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Python: Wie aus einem Nerd-Projekt eine der beliebtesten Programmiersprachen der jüngsten Zeit wurde

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Der erste Prototyp

In nur drei Monaten stand der erste Prototyp. Van Rossum sagt selbst, dass er zu dieser Zeit kein besonders ausgefülltes Sozialleben hatte und viel Zeit in das Projekt steckte. Auch wenn viele wichtige Features der heutigen Version fehlten, würde man den Prototyp auch heute noch als Python erkennen. In der ersten Version geschriebene Programme würden wahrscheinlich auch heute noch laufen, so van Rossum. Funktionen, Einrückungen, Dictionaries und Tupel (geordnete Wertesammlungen) seien auf dieselbe Art und Weise definiert worden wie heute. Auch gab es damals schon den interaktiven Prompt, mit dessen Hilfe Berechnungen direkt ausgeführt werden können. Seine Kollegen machten 1989 sofort von dem Prototyp Gebrauch, van Rossum hatte aber trotzdem wenig Hoffnung, eine größere Anwenderbasis damit zu erreichen. Mitte der Achtziger hatte er bereits versucht, ABC durch das Verteilen von Tapes aus seinem Koffer zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Dabei musste er schmerzlich lernen, wie schwierig die Verbreitung einer neuen Programmiersprache in einer Zeit vor dem Internet war.

Erfolgsfaktor Internet

Mit dem Internet wurde die Verbreitung von Python deutlich einfacher. Van Rossum veröffentlichte Python 1991 über die alt.sources-Newsgroup (eine Newsgroup, die als Repository für das Teilen von nützlichem Source Code aller Art diente) unter einer Art Open-Source-Lizenz – den Begriff gab es damals nur noch nicht. Zum Zeitpunkt dieser ersten Veröffentlichung kam Python bereits mit Klassen, Listen und Strings, sowie den Funktionen lambda, map, reduce und filter (JavaScript anyone?).

Desillusioniert von ABCs Misserfolg sechs Jahre zuvor gestand van Rossum der wachsenden Nutzerbasis Anfang der Neunziger wenig Bedeutung zu. Erst nach einiger Zeit begriff er, dass sein Projekt wirklich Potential hatte. In seinen Augen ist der Erfolg der Programmiersprache auf eben jene Gründe zurückzuführen, wegen derer er sie kreiert hatte: Python war die erste Programmiersprache, die Usability und Funktionalität auf einem hohen Level vereinte, ohne das eine für das andere zu opfern, wie das jeweils umgekehrt bei C oder der Unix Shell der Fall war.

Clean Code per Default

Es gab Perl – und wäre Perl mit Amoeba kompatibel gewesen, hätte van Rossum laut eigener Aussage wohl nie eine Notwendigkeit für Python gesehen. Perl findet mittlerweile kaum noch Anwendung und wurde im letzten Stack-Overflow-Report nicht einmal erwähnt, während Python als die am schnellsten wachsende Programmiersprache gilt. Python bietet eine saubere und unmissverständliche Syntax mit Einrückungen, die den Code zu Blöcken gruppiert. Der Effekt: Er ist standardmäßig zu einem hohen Grad verständlich und einfach lesbar. Das war die Absicht. Dahinter steckte der Gedanke, dass es beim Programmieren nicht nur darum geht, einem Computer Anweisungen zu erteilen, sondern auch darum, Ideen von Entwickler zu Entwickler zu kommunizieren. Bis dato schrieben viele Programmierer ihre Programme mit einem Mindset von „Hauptsache, das macht irgendwie, was es soll“ . Ob ihr Code auch verständlich und nachvollziehbar war, interessierte oft nicht.

Python gewinnt an Beliebtheit

Ab Mitte der Neunziger fand Python gehäuft Anwendung beim Schreiben von Skripts zur Audioaufnahme und in der Web-Entwicklung. Die Erstellung dynamischer Webpages war van Rossums Lieblings-Use-Case. Die Superpower, die schlussendlich wohl Pythons Popularität begründete, war, dass die Sprache Entwicklern erstmals eine Möglichkeit bot, in vergleichbar kurzer Zeit sehr leistungsstarke Skripte zu schreiben.

Außerdem war Python relativ einfach zu lernen und deshalb für Menschen mit ganz unterschiedlicher technischer Expertise und unterschiedlichen Zielen interessant. Administratoren nutzten sie für Automatisierungszwecke, Entwickler schätzten sie wegen der Möglichkeit zur funktionalen Programmierung und weil Python Klassen ohne Vererbung bietet. Wer sich eine fundamentale Grundkenntnis der Programmiersprache angeeignet hatte, konnte damit in relativ kurzer Zeit bereits ziemlich viel machen.

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Ein Kommentar
Conduit
Conduit

Schöner Artikel zu Python und der Geschichte vieler Programmiersprachen, allerdings hätte man Batteries included nun wirklich besser übersetzen können. Das ist wie „Batterien im Lieferumfang enthalten“ gemeint, d.h. Produkt auspacken, Batterien einstecken und sofort loslegen.

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