Interview

Plug-and-Play-Chef: „Der Wille zur Perfektion bremst deutsche Gründer aus“

Saeed Amidi investiert jährlich in eine vierstellige Anzahl an Early-stage-Startups. (Foto: Plug and Play)

Saeed Amidi gilt mit seinem Plug and Play Tech Center als einer der bekanntesten Startup-Investoren. Im Exklusiv-Interview erklärt er, warum deutsche Gründer sich und ihrem Erfolg oft selbst im Weg stehen.

Seitdem der Exil-Iraner Saeed Amidi 1975 von seinen Eltern zur Ausbildung in die USA geschickt wurde, hat er nicht nur Unternehmen gegründet und geführt – sondern in den letzten Jahren vor allem auch über die globale Innovationsplattform Plug and Play in hunderte Startups investiert. Besonders am Herzen liegen Amidi Early-Stage-Investments, die er in industrie- und branchenspezifischen Accelerator-Programmen fördert.

Inzwischen ist Plug and Play an mehr als zwei Dutzend Standorten weltweit vertreten und investiert jährlich in mehrere hundert Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen – in Deutschland zum Beispiel für Automotive (Startup Autobahn), Handel (Retailtech Hub), Versicherungen (Insurtech Europe), Pharma (Startup Creasphere) sowie Supply Chain & Logistics. Plug and Play hat Unternehmen wie Dropbox, Paypal und N26 unterstützt – und zu den Unternehmenspartnern in Deutschland zählen Allianz, Daimler, die Mediamarkt-Saturn-Gruppe, Munich Re, Porsche, Roche, Sanofi, Visa und Wirecard.

Am Rande der diesjährigen Bits & Pretzels in München haben wir Saeed Amidi getroffen und mit ihm über die Besonderheiten der deutschen Gründerszene gesprochen.

t3n: Du investiert Jahr für Jahr in viele hundert Startups – warum vornehmlich in deren Frühphase?

Saeed Amidi: Wir unterstützten mit Plug and Play in den USA insgesamt mehr als tausend Startups im Jahr in irgendeiner Form – sei es durch Investments, sei es aber auch ideell. Mit Plug and Play Mobility oder der Startup Autobahn in Deutschland fördern wir über hundert junge Unternehmen. Ich glaube, dass gerade die Frühphase spannend ist, weil sich da ein Geschäftsmodell, ein Service oder eine Unternehmensphilosophie erst noch herauskristallisiert. Wenn wir Kooperationspartner wie etwa Großkonzerne finden, in deren Business ein solches Unternehmen passt, dann ist das eine hervorragende Möglichkeit, ein Geschäft schnell zu skalieren. Davon abgesehen mag ich ganz persönlich diese Arbeit mit den Unternehmern und Gründern in der Frühphase – da kann Plug and Play aus meiner Sicht das meiste bewirken. Wenn ein Unternehmen hundert Mitarbeiter und 100 Millionen US-Dollar hat, brauchen die meine Hilfe nicht unbedingt.

t3n: Hast du mal ein Beispiel?

Als Maximilian Tayental und Valentin Stalf von N26 zu mir kamen, waren sie mit ihrer Idee zu zweit. Wir haben sie unter anderem damals mit Peter Thiel zusammengebracht, das war eine große Hilfe. Als Peter dann aber Millionen investiert hatte, brauchten sie meine Hilfe nicht mehr so dringend. In der ersten Phase können wir am meisten bewirken.

t3n: Wie erlebst du die deutsche Startup-Szene, was fällt dir da auf und wo sind die Stärken und Schwächen der Unternehmen?

Mit unserem Programm in Kooperation mit Axel Springer SE haben wir (von Berlin aus) in über hundert Unternehmen in Deutschland investiert – und in Sachen Engineering und Industrietechnologie sind die Deutschen tatsächlich ganz weit vorne. Kürzlich hatte ich Gespräche mit der RWTH Aachen und anderen technischen Hochschulen. Aber was ich leider sehe, ist, dass die Gründer in Deutschland nicht groß genug denken, nicht global genug sind. Think big – werdet selbstbewusst! Viele deutsche Gründer machen ein paar Millionen Umsatz und sind durchaus erfolgreich – aber dass mal einer sagt, er wolle das nächste Google werden, erlebe ich nicht. Alles, was sich ändern muss, ist die Sichtweise – die muss größer und globaler werden für meine Begriffe. Da sind die deutschen Startups, aber auch die in anderen westeuropäischen Ländern, deutlich zurückhaltender die als im Silicon Valley.

t3n: Muss diese globale Denkweise denn überhaupt sein, um erfolgreich zu sein?

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