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„Auf gar keinen Fall!“: Warum der neue EU-Digitalkommissar gegen eine Roboter-Steuer ist

Auf dem Pioneers Festival diskutieren Politiker, Unternehmen und Experten über die anstehenden Veränderungen durch künstliche Intelligenz. (Foto: t3n)

Wenn Maschinen unsere Arbeit machen, darf der Staat dann eine Roboter-Steuer erheben? EU-Digitalkommissar Andrus Ansip äußerte dazu auf dem Pioneers Festival eine klare Meinung.

„Auf gar keinen Fall, auf gar keinen Fall!“ Andrus Ansip schüttelt mit dem Kopf und schaut den Moderator entgeistert an. Der CNBC-Journalist hatte ihm die Frage gestellt, ob er für eine Roboter-Steuer sei. Kürzlich hatte sich erst Bill Gates für eine entsprechende Abgabe ausgesprochen. Für Ansip ist das aber unvorstellbar. „Der Sinn von Steuern ist es, einen Einfluss auf einen Prozess zu nehmen“, erklärt der EU-Digitalkommissar. So besteuere der Staat etwa ein Unternehmen, das die Umwelt verschmutze, um es dazu zu bringen, sein Verhalten zu ändern. Aber eine Steuer auf den technologischen Fortschritt? Das hemme die Weiterentwicklung, erklärt der Politiker. „Warum sollten wir den Fortschritt aufhalten?“

Die technologische Innovation, von der Ansip auf dem Pioneers Festival in Wien spricht, lautet künstliche Intelligenz. Tech-Enthusiasten aus der ganzen Welt haben sich an diesem Donnerstag in Wien versammelt, um über maschinelles Lernen und kluge Maschinen zu sprechen: Wie hilft uns künstliche Intelligenz im Alltag? Wie kann sie unser Leben negativ beeinflussen? Und vor allem: Wenn die Maschinen unsere Arbeit besser erledigen können als wir – was machen wir dann?

Auf dem Panel „Automation and the Future of Work“ diskutiert Andrus Ansip letztere Frage, gemeinsam mit Wirecard-Chef Markus Braun und Kathryn Myronuk, Mitgründerin der Singularity University. Für Braun hat künstliche Intelligenz vor allem positive Auswirkungen: „Der Fortschritt hat immer mehr Jobs geschaffen, als er zerstört hat“, sagt der Chef des Paymentanbieters Wirecard. Das Unternehmen selbst sei ein gutes Beispiel dafür. Viele der Berufe, die es heute bei der Bank gebe, existierten vor fünf oder sechs Jahren noch gar nicht.

„Ob Roboter-Steuer oder nicht“: Lösungen müssen her

Ob selbstfahrende Autos oder die perfekt zugeschnitte Werbung – Braun ist überzeugt, dass die künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren in viele Bereiche vordringen wird. Auch Ansip gibt sich pro technologischem Fortschritt: „Ich unterstütze die Digitalisierung unseres Lebens.“ Schließlich seien die Menschen vor einigen Jahrzehnten auch sicher gewesen, dass die Dampfmaschine ihren Arbeitsplatz ersetzen würde. Doch das passierte nicht. „Wir können den Fortschritt nicht aufhalten“, betont er. Auch ein Grundeinkommen sieht er „noch nicht“. Man müsse mehr Jobs schaffen, nicht weniger.

Ansip mahnt aber davor, die Gefahren zu unterschätzen. „Ich bin Politiker, ich muss über Arbeitslosigkeit nachdenken.“ Die Menschen hätten nun einmal Angst, dass sie ihre Arbeit an Roboter und Maschinen verlieren. Und sie hätten ein Recht, Angst zu haben, so der Politiker. Eine Prognose aus Oxford geht davon aus, dass jeder zweite Beruf in den USA in den kommenden 25 Jahren wegfallen könnte. Für Deutschland gibt es ähnliche Vorhersagen.

Kathryn Myronuk beschreibt die Sorge der Menschen mit einer Analogie. „Mein Haus ist 50 Jahre alt und es hat nie ein Feuer erlebt“, erklärt sie. „Ich will kein Feuer haben.“ Für das Haus gibt es eine Lösung: „Für den Fall, dass ein Feuer ausbricht, habe ich eine Versicherung.“ Will heißen: Wenn sich künstliche Intelligenz weiter so rasant entwickelt, braucht es eine Art Versicherung für Jobs. Oder die Menschen müssen zumindest wissen, was passiert, wenn das Haus abgebrannt ist. Es braucht einen Schlachtplan.

„Fragt nicht nur die Experten!“

Dieser solle aber im besten Fall nicht nur von Experten kommen, fordert Myronuk. „Beim Klimaschutz gibt es eine breite Diskussion aller Gesellschaftschichten“, sagt sie. Doch die Folgen der künstlichen Intelligenz würden nur von Techies und Ökonomen diskutiert. Das hält sie für falsch. Es würden zu wenige Menschen in die Überlegungen miteinbezogen. „Fragt doch jeden, was er will, nicht nur die Experten“, meint Myronuk.

Darin stimmt sie auch mit Ansip überein. „Ob Roboter-Steuer oder nicht – wir müssen über Lösungen nachdenken“, so der Politiker. Am Donnerstag haben er und seine Mitstreiter zwar kein Patentrezept gefunden. Sie haben die Diskussion aber zumindest angestoßen.

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Eine Reaktion
Leo

Nach diesem Ansatz bedeutet es, dass wir menschliche Arbeit besteuern, weil wir sie verhindern wollen. Also das ist schon sehr schmal gedacht.

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