Kommentar

Zeit für den „Pivot to Humans“

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat einen „Pivot to Privacy“ angekündigt. (Foto: Facebook)

„Pivot to Paid,“ „Pivot to Video”, „Pivot to Privacy” – die Tech-Welt ist voll von meist eher kurzlebigen Trends, denen die Branche folgt. Zeit für den einzig wahren Trend.

In der Startup-Welt gab es eine Zeit, in der Investoren der Medienöffentlichkeit auf der Suche nach dem nächsten „Facebook“ waren. Aber seit Facebook ist kein Internet-Consumer-Riese mehr entstanden. Die Welt des Consumer-Internets teilt sich weiter im Wesentlichen zwischen Google, Amazon und Facebook samt der eigenen Dienste Instagram und Whatsapp auf. Die Jagd nach dem nächsten Facebook ist folgerichtig längst vorbei. Unter Investoren sind schon seit vielen Jahren die vielen, kleinen B2B-Startups angesagt, die in der richtigen Nische gutes Geld verdienen können. Transaktionen statt Nutzermassen wurden sexy.

Facebook sieht sich angesichts der öffentlichen Dauerkritik als Plattform für die Verbreitung von Fake News und diversen Datenskandalen selbst wieder in einem Pivot – dem „Pivot to Pricacy“, genauer hin zu privater Kommunikation. Der englische Begriff für Schwenk steht in der Startup-Welt für das Drehen des Geschäftsmodells. In einem Eins-zu-eins-Gespräch oder kleinen, geschlossenen Gruppen von Nutzern, die sich kennen, gibt es viele der Probleme nicht, die Facebook zuletzt plagten.

Dabei wären vielleicht weniger Pivots nötig, wenn von vornherein der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt des Unternehmens gestanden hätten. Wer von der Frage ausgeht, was Menschen wirklich brauchen, um besser zu leben oder zu arbeiten, baut – wenn er oder sie die Frage korrekt beantwortet – auch ein Produkt mit nachhaltiger Nachfrage. Wer weiter fragt, was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen, um sich wohlzufühlen, kann in der Regel auch diejenigen ans Unternehmen binden, die zum Bau des Produkts notwendig sind.

„Pivot to Humans“ für die „License to operate“

Und wer zuletzt noch fragt, wie sich das eigene Produkt und das Unternehmenshandeln auf die Gesellschaft auswirken, setzt auch die „License to operate“ nicht aufs Spiel – also den grundsätzlichen Willen der Gesellschaft, dem Unternehmen das Wirtschaften zu erlauben.

Dass der Faktor Mitarbeiter im „War of Talents“ an Bedeutung gewinnt, haben die meisten Unternehmen erkannt. Dass die Fähigkeit, die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuziehen, zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmen geworden ist, ebenfalls. Jetzt muss nur noch der richtige Schluss daraus gezogen werden: Die Auswirkungen auf den Menschen durch das eigene Unternehmenshandeln in den Fokus zu rücken. Menschen als Kunde, als Mitarbeiter und als Gesellschaft.

Umfragen, zum Beispiel von der Unternehmensberatung BCG, zeigen, dass die Generationen Y und Z – also alle, die 1980 und später geboren wurden – weniger auf das Gehalt und mehr auf eine sinnstiftende Tätigkeit achten als vorangegangene Generationen. Und durch die gute Arbeitsmarktsituation, insbesondere in Deutschland, werden sie anspruchsvoller. Unternehmenswerte nicht nur in Image-Spots, sondern auch gelebt in Unternehmen auftauchen zu lassen, wird für die Firmen so überlebenswichtig. Höchste Zeit für den „Pivot to Humans“ – aber diesmal gerne dauerhaft.

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