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Interview

Protonet-Gründer: „Es herrschte Katastrophenstimmung“

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Wir haben zu lange an unserem philosophischen Anspruch an das Thema Datenhoheit festgehalten. Statt uns zu fragen, was die Leute eigentlich an Protonet schätzen, haben wir die Ressourcen in Werbekampagnen und den kostspieligen Zusammenbau unserer Serverboxen gesteckt. Das war mein größter Fehler.

t3n.de: Die Server für einige tausend Euro waren also schlichtweg zu teuer?

Unser Produkt bestand ja immer aus der Kombination der Private-Cloud-Server und der mitgelieferten Soul-Software als Kollaborationslösung. Ein halbes Jahr nach dem Start gab es bei den Verkaufszahlen aber keine signifikanten Steigerungen. Die Software dagegen wurde von den wenigen tausend Käufern sehr intensiv genutzt. Vor allem in Unternehmen. Da hätte ich die Konsequenzen ziehen müssen.

t3n.de: Welche?

Wir hätten die Software in den Vordergrund stellen und auf allen Plattformen verfügbar machen müssen. Mit sicherer Cloud-Anbindung und der Möglichkeit, alle Daten auf einem eigenen Server zu speichern. Und das alles auf Basis eines monatlichen Bezahlmodells.

t3n.de: Damit wärt ihr Anbietern wie Slack vorausgewesen.

Absolut! Mein größter Fehler war einfach, nicht auf den Markt gehört zu haben. Ich war zu verliebt in die orangefarbenen Server. Dabei hätten wir die Dinger einfach für 20 Euro mehr im Monat anbieten und als reine Marketingkosten abschreiben können.

t3n.de: Im Frühjahr 2016 kam es dann zum Zoff mit euren Crowdinvestoren. Grund war der Einstieg der Startup-Schmiede Y-Combinator zu einer deutlich reduzierten Unternehmensbewertung und die Überführung der Firma in eine amerikanische Gesellschaft. War das nicht ein Lauf ins offene Messer?

Es war ein schwieriger Zeitpunkt für uns. Wir brauchten dringend frisches Geld und es war klar, dass wir irgendetwas falsch machten. Egal welche Strategie wir anwendeten, wir haben kaum mehr Server verkauft. Mein Gedanke war dann: Wenn du noch irgendwo lernen kannst, wie du deine Firma nach vorne bringst, dann bei Y-Combinator. Airbnb und Dropbox sind dort groß geworden.

t3n.de: Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Ein Jahr später folgte die Insolvenz. War der Deal mit Y-Combinator rückblickend ein Fehler?

Nein. Den Deal würde ich heute genauso wieder eingehen, auch wenn ich wüsste, was das Ergebnis wäre.

t3n.de: Aber hat sich Protonet damit nicht auch unglaubwürdig gemacht?

Wieso?

t3n.de: Datenhoheit predigen und die Firma dann in die USA auslagern, passt nicht zusammen.

Noch mal zu den erwähnten Demeter-Bauern von vorhin: Die machen heute noch die Art von Anbau, von dem sie vor 50 Jahren geträumt haben. Bis das in der breiten Masse angekommen ist, hat es aber locker 25 Jahre gedauert. Was ich damit sagen will: Die Zeit und die Mittel hatten wir nicht. Ich musste pragmatisch sein und dafür auch einige Grundsätze der Firma über Bord werfen. Es hat ja auch einen Grund, warum wir heute alle Macbooks nutzen und auf Facebook rumhängen. Alle Technologien kommen eben aus dem Silicon Valley. Aus unternehmerischer Sicht war der Schritt in die USA also richtig.

t3n.de: Konntest du die Verärgerung der Crowdinvestoren trotzdem verstehen?

Klar. Ich möchte den Crowdinvestoren auch überhaupt keine Vorwürfe machen. Es war natürlich kein Spaß für mich, all die negativen Berichte in der Presse zu lesen. In Deutschland sucht man immer jemanden, der Schuld hat. Aber letztlich bin ich als Chef für die Firma verantwortlich.

t3n.de: Einige Anleger haben sogar mit Klagen gedroht.

Damit muss ich mich tatsächlich bis heute beschäftigen. Es gab eine Art Sammelklage einiger Crowdinvestoren wegen der womöglich unrechtmäßigen Übertragung von Firmenanteilen im Zuge der Y-Combinator-Förderung.

t3n.de: Was ist dabei herausgekommen?

Das Gerichtsverfahren haben wir in erster Instanz gewonnen. Es gibt aber ohnehin schon Rückzahlungsvereinbarungen. Wenn genug Geld da ist, oder es noch einen Exit gibt, fließt Geld an die Crowdinvestoren zurück. Versprochen.

Was hat dann letztlich zur Insolvenz geführt?

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Eine Reaktion
Silver

Der Neustart wird leider auch in die Hose gehen und sich auf lange Sicht nicht tragen.

Die 6Wunderkinder haben es schon nicht geschafft und deren GUI bzw. UX war nah an Apple, also sehr hohe Usability und Einfachheit.

Genau das ist zwar was für User einer Collablösung aber nicht für die Admins. Und wenn es um sowas geht gibt es viel zu viel Konkurrenz die viel zu erfolgreich damit fährt.

QNAP schlagen sie vielleicht(!) ja noch, aber Synology als Beispiel mit seiner eierlegenden Wollmilchsau an Software? Da steckt alles drin was kleine Unternehmen brauchen und noch viel mehr.

Und bei Synology kann ich auch alles mit wenig Aufwand verschlüsseln und lokal lassen. Apps gibt es ebenfalls für alle wichtigen Systeme sowie Desktop Clients für automatische Syncs wenn man nicht mit Netzlaufwerken arbeiten möchte und und und...

Wundert mich ehrlich gesagt das da Investoren tatsächlich noch anspringen.

Mit einem ordentlichen Synology System kann ich über die üblichen Collab Tools selbst Entwicklungsumgebungen abdecken, ganze Domänen aufbauen und selbst VMs und Dockercontainer betreiben, alles mit der Standard Software. Und da es nun mal eine NAS Lösung ist, auch noch super einfach als HA Lösung umsetzen oder um reine Storage Einheiten erweitern.

Achja und die Surveillance Lösung fürs Büro ist ja auch schon drin ;)

Man soll an seinen Träumen festhalten, sollte aber auch erkennen wenn es sinnlos ist.

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