Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

Das Pippi-Langstrumpf-Prinzip als Schlüssel zum Misserfolg (Teil 2)

© emmi - Fotolia.com

Im ersten Teil vom „Pippi-Langstrumpf-Prinzip als Schlüssel zum Misserfolg“ ging es um die wesentlichen Grundlagen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Startups und wie diese das „PLP“ ebenfalls erfolgreich einsetzen können.

Startups, seid infantil!

Auch für Startups ist das Pippi-Langstrump-Ventil (PLP) ein wunderbares Werkzeug und kann bereits vor der Gründung eine wertvolle Hilfe sein. Idealerweise findet der Grundsatz „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ schon bei der Geschäftsidee Anwendung. So empfiehlt es sich vor der Gründung alles zu ignorieren, was um einen herum passiert.

Ist irgendeine Geschäftsidee gefunden, wird diese in Stein gemeißelt und darf unter keinen Umständen in Frage gestellt werden. Es gibt keine schlechten Geschäftsideen im PLP! Hier liegt der Teufel jedoch im Detail, denn es geht nicht darum, sich wirklich Gedanken darum zu machen, ob es für die eigene Idee einen Markt oder in einem etablierten Markt schon Anbieter gibt. Nein, es reicht eine fixe Idee. Punkt. Diese Idee gilt es auf Papier zu bringen. Hier kommt eine weitere Methodik des PLP zum Einsatz: Buzzwording.

idee
Infantil sein? Großartige Idee! (Foto: © emmi – Fotolia.com)

Buzzwording

Anstatt etwas leicht verständlich zu beschreiben, setzt man ausschließlich sogenannte Buzzwords (Worthülsen) ein. So wie der Modedesigner Harald Glööckler aus uns allen eine Prinzessin machen kann, helfen Buzzwords, aus einer Idee etwas wirklich Einzigartiges und noch nie da Gewesenes zu machen. Das folgende Beispiel beschreibt den Einsatz des Buzzwordings bei der Beschreibung einer fiktiven Geschäftsidee des fiktiven Startups VeganMobi.

VeganMobi, mit Office in Berlin, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Whole Workflow beim Mobile Payment am Point of Sale zu downsizen. VeganMobi hatte einen Come-to-Jesus-Moment, der letztendlich zu einer Disruptive Innovation führte. VeganMobi möchte den MPayment-Workflow komplett vegan abbilden und so Best of Breed werden. Dabei deckt VeganMobi die ganze Bandwith ab, angefangen beim Merchand bis hin zum Customer. Die Core-Competency von VeganMobi ist ganz klar das Cloud-Computing auf veganer Basis. Target-Group ist B2B als auch B2C.

Es gibt eine Reihe von Buzzwords die man nach Belieben Einsetzen kann. Dabei spielt es gar keine Rolle, an welcher Stelle sie zum Einsatz kommen. Ob im Gespräch mit möglichen Investoren, beim Pitchen oder am Sterbebett der Großmutter. Buzzwords müssen gelebt werden.

Folgende Buzzwords sollen als Anregung dienen:

  • Eating your own dogfood = Die eigenen Produkte auch selbst nutzen. Wichtig ist eigentlich nur, das so zu behaupten. Man sollte die eigenen Produkte eigentlich nie nutzen. Es reicht aus, die bunten Bilder in der Powerpoint-Präsentation zu kennen (Keynote). Vorhanden = Gut.
  • Customer-centric = Auf den Kunden ausgerichtet. Vorsicht! Dieses Buzzword hat es in sich. Auch hier gilt: oft sagen, nie umsetzen! Vorhanden = Gut.
  • Return on Investment = Hier wird der Zeitpunkt beschrieben, an dem das ausgegebene Geld (das zur Verfügung gestellt wurde) wieder eingespielt wurde. Einfach ein beliebiges Datum zwischen zwölf und 24 Monaten einzutragen. Das Datum ist obligatorisch und hat keine weitere Relevanz. In der Praxis gibt es diesen Return of Invest ohnehin nicht. Schneller Return of Invest = Gut.
  • Cross-platform = Idealerweise ist ein Produkt cross-plattform-fähig, das heißt, es läuft auf mehren Betriebssystemen. Im mobilen Bereich zum Beispiel auf dem Apple Betriebssystem iOS und auf Googles Android. Es reicht aber aus, wenn es nur auf einem der beiden oder keinem läuft. Die Willenserklärung, dass es das bald tun wird, reicht aus (bald auch für Android). Vorhanden = Gut.
  • Seamless (Integration) = irgendwas mit nahtloser Integration. Muss man nicht weiter kennen, nur als Wort einsetzen. Vorhanden = Gut.
  • New Economy = Irgendwas im Internet. Wenn man eine Webseite oder einen Internetanschluss hat, ist man automatisch Teil der New Economy.
  • Synergy = Bei der Synergie geht es um einen gemeinsamen Nutzen mit anderen Technologien, Lösungen oder Unternehmen. BlaBlaBla. Einfach zwischendurch den Synergie-Effekt einstreuen und wie wichtig Synergien sind. Groß = Gut.
  • Organic Growth = Organisches Wachstum. Achtung! Es handelt sich nicht um eine Erektion! Das wird oft verwechselt. Es geht um das wirtschaftliche Wachsen aus eigener Kraft. Das ist aber nicht weiter wichtig. Groß = Gut.

Im Prinzip kann man jedes englische Wort nutzen. Auch eigene Kunstwörter können nützlich sein. Je weniger man versteht, desto besser. Ist die Idee auf Papier gebracht – oder besser in eine Präsentation Powerpoint Keynote –, kann man Investoren ansprechen. Dazu benötigt man ein gutes Netzwerk Network. Das findet man ausschließlich in Berlin. In so genannten Barcamps trifft man auf Gleichgesinnte, die oftmals nach dem PLP-Prinzip arbeiten, und Investoren, die man jetzt überzeugen muss.

Mit PLP überzeugen

Das exzessive Einsetzen von Buzzwords ist die halbe Miete, um das Gegenüber von der eigenen völligen Ahnungslosigkeit zu überzeugen. Es bedarf jedoch etwas mehr Einsatz. Wichtig ist die eigene Willensstärke. Man darf nicht vergessen, dass man sich ja die Welt so macht, wie sie einem gefällt. Neben Buzzwords nutzen wir das im PLP verankerte Pinocchio-Prinzip. Das Pinocchio-Prinzip kennen wir unter der negativen Bezeichnung „Lügen“. Im PLP gehen wir davon aus, dass die Lüge nichts anderes ist als eine andere Form der Wahrheit. Dementsprechend wird auch nicht gelogen, sondern dem Gegenüber nur das erzählt, was es ohnehin hören möchte.Während bei Pinocchio mit jeder Lüge die Nase länger wurde, steigt beim PLP die Überzeugungskraft.

Weiter geht es nächste Woche im  dritten Teil dieser Artikelserie, darin unter anderem ...

  • Der optimale Nährboden für PLP.
  • Wie man Kollegen und Mitarbeiter einbezieht.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

2 Reaktionen
Heiner

Phrasen-Bingo Teil 2 - Es ist halt schwer ein Online Magazin zu füllen.

Christian

Ja, das mit den Worthülsen ist leider ein weit verbreitetes Problem. Macht Unterhaltungen nur anstrengender aber Hauptsache man hört sich Hip an...

PS: Warte ja auch auf meinen Come-to-Jesus-Moment aber der kommt einfach nicht ;)

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Finde einen Job, den du liebst