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Rewe verdient noch kein Geld im Internet

Rewe-Chef Lionel Souque. (Foto: dpa)

Rewe hat viel Geld in den Ausbau seines E-Commerce-Angebots investiert. Doch auch Konzern-Chef Lionel Souque muss einräumen: „Kein Mensch weiß, wie sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln in den nächsten Jahren entwickelt.“

Der Handelsriese Rewe ist einer der Vorreiter im Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland. Rechnen tut sich das für die Supermarkkette jedoch bislang nicht. „Wir verdienen zurzeit noch kein Geld mit dem Online-Lebensmittelhandel. Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque der Deutschen Presse-Agentur.

In 75 Städten liefert die Supermarktkette auf Wunsch nach einer Bestellung im Internet frisches Fleisch, Obst und Gemüse bis zur Haustür. Zum Vergleich: Amazon Fresh beliefert bislang nur Kunden in drei Großstädten, der zum Edeka gehörende Lieferdienst Bringmeister ist sogar nur in zwei Metropolen am Start.

Qualität statt Quantität

Doch seit einiger Zeit tritt auch Rewe beim weiteren Ausrollen seines Online-Angebots auf die Bremse. „Seit zwei, drei Jahren haben wir die Zahl der Städte, in denen wir Lebensmittel online anbieten, nicht mehr vergrößert. Wir konzentrieren uns erst einmal darauf, die Qualität in den 75 Städten zu verbessern, wo wir schon präsent sind“, sagt Souque.

Die Zurückhaltung beim weiteren Ausbau des Liefernetzes hat aber möglicherweise auch noch einen anderen Grund. Denn nach wie vor spielt der Onlinehandel bei Lebensmitteln eine untergeordnete Rolle in Deutschland. Nach dem Online-Monitor 2018 des Handelsverbandes Deutschland (HDE) lag der E-Commerce-Anteil am Umsatz im vergangenen Jahr gerade einmal bei 1,1 Prozent.

Inzwischen wachsen deshalb bei einigen Branchenkennern die Zweifel, ob der Onlinehandel im Lebensmittelbereich tatsächlich einen ähnlichen Siegeszug antreten wird wie in anderen Branchen. „Trotz aller Bemühungen des Handels scheint der Boden steiniger als erwartet“, schrieb etwa kürzlich die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer Studie.

Auch der E-Commerce-Experte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) ist unsicher, ob sich der Online-Lebensmittelhandel noch zum Massenmarkt entwickeln wird. Möglicherweise sei das Angebot doch nur für spezielle Zielgruppen interessant.

Amazon-Revolution bleibt vorerst aus

„Kein Mensch weiß, wie sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln in den nächsten Jahren entwickelt. Alle zwei Jahren werden alle Prognosen dazu wieder über den Haufen geworfen“, räumt Souque ein. Sicher sei aber, der Onlinehandel mit Lebensmitteln werde nicht so klein bleiben, wie er heute sei. „Er wird wachsen, aber wie schnell und wie stark, das kann keiner sagen.“

Viele Branchenkenner hatten damit gerechnet, dass der US-Internetgigant Amazon mit dem Start seines Lieferdienstes Amazon Fresh vor einem Jahr die Art und Weise drastisch verändern würde, wie in Deutschland Lebensmittel gekauft werden. Doch die Revolution blieb erst einmal aus. Für Rewe-Chef Souque ist das allerdings kein Grund zur Entwarnung. „Amazon ist technologisch und finanziell sehr stark. Das ist eine richtige Kraftmaschine. Wer sie unterschätzt, macht einen Fehler“, meint er.

Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Oliver Wyman bremsen vor allem drei Faktoren die Bereitschaft der deutschen Verbraucher, frische Lebensmittel wie Fleisch, Obst oder Gemüse online einzukaufen: Zweifel an der Produktqualität der gelieferten Waren, die langen Lieferzeiten und die oft höheren Preise im Vergleich zum Einkauf im Supermarkt. dpa

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