Ratgeber

Preisfehler im Onlinehandel: Warum Kunden manchmal doch etwas geschenkt bekommen

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Wer die Ware bekommt, hat Glück gehabt

Dass viele der Preisfehler nicht vor Gericht eingeklagt werden, hat einfach mit dem Wert der Ware zu tun. Es lohnt sich schlicht nicht, hierfür die Gerichte zu bemühen und man wird in den seltensten Fällen einen Anwalt finden, der angesichts des Streitwerts seine Streitlust entwickelt. Doch beim aktuellen Fall kommt noch etwas anderes hinzu, wie Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt: „Meines Erachtens ist hier ein Vertrag zwischen Amazon und den Käufern zum rabattierten Preis von 0 Euro zustande gekommen. Da sich Amazon bei diesem Rabatt geirrt hatte und offenbar ein technischer Fehler vorlag, hätte das Unternehmen diesen Vertrag allerdings widerrufen können, was ja teilweise auch passiert ist. Eine solche Irrtumsanfechtung muss aber ausdrücklich erklärt werden.“ Eine einfache Stornierung ohne Erklärung an den Kunden hätte hingegen seiner Meinung nach nicht ausgereicht.

Mut macht Solmecke denjenigen, die Ware erhalten haben (und, wie man in der Mydealz-Community lesen kann, teilweise mit dem Auspacken noch zwei Wochen warten wollen, weil sie eine Rückforderung seitens Amazon befürchten): „Diejenigen Kunden, die ihre Bestellungen bereits erhalten haben, können diese auch behalten. Vor einiger Zeit hat zwar das Amtsgericht Dortmund geurteilt, dass Kaufverträge bei sehr krassen Preisfehlern nicht zustande kommen, jedoch teile ich zum einen schon diese Auffassung des Amtsgerichts Dortmund nicht und zum anderen sind Rabatte in Höhe von neun Euro auf Amazon auch nicht ungewöhnlich.“

Gleichwohl könne Amazon den Vertrag auch anfechten, was ja in einigen Fällen erfolgt ist: „Aufgrund eines technischen Fehlers wurde Ihnen während des Bestellvorgangs ein falscher Preis angezeigt. Wir mussten Ihre Bestellung daher stornieren. Selbstverständlich wird Ihnen der Betrag dieser Bestellung nicht in Rechnung gestellt“, heißt es da im Kundenkonto. „Laut unseren AGB kommt der Kaufvertrag über ein Produkt immer erst mit Absenden der Versandbestätigungs-E-Mail zustande. Hilfsweise erklären wir jedoch die Anfechtung wegen Irrtums.“ Das sieht Solmecke etwas anders: „Ich teile nicht die Meinung, dass sich Amazon den Vertragsschluss bis zur Versandbestätigung vorbehalten kann. Wenn der Kauf online bestätigt wird, dann ist der Vertrag fix geschlossen und muss bei einem Fehler unverzüglich und unmissverständlich angefochten werden, was ja in diesem Fall teilweise passiert ist.“

Preisfehler: Gesunder Menschenverstand hilft oft weiter

Dabei spielt auch immer eine Rolle, wie gravierend der Preisfehler ausfällt und wie sicher der Kunde sein muss, dass es sich dabei um einen solchen handelt – und eben nicht um eine der üblichen Preisschlachten: Ein 10-Euro-Rabatt kann durchaus im Rahmen des Möglichen liegen, auch wenn dieser normalerweise nur einmal pro Nutzerkonto zu verwenden sein dürfte. Bei einem (vertragsfreien) iPhone X für beispielsweise 109,90 Euro statt 1099 Euro würde dagegen vieles darauf hindeuten, dass es sich um einen klassischen Preisfehler handelt. Ähnlich sieht es bei einem Fall aus, der vor zwei Jahren für Schlagzeilen sorgte, als ein kleinerer Onlinehändler eine große Menge an Artikeln für 10 Prozent des Listenpreises anbot. Hier hätte ein Richter aller Voraussicht nach den (offenbar tatsächlichen) IT-Fehler für glaubhaft gehalten.

Grundsätzlich könne man, so Rechtsanwalt Solmecke, vor allem dann auf Lieferung hoffen, wenn der Kaufvorgang bei einem Händler mit automatisiertem Bestell- und Versandprozess einfach durchrutscht oder wenn die Differenz zum günstigsten Vergleichspreis nicht so übermäßig hoch liegt, dass sich eine Anfechtung mit dem negativen Kundenfeedback für den Händler lohnt. Grundsätzlich sollte der Kunde sich an seinem gesunden Menschenverstand orientieren und kann in einem solchen Fall seinem Glück etwas nachhelfen, indem er beispielsweise eine Zahlungsart wählt, die weitgehend automatisiert und eben nicht auf Rechnung erfolgt. Kunden sollten das Ganze allerdings auch sportlich nehmen und bei einer allzu offensichtlichen Preisabweichung nach unten akzeptieren, dass es eben tatsächlich ein Preisfehler war.

Auf der nächsten Seite erfährst du, warum das Ausnutzen solcher Tricks bei Amazon zum Problem werden kann und in welcher Branche Preisfehler tagtäglich vorkommen.  

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