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„Recht auf freie Meinungsäußerung“ – dafür kämpft Instagram-Influencerin Cathy Hummels

Cathy Hummels auf Instagram. (Screenshot: Instagram/t3n.de)

Darf Instagram-Influencerin Cathy Hummels Dinge öffentlich gut finden, ohne sie als Werbung zu kennzeichnen? Mats Hummels‘ Ehefrau kämpft für ihr „Recht auf freie Meinungsäußerung“.

„Recht auf freie Meinungsäußerung, dafür kämpfe ich“, lässt Instagram-Influencerin Cathy Hummels ihre rund 342.000 Follower bei dem sozialen Netzwerk wissen. Die 30-jährige Ehefrau des Fußballprofis Mats Hummels befindet sich in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Verband Sozialer Wettbewerb (VSW). Hummels wird vorgeworfen, sie mache auf Instagram verbotene Werbung, schreibt die Futurezone. Der VSW erwirkte deswegen eine einstweilige Verfügung.

Instagram-Influencerin: Cathy Hummels wehrt sich gegen Abmahnung

Aber Hummels will diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und hat jetzt dagegen Widerspruch eingelegt. Den Zivilprozess um das Wettbewerbsrecht wollen Hummels‘ Anwälte eigenen Angaben zufolge bis vor den Bundesgerichtshof ausfechten, wenn das notwendig werden sollte. Hummels könnte also Rechtsgeschichte schreiben. Allerdings sei laut Futurezone bei der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht München am Montag klar geworden, dass die Klage des VSW keine großen Chancen haben werde.

Das Gericht halte Meinungsäußerungen zu Produkten für zulässig, solange dafür keine Bezahlung oder sonstige Gegenleistungen erbracht worden seien. Das ist zwar offenbar bei einem der insgesamt 15 beanstandeten Postings der Fall gewesen – Hummels soll dabei einen Kinderwagen erhalten haben. Für dieses nicht gekennzeichnete Posting haben die Anwälte aber die Abmahnung akzeptiert.

Hummels kennzeichnet im Normalfall Instagram-Beiträge, bei denen sie Geld für die Nennung von Unternehmen und Produkten bekommt, als „bezahlte Partnerschaft“. Die Frage ist, ob sie als Influencerin mit einigen Hunderttausend Followern auch „privat“, also ohne Kennzeichnung posten darf, wenn Produkte erkennbar sind. Die VSW-Anwälte wollen hier „Rechtsklarheit“ erreichen, wie die Futurezone schreibt.

Für Cathy Hummels scheint der Fall klar. Auf Instagram teilt sie mit: „Ich sehe es nicht ein, meine Authentizität zu verlieren, indem ich alles kennzeichne, obwohl ich dafür keine Werbung mache, sondern lediglich euch, meinen Followern, Impressionen vermitteln mag.“ Noch steht bei dem Verfahren vor dem Münchner Landesgericht ein Urteil übrigens aus. Die Branche beobachtet sicher ganz genau, wie das Gericht entscheidet.

Schließlich hatte erst vor kurzem ein anderer Fall um eine Instagram-Größe für Aufsehen gesorgt. Das Berliner Landgericht hatte – übrigens auch wegen einer Klage des VSW — der Bloggerin Vreni Frost per einstweiliger Verfügung untersagt, Marken ohne Kenntlichmachung der kommerziellen Absicht zu vertaggen. Frost hatte dagegen erklärt, bei den fraglichen Postings keine kommerziellen Zwecke verfolgt zu haben.

Eine Analyse von t3n-Redakteurin Cornelia Dlugos zu dem Fall lest ihr hier: „Absurdes“ Instagram-Urteil gegen Vreni Frost? So einfach ist das nicht!

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5 Reaktionen
Markus

In dem Moment wo ich Geld mit einer Tätigkeit verdiene bin keine Privatperson mehr und unterliege damit anderen Regeln.

Ich kann als Hobbyfotograf nicht öffentlich auftreten, wenn ich gelegentlich damit Geld verdiene. Und als Gewerbetreibender kann ich nicht einfach privates dazwischen mischen und behaupten dass wäre privat und unterliegt nicht den gewerblichen Richtlinien.

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Peter Schweizer

Ich bin kein Freund von Abmahnvereinen – es ist aber auch ein wenig Heuchelei, wenn Influencer der Meinung sind, dass ihre Zielgruppe einen Unterschied macht zwischen Werbung und "Authentizität". Wenn Frau Hummels mit einem Kinderwagen posiert, den sie geschenkt bekommen hat, regt sie damit Ihre Follower zum Kauf an. Wenn Frau Hummels anderen Tags dann – ohne Bezahlung oder Gegenleistung – eine Sonnenbrille, ein Kleid oder einen Burger in die Kamera hält, weil sie davon überzeugt ist, dass das total authentisch und groovy ist – ja auch dann regt Frau Hummels ihre Follower zum Kauf des Produkts an. Damit sollte klar sein, dass es bei Influencern keinen Unterschied gibt zwischen "geschäftlich" und "privat". Und hier sollte auch eine entsprechende Kennzeichnung stattfinden.

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Titus von Unhold

Das ist die einzig konsistente und schlüssige Haltung. Man kann nur hoffen dass sich diese auch vor den Gerichten durchsetzt.

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Matzhose

Das sehe ich anders, diese Haltung ist völlig irrsinnig. Jeder sollte das Recht haben, Impressionen aus seinem Alltag zu teilen - und zwar nicht nur völlig nackt, vor einer weißen Wand. Das wäre nämlich die einzige Möglichkeit, um keine Werbung nach ihrer Definition zu machen. Das betrifft dann aber nicht nur Cathy Hummels, sondern nahezu alle - denn ab wann man ein Influencer ist, lässt sich so leicht ja nun auch nicht sagen. Ab wann darf man keine Privatperson mehr sein, weil ihrer Meinung nach sowieso alles geschäftlich ist?
Als User von Instagram und anderen sozialen Netzwerken sehe ich übrigens eher als Täuschung an, wenn plötzlich alles als Werbung gekennzeichnet werden muss, obwohl kein Geld geflossen oder ein Produkt verschenkt worden ist - schließlich kann ich so überhaupt nicht mehr differenzieren. Viele Menschen nehmen nämlich sehr wohl wahr, ob eine Firma ihren "Stars" wirklich gefällt oder bezahlt, um zu gefallen - und ziehen das in ihre Kaufentscheidung durchaus mit ein. Was nicht bedeuten muss, dass sie es unter keinen Umständen kaufen, es wird aber beachtet.
Sollte sich ihre Haltung vor Gericht durchsetzen, dann wäre das auch für Otto-Normal-User ein völliges Desaster.

Titus von Unhold

Das lässt sich sehr wohl recht leicht sagen. Die Rechtsprechung des Bundesfinanzhof hat schon vor Jahrzehnten begonnen Liebhaberei und Gewerbe durch die Gewinnerzielungsabsicht abzugrenzen. Alternativ kann man auch die Rechtsprechung des BGH zum Betäubungsmittelgesetz und dem Begriff des Handeltreibens heranziehen. Oder die des Bundesverwaltungsgericht zum Nebenerwerb.

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