Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Interview

Project A: „Wir verstehen uns nicht als reiner Finanzinvestor“

Die Project-A-Führungsriege (von links nach rechts): Ben Fischer, Uwe Horstmann, Florian Heinemann, Anton Waitz und Thies Sander. (Foto: Project A)

Der Frühphasen-Kapitalgeber Project A hat 180 Millionen Euro eingesammelt und will das Geld nun in Startups investieren. Wohin das Kapital genau fließen soll, hat uns Mitgründer Thies Sander erzählt. 

Gerüchte über einen neuen Fonds von Project A gab es seit Monaten: Schon im April 2016 hieß es bei Bloomberg, dass der Berliner Wagniskapitalgeber kurz vor Abschluss eines zweiten Kapitalpakets stehe. Jetzt, zehn Monate später, verkündet das Unternehmen Vollzug. Insgesamt 180 Millionen Euro kann es in den kommenden Monaten und Jahren in Startups investieren.

Wie schon am ersten Fonds beteiligten sich auch dieses Mal wieder die Otto Group und Axel Springer. Auch der European Investment Fund, ein Investmentvehikel der EU, sowie Pro-Sieben-Sat.1 ist mit von der Partie. Zudem konnte Project A altgediegene Familienkonzerne wie Jahr, Haniel, Ravensburger und Oetker von seiner Expertise überzeugen. Die Digitalszene ist durch das Geld von Gründern wie Rolf Schrömgens von Trivago, Rene Köhler von Internetstores und Brian O’Kelley von Appnexus vertreten.

Mit dem Kapital wollen die Project-A-Macher nun weitere Startups finanzieren. Welche Themen sie genau interessieren, wie Gründer sie überzeugen können und warum es so lange mit dem Abschluss gedauert hat, beantwortet Mitgründer Thies Sander im Interview mit t3n.de.

Project-A-Mitgründer Thies Sander: „Inhaltlich sind wir generalistisch“

Thies Sander ist Partner und Mitgründer von Project A. (Foto: Project A)

t3n.de: Thies, ihr habt 180 Millionen Euro eingesammelt, um neue Investitionen in Startups zu tätigen. Wohin soll das Geld fließen?

Thies Sander: Es ist wichtig zu erwähnen, dass wir heute zwei Fonds bekanntgeben. In dem einen Fonds stehen 40 Millionen Euro für Unternehmen aus unserem ersten Portfolio zur Verfügung. Mit diesem Kapital wollen wir den Startups, in denen wir bereits investiert sind, den Rücken stärken und sie beim Wachstum sowie der Skalierung ihrer Geschäftsmodelle unterstützen. Der andere ist ein Nachfolgefonds mit einem Volumen von 140 Millionen Euro. Das Geld daraus geht in den Aufbau eines neuen Portfolios aus digitalen Frühphasen-Startups.

t3n.de: Auf welche Themen wollt ihr euch in diesem Nachfolgefonds fokussieren?

Thies Sander: Inhaltlich sind wir relativ generalistisch. Wir behalten einen offenen Blick für Themen. Aber es wird sehr wahrscheinlich ähnliche Schwerpunkte geben wie in unserem 2012 aufgelegten Fonds: Wir mögen Consumer-Internet-Themen, uns gefällt zunehmend auch das B2B-Feld, etwa Software as a Service. Ein neues Gebiet, dem wir uns seit einiger Zeit widmen, ist Digital Health.

t3n.de: Angenommen, ich habe ein Startup genau in diesem Bereich gegründet. Wie kann ich euch überzeugen, auch zu investieren?

Thies Sander: Leider habe ich da keine besondere Antwort. Wir müssen einfach vom Team zu 100 Prozent überzeugt sein. Das ist wahrscheinlich das wichtigste Kriterium. Wir setzen die Priorität auch mehr auf das Team als auf das Geschäftsmodell.

„Es war nicht so, dass keiner investieren wollte“

t3n.de: Warum ist euch das Team so wichtig?

Thies Sander: Es kommt immer anders, als man denkt. Es ist wichtig, dass das Team auf diese Änderungen vorbereitet ist und zusammenhält. Wenn das Team funktioniert, dann funktioniert es auch bei Problemen. Was nicht heißen soll, dass das Geschäftsmodell unwichtig ist. Die Idee muss schon einen Markt und eine gewisse Kundenbasis hergeben.

t3n.de: Was bekommt ein Startup von euch abseits des Kapitals? Das könnte es ja vielleicht auch von anderen Investoren erhalten.

Thies Sander: Wir verstehen uns nicht als reiner Finanzinvestor, sondern helfen unseren Startups auch operativ. Bei uns sitzen 100 Leute, die in Bereichen wie Personalmanagement oder Online-Marketing und Business-Intelligence unterstützen können. Deswegen stellen wir uns auch die Frage, was wir über das Geld hinaus leisten können.

t3n.de: Erste Gerüchte über euren Fonds gab es bereits im April 2016. Damals berichtete Bloomberg, dass ihr davor wäret, den Fonds zu schließen. Das ist zehn Monate her. Warum hat es so lange gedauert, bis ihr den neuen Fonds geschlossen habt?

„Uns kam das gar nicht so lange vor.“

Thies Sander: Uns kommt das gar nicht so lange vor. Den sogennanten First Closing, also den ersten Abschluss, gab es bereits im Dezember 2015. Wir hatten kurz nach dem Sommer 2015 angefangen, Investoren anzusprechen. Vier Monate später hatten wir 80 Millionen Euro zusammen. Das ging also relativ zügig.

t3n.de: Warum hat es dann trotzdem noch mal 14 Monate gedauert, bis der Fonds endgültig geschlossen war?

Thies Sander: Wir mussten zunächst einmal Anpassungen struktureller Art vornehmen. Bisher hatten wir ja nur einen Fonds. Wenn man wie wir mehrere aufbauen will, dann muss man einiges beachten. Es war also nicht so, dass keiner bei uns investieren wollte. Zweitens: Wir hatten keinen Druck, den Fonds schnell zu schließen. Der Nachfolgefonds gab uns die Gelegenheit, eine Basis an Geldgebern zu entwickeln und uns in den Kreisen der Finanzinvestoren breit aufzustellen. Wir wollen, dass unsere Investoren langfristig mit uns zusammenarbeiten und zufrieden mit uns sind. Deswegen sind wir da behutsam herangegangen.

t3n.de: In einem Gespräch vor Abschluss des Fonds hat Florian Heinemann erwähnt, dass ihr auch auf der Suche nach ausländischen Investoren seid. Die Geldgeber stammen in dem Fonds nun alle aus Deutschland. Wie kommt es, dass kein Unternehmen aus einem anderen Land bei euch investiert hat?

Thies Sander: Wir sind ja ein relativ junger Portfoliomanager, sind erst 2012 gestartet. Bei deutschen Unternehmen kennt man uns mittlerweile. Otto und Axel Springer haben ja schon in unseren ersten Fonds investiert und jetzt auch wieder. Aber in den USA müssen wir uns beispielsweise neu vorstellen. Die Investoren dort wollen eine Track-Record sehen, also einen abgeschlossenen Fonds und die entsprechende Rendite dazu. Das war jetzt noch einen Schritt zu früh.

t3n.de: Das klingt so, als wolltet ihr es langfristig noch mal versuchen.

Thies Sander: Ja, der Wunsch ist weiterhin vorhanden. Bei dem kommenden Fonds wird das durchaus ein Fokus sein. Die US-Geldgeber haben systematisch die größten Investmenttöpfe, sind am nachhaltigsten am Markt. Wenn unser erster Fonds erst einmal geschlossen ist, können wir sie sicherlich auch überzeugen.

t3n.de: Ihr vereint in eurem jetzigen Fonds sowohl Geldgeber aus der alten als auch aus der neuen Wirtschaft: Unternehmen wie Haniel, Ravensburger oder Otto stehen neben Gründern wie Rolf Schrömgens von Trivago oder Rene Köhler von Internetstores. Wie passt das zusammen?

Thies Sander: Im Kern wollen die Investoren dasselbe: eine gute Finanzanlage, einen guten Return-on-Invest. Individuell gibt es sicherlich Unterschiede: Konzerne wie Otto, Axel Springer oder Prosieben wollen nicht nur Geld investieren, sondern interessieren sich auch inhaltlich dafür, was auf dem Markt gerade passiert, ähnlich wie Schrömgens oder Köhler. Vor allem aber machen wir uns dadurch auch für Gründer interessant, weil wir mit den etablierten Konzernen und den digitalen Vorreitern ein umfassendes Netzwerk bieten können.

t3n.de: Thies, vielen Dank für das Gespräch. 

Mehr zum Thema: 

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Finde einen Job, den du liebst