Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Ratgeber

PS häh? Was die PSD 2 für den Nutzer bringt

(Foto: Reddogs / Shutterstock)

Die Payment Service Directive der EU wird die Finanzbranche kräftig durcheinanderwirbeln. In Fachmedien wurde viel über die Auswirkungen auf Banken geschrieben. Aber was bringt die PSD 2 dem Nutzer?

Am Anfang der ganzen Geschichte stand wie so oft der gut gemeinte Wille unserer EU-Bürokraten. Das endet zwar oft in den unsinnigsten Verordnungen und viel Bürokratie, aber in diesem Fall haben sie mal eine ganze Menge richtig gemacht. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Wettbewerb bei Bankdienstleistungen – hier speziell bei Zahlungsdiensten – zu erhöhen. Mehr Auswahl und gleichzeitig geringere Kosten für die Wirtschaft und die Kunden: Das klingt schon mal gut.

Wie das technisch im Detail erreicht werden soll, darüber schreiben viele schlaue Experten seitenlange Artikel. Um es einfach auf den Punkt zu bringen: Die Banken müssen ihre Infrastruktur für Fintechs und andere Dienstleister öffnen. Ganz konkret beinhaltet die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie, so der offizielle deutsche Titel der PSD2, einen wichtigen Passus, der in der Branche mit XS2A abgekürzt wird. Das Kürzel steht für „Access to Account“ und verschafft Drittanbietern einen gesetzlichen Anspruch auf den Zugriff auf Kundenkonten. Natürlich nur gegenüber den Banken und nur dann, wenn der Kunde zustimmt.

Einigen dieser Drittanbieter ist man im Zweifel schon häufiger über den Weg gelaufen, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen. Dazu gehören unter anderem der Online-Bezahldienst SOFORT, die Peer-2-Peer-Überweisungs-App Cringle oder die Kontoverwaltung Centralway Numbrs. Wer jetzt denkt: „Moment, diese Dienste gibt es ja schon länger und die nutze ich längst“, hat natürlich Recht. Bisher allerdings gab es zwei wesentliche Einschränkungen.

PSD 2 bringt Standardisierung und Rechtssicherheit

Die eine betrifft die technische Seite: Es gibt in den meisten Ländern der EU keine einheitliche technische Schnittstelle für die Zugriffe auf Bankkonten. Deutschland ist da mit seiner HBCI-Schnittstelle eine rühmliche Ausnahme. In anderen Ländern setzen die Anbieter auf das sogenannte „Screen Scraping“. Dabei loggt sich der Anbieter im Prinzip automatisch im normalen Online Banking des Kunden ein und versucht, aus der Bildschirmausgabe die gewünschten Informationen auszulesen.

Die Drittanbieter müssen dabei für jede Bank mühsam den Aufbau analysieren – und ändert eine Bank einmal den Aufbau, muss der Drittanbieter manuell darauf reagieren und nachbessern. Der Nutzer steht dann schon mal ein paar Tage auf dem Schlauch. Die PSD2 sieht hier vor, dass die Banken stattdessen eine vernünftig kommentierte Schnittstelle bereitstellen müssen, auf die sich die Drittanbieter verlassen können. Für die Nutzer steigt damit die Verlässlichkeit des Dienstes.

Für die Nutzer noch wichtiger ist allerdings die rechtliche Komponente. Denn bisher verbieten die Banken ihren Kunden in der Regel per AGB die Weitergabe von Login-Daten, PINs und TANs. Gibt der Kunde die Daten dennoch an einen Drittanbieter weiter, haftet er selbst für Schäden, die daraus entstehen können. Der Drittanbieter wiederum operierte bisher stets in einer rechtlichen Grauzone. Mit der PSD2 wendet sich das Blatt und gibt Kunden und Drittanbietern einen gesetzlich verankerten Rechtsanspruch. Im Gegenzug müssen sich die Drittanbieter von der Aufsicht zertifizieren lassen. Damit wird die Professionalität in der Branche weiter gesteigert, was für den Kunden nur gut sein kein.

Welche Dienste von der PSD 2 profitieren

Durch die technische und rechtliche Sicherheit werden wohl noch viel mehr neue Dienste an den Start gehen als bisher. Neue Dienstleister benötigen im Zweifel zum Start keine eigene Bankinfrastruktur, weil sie auf die der Banken zugreifen können. Innovative Startups, aber auch die großen Technologiekonzerne wie Amazon, Facebook oder Google werden die neuen Möglichkeiten nutzen, um den Nutzern ganz neue Dienste anzubieten.

Das läuft einerseits auf Verbesserungen bei bestehenden „Zahlungsauslösediensten“ hinaus. Paypal könnte Geld direkt vom Kundenkonto aus überweisen, anstatt es mit Zeitverzug per Lastschrift abzubuchen. Das beschert dem Kunden mehr Übersichtlichkeit auf seinem Konto. Große Online-Händler wie Amazon könnten sich ebenfalls zertifizieren lassen und Zahlungen direkt vom Girokonto auslösen – für den Händler teure Online-Payment-Verfahren wie Kreditkarte, Paypal und Co. würden überflüssig, womit noch günstigere Preise möglich wären.

Kunden dürfen sich ebenso über neue Angebote freuen, die versuchen werden, auf Basis der Analyse von Kontoumsatzdaten Mehrwerte zu bieten. Vertrags-Checker prüfen alle laufenden Verträge und zeigen Einsparpotenziale an, unabhängige Beratertools könnten anonymisierte Peer-Group-Vergleiche bieten und per Multibanking nutze ich mehrere Bankverbindungen über nur eine einzige Banking-Oberfläche. Und das ist erst der Anfang.

Der Trend geht zur „Lego Bank“

(Foto: Ekaterina_Minaeva / Shutterstock)

Die PSD2 stellt das Girokonto als Mittelpunkt der Hausbankverbindung infrage. Kunden können zum Beispiel ihr Girokonto bei Bank A führen, aber das Online Banking von Sparkasse B verwenden, um dieses Konto zu nutzen. Aber es geht noch weiter. Viele Banken bieten derzeit kostenpflichtige, sogenannte „Mehrwertkonten“ an, um über Mehrwerte aus dem „Non-Banking“-Bereich Kunden an sich zu binden. Künftig könnten diese Mehrwertpakete auch von Drittdienstleistern direkt angeboten und via Schnittstelle mit einem beliebigen Gratiskonto einer Direktbank verbunden werden.

Damit unterstützt die PSD 2 den Trend zur „Lego Bank“. Das ist eine Bank, ein Fintech oder beispielsweise einer der großen Internetkonzerne, die ihren Kunden lediglich eine nutzerfreundliche Banking-Oberfläche bieten, in die per Schnittstelle Bankprodukte verschiedenster Anbieter eingebunden werden. Girokonto von der DKB, Kreditkarte bei der Comdirect und die Baufinanzierung der Deutschen Bank – alles über eine Oberfläche: Schöne Aussichten für die Kunden und ein Graus für die Banken, die damit an Sichtbarkeit verlieren.

Einen kleinen Haken hat die EU doch eingebaut

Die EU wäre aber nicht die EU, wenn sie in der PSD 2 nicht doch noch den einen oder anderen Patzer eingebaut hätte. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Nach diesem Motto könnten Teile der Richtlinie Kunden in Zukunft ihre Kreditkarte vermiesen. In der guten Absicht, die Sicherheit bei Kartenzahlungen zu verbessern, wird sie den Anbietern wohl künftig auch bei relativ kleinen Beträgen eine starke Kundenauthentifizierung vorschreiben. Damit könnte dann beim Onlineshopping eine SMS-TAN als sogenannter „zweiter Sicherheitsfaktor“ zur Regel werden.

Das macht das Bezahlen in der Theorie zwar tatsächlich sicherer, aber in der Praxis auf jeden Fall auch umständlicher für den Nutzer. Und in der Praxis dürfte die theoretische Erhöhung der Sicherheit keinen echten Mehrwert für den Kunden bringen, denn die Kreditkartenfirmen halten ihre Kunden bereits heute meist von der Haftung bei Missbrauch frei. Man will seine guten Kunden ja in solchen Fällen nicht vergraulen. Hier passt der Spruch dann also doch, wie so oft bei der EU: das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.

Aber davon abgesehen dürfen sich die Kunden auf die PSD 2 und ihre Auswirkungen auf Finanzbranche und Handel freuen.

Mehr zum Thema PSD 2: Was Marktplätze über die neue EU-Zahlungsrichtlinie wissen müssen

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

3 Reaktionen
Guru

PPS: Schade, dass man hier die Kommentare nicht nachträglich korrigieren kann. Disqus etc. erlauben so etwas :-). Müsste eine Developer-Seite wie t3n schon hinkriegen...

Antworten
Guru

...skandinavischen Ländern...

Antworten
Guru

Jetzt gewöhne ich mich gerade daran (wie es in London und viele Skandinavischen üblich ist), bei Lidl, Aldi, Edeka etc. kontaktlos per DB-App auf dem Smartphone in Verbindung mit der Mastercard zu zahlen. Geht schneller in der Schlange.
Wie soll dies dann gehandhabt werden? "Nach diesem Motto könnten Teile der Richtlinie Kunden in Zukunft ihre Kreditkarte vermiesen. In der guten Absicht, die Sicherheit bei Kartenzahlungen zu verbessern, wird sie den Anbietern wohl künftig auch bei relativ kleinen Beträgen eine starke Kundenauthentifizierung vorschreiben. "

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.