes Interesse daran haben, dass Menschen wieder zur Arbeit kommen und mehr als nur das Nötigste einkaufen.

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