Interview

Piraten-Chef: „Ich versuche gerade so eine Art Klamottenkodex zu diskutieren“

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t3n.de: War das Internet und die öffentliche, transparente Diskussion ein Brandbeschleuniger dieser Konflikte?

Da waren wir gewissermaßen Avantgarde – Vorbote von dem, wie es sich jetzt entwickelt. Wenn wir heute Shitstorms bei anderen Parteien oder Firmen sehen, ist das wie ein Déjà-vu-Erlebnis. Und weil wir inzwischen wissen, wie man damit umgeht, sind einige von uns inzwischen auch in beratender Funktion in Unternehmen tätig. Das sehe ich auch bei mir: Ich bekomme Jobangebote, die hätte ich so vorher nicht bekommen. Da wird uns immer noch eine gewisse Kernkompetenz zugesprochen. Wir hatten aber zuletzt einige Punkte, bei denen wir bewiesen haben, dass wir erwachsener geworden sind. So habe ich kürzlich eine Pressekonferenz mit Martin Sonneborn gemacht, für die ich intern stark kritisiert wurde – aber es ist nicht in eine riesige Schlammschlacht ausgeartet.

t3n.de: Also gab es parteiinterne Kritik, die aber nicht so stark an die Öffentlichkeit gedrungen ist?

Patrick Schiffer, Vorstandsvorsitzender der Piratenpartei Deutschland. (Fotograf: Christian Steinmetz. Lizenz: CC-BY-SA)

Intern in Sitzungen, geschlossenen Gruppen und so musste ich mir einiges anhören. Aber außerhalb davon war kein Shitstorm zu spüren.

t3n.de: Vielleicht liegt das aber auch an der geringen Aufmerksamkeit für die Piratenpartei insgesamt? Vielleicht ist die Erwartung des einzelnen, erfolgreich einen Shitstorm loszutreten, einfach viel geringer?

Ich weiß nicht, ob man das so pauschal sagen kann …

t3n.de: Die Piratenpartei hat medial auf jeden Fall ein Problem: Ihr wart mal sehr prominent, hattet sehr gute Umfragen – über einen recht kurzen Zeitraum. Dann gab es die bekannten Querelen, ihr seid in den Umfragen abgestürzt. Jetzt ist die Marke sozusagen medial verbrannt. Es dürfte schwierig sein, jetzt noch einmal mit einer positiven Geschichte zurückzukommen. Hast du jetzt den Masterplan dafür?

Ja, den Masterplan gibt es – beziehungsweise gibt es von mir den Versuch, dass der Plan angenommen wird. Wir haben ja nicht solche Top-Down-Strukturen. Bei meiner Wahl zum Bundesvorstand habe ich aber klar gesagt, dass ich ein politischer Vorstand sein möchte und nicht so einer, der auf Twitter fragt, welche Meinung die Partei eigentlich dazu hat. Ein klassischer Vorsitzender, der auch proaktiv mal mit Forderungen und politischen Meinungen nach außen geht.

t3n.de: Also das, was in anderen Parteien die Regel ist.

Genau. Nur, dass wir das dann eben noch intern diskutieren – und ob das dann wirklich umgesetzt wird, also im Parteiprogramm landet, das entscheidet dann am Ende trotzdem die Basis. Aber ich …

t3n.de: … du kannst vorpreschen …

… ich presche vor und sag auch: Passt auf Leute, wir brauchen solche Vorstände, sonst nimmt uns keiner ernst. Außerdem professionalisiere ich die Pressearbeit und es ist ein Relaunch der Website mit einem durchgehend professionellen Erscheinungsbild geplant. Außerdem überlege ich gerade, so eine Art Klamottenkodex zu diskutieren.

t3n.de: Der Talkshow-Auftritt von Johannes Ponader in Sandalen – ein Trauma für die Piraten bis heute?

„Egal mit welcher Partei – mit Netzpolitik holst du keine fünf Prozent mehr.“

Wenn wir jetzt auf die Bundestagswahl zugehen, dann brauchen wir gewisse Strategien, wie wir nach außen auftreten. Da lass ich mich natürlich von Medienleuten beraten, die sagen: Turnschuhe überhaupt kein Problem – aber Sandalen, nur Socken oder barfuß, das geht einfach nicht. Das sind so grundsätzliche Dinge, auf die Leute achten, wenn jemand Verantwortung übernehmen will. Wir machen auch noch Medientrainings mit unseren Kandidaten. Wir haben außerdem ein Spitzentrio gewählt, statt dieses Zerfaserte mit 16 Spitzenkandidaten – das funktioniert in der Medienwelt nicht.

t3n.de: Du bist nicht der Spitzenkandidat?

Ich habe meine Kandidatur zurückgezogen, weil wir eine sehr talentierte junge Frau haben: Anja Hirschel aus Baden-Württemberg. Ich fand es besser, wenn sie Spitzenkandidatin wird. Zusätzlich haben wir zwei weitere Spitzenkandidaten: Sebastian Alscher und René Pickhardt.

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