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Petition findet immer mehr Unterstützer: Googler wollen nicht mit US-Grenzbehörden arbeiten

Googles Mitarbeiter zeigen sich erneut wehrhaft. (Foto: Shutterstock)

Seit einer Woche können Google-Mitarbeiter eine Petition zeichnen, die zum Ziel hat, die US-Grenzschutzbehörden als Auftraggeber Googles abzulehnen. Das taten schon fast 1.200 Personen.

In der vergangenen Woche entschlossen sich Google-Mitarbeiter dazu, eine Petition an ihren Arbeitgeber zu richten, in der sie verlangen, das Unternehmen möge nicht länger mit den US-Grenzschutzbehörden zusammenarbeiten. Hintergrund ist eine Angebotsanfrage der Behörde über einen voluminösen Cloud-Computing-Vertrag. Der US-Grenzschutz will seine IT-Infrastruktur neu aufstellen, um die Abläufe zu optimieren.

Die Petition wurde intern eingereicht, aber auch öffentlich über Medium zugänglich gemacht, um Aufmerksamkeit außerhalb von Mountain View sicherzustellen.

Petition: Googler sehen Selbstverpflichtung verletzt

Anker des Protests ist Googles Selbstverpflichtung aus den hauseigenen AI Principles. Hier hat sich das Unternehmen verpflichtet, bestimmte Geschäftsmodelle und Anwendungszwecke nicht zu unterstützen. Darunter findet sich als Punkt 4 die Verpflichtung, keine Technologien zu unterstützen, deren „Zweck weithin akzeptierten Prinzipien internationalen Rechts und den Menschenrechten zuwiderläuft“.

Der Umgang mit mexikanischen Flüchtlingen, insbesondere Kindern, an der US-amerikanischen Südgrenze ist für die protestierenden Mitarbeiter klar ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Insofern dürfen jene, die diese Verstöße begehen, nicht von Google dabei unterstützt werden, so die Petitions-Autoren.

Nicht das erste Mal: Google nimmt ethische Verpflichtung ernst

Damit treffen sie offenbar einen Nerv in der Mitarbeiterschaft. Immerhin haben innerhalb eines Zeitraums von sechs Tagen bereits fast 1.200 Personen unterschrieben. Die Initiatoren verweisen auf die Ähnlichkeit des Vorgangs zum gemeinsamen Protest gegen US-Präsident Trumps „Muslim Ban“ aus dem Jahr 2017. Hier hatte sogar die Konzernspitze in den Protest eingestimmt.

In der Tat hat sich Google bereits des öfteren aus Bieterwettbewerben um Regierungsaufträge zurückgezogen und dabei ethischen Überlegungen den Vorzug gegeben. So geschah das etwa beim Projekt „Maven“, das Regierungsstellen bei der Auswertung von Videobildern unterstützen sollte. Diese hätten damit ihre Treffsicherheit bei Drohnenangriffen verbessern können. Ebenso zog sich Google aus dem Bieterwettbewerb um Pentagons Jedi-Cloud zurück. Dieser Auftrag hatte ein Volumen von zehn Milliarden Dollar.

t3n meint:

Eine Beurteilung derartiger Fragen ist schwierig, denn es gibt immer mehrere Perspektiven. Fraglich ist, ob es Mitarbeitern gestattet sein soll, derart weitreichenden Einfluss auf den Geschäftsbetrieb nehmen zu können und dabei sogar die Öffentlichkeit zu suchen. Im Grunde müsste eine potenzielle Auftragsbeziehung nur auf dem Boden des geltenden Rechts betrachtet werden. Alles andere überlässt dem politischen Aktivismus zu viel Raum und führt zu Beliebigkeiten, je nach vorherrschender oder auch nur lautester Meinung.

Dieter Petereit

Zum Weiterlesen:

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Dein t3n-Team

11 Kommentare
K. Hempel
K. Hempel

Sehr geehrter Herr Dr. Petereit,

ich finde die Gestaltung der Firmenpolitik, durch eine Petition für durchaus angebracht.
Welche Alternativen haben die Mitarbeiter sonst?
– kündigen?
– streiken?
– zuschauen und nichts tun?

In diesem Fall wird sogar der Arbeitgeber auf die eigenen Richtlinien hingewiesen (Das selbst ist schon absurd).

Auf der einen Seite fordert man von Google Transparenz aber die Öffentlichkeit soll dabei aussen vor gelassen werden?

Ich finde Ihre/t3n’s Meinung sehr unpassend.
Es geht hier (von Ihnen selbst beschrieben) um Aufträge, die ggf. Menschenrechte zukünftig verletzen könnten oder fragwürdige Auftragsgeber abzulehnen.
Eine Petition ist der ideale Weg für ein „Nein“.

Beispiel:
Ein Waffenhersteller beauftragt ein Sicherheitsanlagen-Hersteller:
Ich möchte mein Sicherheitssystem aktualisieren. Es soll sicherer werden.

Klar… Das Waffen unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen hergestellt werden sollten ist keine Frage.
Aber warum sollte man einen Waffenhersteller generell unterstützen?

Betrachten Sie das Ganze auch aus den Augen der Chefetage bei Google.
So viele Konflikte gegen die Google angehen muss.
Was bringt es denn in den eigenen Reihen neue Konflikte zu schüren?

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Dieter Petereit

Wenn ich in einem Schlachthof arbeite, muss ich Tiere töten. Das würde ich nie tun.
Wenn ich beim Finanzamt arbeite, muss ich eventuell Kleinbetriebe um die Existenz bringen. Das würde ich nie tun.
Wenn ich bei einem Waffenhersteller arbeite, müsste ich Waffen herstellen. Das würde ich nie tun.

Das Geschick des Einzelnen liegt in der Berufswahl…

Und natürlich verurteile ich das Vorgehen der US-Grenzer genauso wie jeder andere friedliebende Mensch mit Herz.

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Zip
Zip

Was hat denn die ethische Meinung mit der Berufwahl zu tun!? Google ist ein Arbeitgeber der demokratische Prozesse zulässt und das ist auch gut so. Ich hoffe doch sehr, dass derart krude Ansichten nicht die Meinung von t3n wiedergeben. Ich sehe es jedenfalls hier nicht als Aufgabe des Journalisten, zur Debatte zu stellen, was Mitarbeitern gestattet sein sollte, oder nicht.

dennis
dennis

Erschreckende Einstellung und Beispiele, die hier gar nicht passen. Immerhin weiß ich, wenn ich Metzger bin, was auf mich zu kommt. Bei Google ist das nicht der Fall, besonders weil deren eigenen Regeln es verbieten. Mir erscheint es so, als ob Sie, Herr Petereit, die Zusammenhänge zwar beschreiben, aber diese nicht verstanden haben.

Atalanttore
Atalanttore

Nach Googles Selbstverpflichtung dürfte der Konzern mit keiner US-Behörde zusammenarbeiten, weil der Staat regelmäßig gegen Menschenrechte verstößt.

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Dieter Petereit

Nach Aussage von Zip entscheide ich also nach meiner eigenen „ethischen Meinung“ was ich konkret an meinem Arbeitsplatz tue oder lasse? Das wird kaum ein Arbeitgeber mittragen. Was die Meinungsäußerung des Journalisten betrifft, so ist diese von der Meldung abgekoppelt und klar als solche gekennzeichnet. Wer nur die Meldung will, lese nur diese, denn die ist nicht mit Meinung behaftet.

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Dieter Petereit

Hallo Herr Dennis. Danke für ihre Meinung. Nehmen Sie einfach mal an, Sie würden Verkäufer bei einem Nutzfahrzeughersteller sein. Würden Sie sich dann weigern, manchem einen Transporter zu verkaufen, weil er damit Menschen deportieren könnte? Es kann nicht sein, dass sich jeder seine eigenen Regeln gibt. Dafür gibt es demokratisch gewählte Entscheider und im Falle von Unternehmen entsprechend besetzte Führungsgremien. Mehr wollte ich nicht deutlich machen.

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Martin
Martin

Und das ist jetzt wirklich die Meinung von t3n? In dem grauen Kasten steht ja „t3n meint“. Das wäre interessant zu erfahren. Kann ich mir gelinde gesagt nicht vorstellen.

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Dieter Petereit

Das ist die Meinung des Autoren, der den Beitrag geschrieben hat. Deswegen steht sein Name unter der Meinung. Eine offizielle t3n-Meinung gibt es nicht. Erstaunlich, dass das anscheinend erwartet wird, wo im Falle Googles eben genau die Meinung des einzelnen beschworen wird. Aber egal, was wessen Meinung ist, die Sache gehört in den Diskurs.

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Tikky
Tikky

Erstaunlich, dass über einem privaten Kommentar „t3n meint“ steht und es einem selbst überlassen ist, wie man es einsortiert. Wirklich gelungener Journalismus. Nicht.

Antworten
Andreas
Andreas

Sehr geehrter Herr Petereit,

ihr Vergleich mit dem Transporter hinkt. Sie müssten fragen: Dürfen sie den Transporter verkaufen, wenn sie wissen, dass damit Menschen deportiert werden?
Im Falle der Grenzbehörden weiß Google, dass gegen die eigens auferlegte Verpflichtung verstoßen wird.

Auch finde ich die Überschrift „t3n meint“ irreführend, wenn es doch die private Meinung eines einzelnen ist.

Loben möchte ich hier alle Kommentar-Schreiber denen die Moral wichtiger ist als unternehmerische Selbstbestimmung.

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