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P++: Zend-Gründer Suraski schlägt modernen Fork vor – und macht einen Rückzieher

Soll PHP renoviert werden? Unklar. (Foto: GagoDesign / Shutterstock)

Zeev Suraski, einer der Väter von PHP, schlägt einen modernen Fork der Sprache unter dem Arbeitstitel P++ vor, erhält dafür aber kaum Zuspruch.

Es sollte ein Kompromiss-Vorschlag werden. Zend-Gründer und PHP-Mitentwickler Zeev Suraski hat eine Weiterentwicklung des Sprach-Urgesteins PHP vorgeschlagen. Unter dem Arbeitstitel P++ stellte er sich eine PHP-Variante vor, die sich stärker an modernen Sprachen wie C+ orientieren und keine Rücksicht auf Abwärtskompatibilität mehr nehmen sollte. Schon aus dem inneren Zirkel der PHP-Entwickler schlug Suraski klare Ablehnung entgegen. Inzwischen hat er seinen Vorschlag zurückgezogen und angekündigt, zu einem späteren Zeitpunkt erneut auf das Thema eingehen zu wollen. Die Reaktionen hätten ihm gezeigt, dass es für einen solchen Schritt offenbar noch zu früh sei.

Maßgeblich für den schnellen Rückzug ist wohl eine spontan aufgesetzte Umfrage unter Core-Entwicklern gewesen, die mittels einer simplen Ja/Nein-Abfrage über die Durchführbarkeit des Vorhabens abstimmen sollten. Diese Umfrage des PHP-Entwicklers Deriock Rethans zeigt mit aktuell 36 Nein-Stimmen bei keiner einzigen Ja-Stimme ein mehr als eindeutiges Bild.

Diskussionen um den Kurs von PHP sind nicht neu

Zeev Suraski gehört mit Andi Gutmans, mit dem er das Unternehmen Zend gründete, und Rasmus Lerdorf zu den Erfindern der Script-Sprache PHP. Es ist also nicht irgendein Entwickler, der hier einen Vorschlag einbringt, sondern eine der drei maßgeblichen Personen der PHP-Historie. Suraski hat mit seiner Firma Zend zudem eines der beliebtesten Frameworks für die PHP-Entwicklung geschaffen, sich aber jüngst aus dem Unternehmen zurückgezogen.

Diskussionen um die zukünftige Ausrichtung von PHP sind nichts Neues. Gerade die Abwärtskompatibilität ist modernen Entwicklern seit Langem ein Dorn im Auge. Sie verhindert das Abschneiden ausgedienter Methoden einerseits und die Einführung moderner, teils komplexerer Befehlsstrukturen andererseits.

Neuer PHP-Dialekt findet keine Unterstützer

Da sich der Streit seit Jahren in unterschiedlicher Intensität hält, wollte Suraski mit seinem Vorschlag zur Befriedung beitragen. Indem die gleiche Entwickler-Community eine zweite Fassung mit identischer Codebase, aber unterschiedlichen Funktionen erschaffe, würde beiden Seiten des Konflikts gerecht. Die einen könnten ihre auf Abwärtskompatibilität fokussierten Dienste ebenso fortentwickeln, wie die anderen moderne Programmierkonzepte zum Einsatz bringen könnten. Suraski hat dabei besonderen Wert auf die Feststellung gelegt, dass er P++ nicht als Fork definiere.

Nach dem eindeutigen Ergebnis der informellen Umfrage ist das Thema zunächst wieder ad acta gelegt. Suraski ist es nicht gelungen, maßgebliche Mitentwickler für seinen Vorschlag zu begeistern. In der Community hat er indes eine lebhafte Diskussion zusätzlich angeheizt. Der Streit geht weiter …

t3n meint:

Wer schon mal auf einer Eigentümerversammlung war, kann sich die Abläufe in einem Gemeinschaftsprojekt wie PHP lebhaft vorstellen. Da wird es nicht stets rein um die Sache gehen. Wäre dem im vorliegenden Falle so, dann dürfte es keinen Streit um die Frage einer Fortentwicklung an sich geben. Vielmehr müsste es darum gehen, wie diese Fortentwicklung sinnvoll angegangen werden kann. Bei Suraskis Vorschlag stießen sich die Diskutanden direkt mal am Arbeitstitel P++. Auf derart niedrigem Niveau kann keine konstruktive Lösung gefunden werden. Ich kann Suraskis Rückzug daher voll nachvollziehen.

Dieter Petereit

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