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Bullshit-Bingo inklusive: Wenn Politiker ihr Parteiprogramm vor Startups pitchen

Bundestagswahl 2017: Politiker pitchen ihr Parteiprogramm vor Startups. (Foto: Get Started)

Die Bundestagswahl 2017 steht kurz bevor. Spitzenpolitiker haben deshalb ihr Parteiprogramm vor Startups gepitcht. Ein Format ohne viele Ecken und Kanten.

Würden Gründer die Bundesregierung mit Schulnoten bewerten, so würde das Urteil wohl nur „ausreichend“ lauten. Es gäbe eine glatte Vier! Das ergab zumindest eine Bitkom-Umfrage, die nach den Wünschen der Startup-Szene gegenüber der Politik gefragt hat. Eine wichtige Aussage darin lautet zudem, dass die Politik überhaupt kein Verständnis dafür habe, was den Jungunternehmen fehle. Zumindest glauben das acht von zehn Gründern. Eine Behauptung, die sich überprüfen lassen sollte. Im Berliner Ballhaus trafen sich jetzt Spitzenpolitiker der größten Parteien und versuchten, die Szene vom Gegenteil zu überzeugen.

Mit dabei waren Petra Sitte (Die Linke), Helge Braun (CDU), Hubertus Heil (SPD), Kerstin Andreae (Bündnis 90/Die Grünen) und Christian Lindner (FDP). Sie alle buhlten um die Gunst der in etwa 100 anwesenden Zuschauer aus der Startup-Wirtschaft. In jeweils vier-minütigen Pitches bekamen die Politiker die Chance, zu beweisen, dass sie die Belange der Gründer sehr wohl interessieren und die Parteien genau wissen, worauf es ankommt und was es braucht, um erfolgreich zu gründen. Eine vierköpfige Jury bestehend aus Christian Bartz (Elinvar), Verena Hubertz (Kitchen Stories), Jörg Land (Tinitracks) und Raffaela Rein (Carrer Foundry) löcherte die Politiker anschließend mit Fragen.

Bundestagswahl 2017: Was können Startups von den Parteien erwarten?

Den Anfang machte Petra Sitte. Die erste parlamentarische Geschäftsführerin der Linken, die schon in der SED und der PDS ihre politischen Vorstellungen vorantrieb, wirkte während des Pitches vor jungen Gründern zeitweise etwas verloren. Sie punktete jedoch mit der Aussage, dass alle Politiker für Digitalpolitik zuständig seien. Ihr läge am Herzen, dass die kommende Regierung vor allem für klare Regelungen sorgt, und das am besten gleich EU-weit. Viel zu oft, so Sitte, würden die Sozialsysteme hierzulande nicht ausreichend auf die Belange der Gründer eingehen. Viele scheitern schon daran, sich gebührend zu versichern.

Helge Braun von der CDU versuchte im Anschluss, das Vertrauen der Anwesenden mit neuen Ideen zur Erreichbarkeit der Bundesregierung zu gewinnen. Wenn die Telekom ein regulatorisches Problem habe, könne sie die Kanzlerin anrufen, so der ruhig vortragende Christ-Demokrat. Startups hätten diese Möglichkeit jedoch nicht. Er stellte in Aussicht, dass es in der kommenden Legislaturperiode einen einheitlichen Ansprechpartner geben könnte. Zudem möchte Braun, dass im Rahmen von Regulierungsvorhaben auch mal Ausnahmen geschaffen werden können.

Als nächstes trat Hubertus Heil von der SPD auf die Bühne und machte gleich das ganz große Fass auf. Die Sozialdemokraten hätten die größte Erfahrung im Change-Management. Seien doch sie diejenigen gewesen, die zu Zeiten der ersten industriellen Revolution aus Innovation auch sozialen Fortschritt in Deutschland machten. Der mechanische Webstuhl war disruptiv und kostete Jobs, so Heil, doch am Ende ging die Sache gut aus. Nicht zuletzt, weil die SPD schon damals erfolgreiche sozialwirtschaftliche Politik machte. Was bei der Industrie 1.0 gelang, wird auch während der Industrie 4.0 gelingen, so Hubertus Heil.

Dass es viel zu wenig Gründer in Deutschland gebe und es sowieso mehr Ideen und Tatendrang brauche, ließ dann Kerstin Andreae von den Grünen wissen. Ihr Vorschlag für ein aktivierendes Gründerumfeld ging in Richtung des Gründungskapitals. Wie komme ich an Geld? Wie kann ich loslegen? Das seien die drängendsten Fragen von Jungunternehmern. Um sie zu unterstützen, so Andreae, brauche es 25.000 Euro zinsloses Darlehen ohne eine Bank im Rücken, jedoch auch mit Tragfähigkeitskonzept. Dass das funktioniere, sehe man doch in Hessen, wo ein derartiges Microkapital bereits installiert sei.

Christian Lindner von der FDP versucht es zuerst einmal mit Humor. Er stellte klar, dass doch die FDP mit dem Scheitern ihre Erfahrung gemacht habe und schon allein deshalb ein gesteigertes Interesse an zweiten Chancen mitbringe. Während der Aussage, dass die Digitalisierung eine Chance sei, schwenkte die Stimmung jedoch schnell um. Der Bundesvorsitzende der Liberalen plädierte dafür, dass unsere Sorge nicht sein darf, dass die Digitalisierung passiere, sondern vielmehr, dass sie woanders geschehe. Deutschland habe noch nicht einmal ein modernes Einwanderungsgesetz für IT-Talente. Das müsse sich ändern.

Die Teilnehmer: Petra Sitte (Die Linke), Hubertus Heil (SPD), Christian Lindner (FDP), Helge Braun (CDU) und Kerstin Andreae (Bündnis 90/Die Grünen). (Foto: Get Started)

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Es wurde fast jedes Buzzword abgehakt

Fernab der Punkte, die das eigene Parteiprofil schärften, konnten die anwesenden Politiker sich jedoch auch auf viele Gemeinsamkeiten einigen. Auf Aussagen zur digitalen Frühbildung in Schulen und Universitäten, der Priorität des Breitbandausbaus sowie zur Förderung von Wagniskapitalprogrammen und verbesserten gesetzlichen Bestimmungen in Richtung flexibler Arbeitsmodelle konnten sich alle Spitzenpolitiker im Raum verständigen. Auch müsse ganz dringend der Bürokratieabbau in den Fokus rücken. Und überhaupt, es brauche endlich eine Kultur des Scheiterns. Nicht das Hinfallen darf das Problem sein, sondern das Liegenbleiben.

An vielen Stellen fühlten sich die Anwesenden in dem Rahmen zweifelsohne an das beliebte Bullshit-Bingo erinnert. So kam auch Jury-Mitglied Christian Bartz während eines Pitches nicht umhin, festzustellen, dass der doch sehr gut gewesen sei – man habe fast jedes Buzzword abhaken können. Was von den Ideen, Wünschen und Versprechen schlussendlich übrig bleibt, wird sich zeigen. Angesichts der Übereinstimmungen sollte aber in der kommenden Legislaturperiode einiges besser werden – egal, wer Ende des Jahres regiert. Schon Kennedy sagte: „Wenn wir uns einig sind, gibt es wenig, das wir nicht können!“

Übrigens, wir haben noch weitere spannende Themen zur Bundestagswahl 2017 für euch aufbereitet. Alle Artikel dazu findet ihr hier.

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