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Analyse

Red-Hat-Übernahme durch IBM: Warum der Deal ein Erdbeben für die Cloud-Branche ist

Marktführer ist realtiv: IBM könnte durch die Red-Hat-Übernahme Marktanteile im Hybrid-Cloud-Markt gewinnen. (Foto: majestic b/Shutterstock)

Die Übernahme von Red Hat durch IBM wird eine der bislang teuersten der Technologiewirtschaft. Was sich IBM davon verspricht und warum die Rechnung aufgehen dürfte.

IBM übernimmt Red Hat für 34 Milliarden US-Dollar – und hat sich den Deal einiges kosten lassen: Rund zwei Drittel mehr als den Schlusskurs der Red-Hat-Aktie am Freitag ist Big Blue für die Linux-Company zu zahlen bereit. Doch was verspricht sich das Unternehmen von der Übernahme, die in der Branche für so viel Aufsehen sorgt?

Zunächst einmal ist es durchaus gerechtfertigt, dass IBM eine solche Riesensumme anpackt: Das Unternehmen wandelt sich seit Jahren zur Cloud-Company und hat, obwohl viele das damals falsch fanden, zur rechten Zeit den Kurswechsel vollzogen. Heute sind Hybrid-Clouds in Unternehmen weit verbreitet und das Unternehmen verdient gut daran. Denn IBM ist bei den Unternehmens-Clouds einer der Marktführer und will laut IBM-Chefin Ginny Rometty aufgrund der neuen Konstellation mit Red Hat zur absoluten Nummer Eins im Markt der Unternehmens-Clouds werden.

Red Hat könnte IBMs Cloud-Strategie unterstützen

Richtig ist, dass das Unternehmen ein umfangreiches PaaS-Angebot in Form seiner Bluemix-Plattform bietet. Gleichzeitig präsentiert es sich aber als eher konservativ in seiner User-Experience, auch wenn die Bedienung nicht in allen Punkten konsistent ist. IBM Bluemix zeichnet sich durch ein wachsendes Angebot an SaaS-Anwendungen aus und genießt aufgrund seiner umfassenden IoT- und Blockchain-Anwendungen derzeit vor allem im Umfeld der Industriekonzerne, aber auch bei Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern hohes Ansehen. Und diese hohe Vertrauenswürdigkeit ist es auch, die IBM in Zukunft bei immer mehr großen Unternehmen attraktiv machen wird, weswegen Red Hat hier das passende Know-how, gepaart mit dem Wohlwollen der Open-Source-Welt, einbringen kann.

Hinzu kommen Zukunftsthemen wie Blockchain und Machine Learning, zwei Bereiche, die zum Kundenportfolio von IBM bestens passen und die die Hybrid-Clouds von IBM besser abdecken als einige andere Anbieter. Aufgrund der Python-Unterstützung eignet sich die Plattform gut für Applikationen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Allerdings lässt IBM die Entwickler auf einer Plattform, nicht aber auf einer Infrastruktur entwickeln, was im Vergleich zu anderen Anbietern mit einem gewissen Kontrollverlust einhergeht.

Allerdings gibt es noch eine andere Seite des Geschäfts – und hier wird auch das Hinzukommen von Red Hat nur teilweise etwas verändern: Denn zwei der großen Anbieter für Business-Clouds, Google und vor allem Amazon, spielen in einer anderen, deutlich experimentierfreudigeren Liga in Sachen Cloud-Anwendungen. So gilt Amazons AWS als Pionier im Hinblick auf Public-Cloud-Applikationen und überzeugt durch das mit Abstand vielfältigste Angebot an Services. Es vergeht gefühlt kaum eine Woche, in der nicht neue Dienste ausgerollt werden. Gerade Amazon könnte also aufgrund seiner hohen Innovationsfähigkeit im Cloud-Umfeld und aufgrund seiner hochperformanten und zuverlässigen Infrastruktur IBM den Rang ablaufen. Sowohl im Bereich Storage als auch bei Datenbank-Services, Networking- und Business-Productivity-Tools lässt der Anbieter kaum Felder unbesetzt. Googles Cloud-Services für Unternehmen wiederum sind insbesondere im Big-Data-Management sowie bei Machine Learning spitze.

Hoffnung auf Rückenwind aus dem Open-Source-Lager

Anders als die IBM-Chefin das gerne hätte, ist das Rennen um die Unternehmens-Cloud-Lösungen also selbst nach dem Red-Hat-Deal alles andere als entschieden. Klar ist aber, dass es für IBM ein geschickter Schachzug ist, sich einen der Marktführer bei Linux-Anwendungen ins Haus zu holen und sich dies durchaus so viel kosten zu lassen wie kaum eine andere Übernahme im Tech-Umfeld je gekostet hat.

259 Millionen Dollar Gewinn bei 2,92 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr sind für Red Hat ein durchaus vernünftiges Ergebnis und zeigen, dass IBM hier auf das Prinzip Hoffnung setzt und mit dem Unternehmen dem eigenen Geschäft zu neuem Glanz verhelfen will. Die Chancen, dass das gelingt, stehen gut – und sowohl Amazon als auch Google, aber mehr noch Unternehmen wie Microsoft, Atos, VM-Ware oder Oracle werden ab heute auf ein neues Marktgefüge treffen und überlegen müssen, wie sie sich in Zukunft auf die gestärkte IBM-Cloud einstellen.

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