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Analyse

Rocket Internet: Der schleichende Weg zum Profit

Der Chef von Rocket Internet, Oliver Samwer, beim Börsengang 2014. (Foto: Arne Dedert/dpa)

Rocket Internet hat die Verluste seiner Lieblingsstartups deutlich reduziert. Zwei scheinen sogar den schwarzen Zahlen nahe. Doch der Fokus auf Gewinne funktioniert nicht ohne Abstriche.

Es klang schon etwas vollmundig, was Rocket Internet da ankündigte: Die Verluste der wichtigsten Startups im Portfolio würden in Zukunft sinken, drei Unternehmen sollten in den kommenden 24 Monaten die schwarze Null erreichen. Das war im Oktober 2015.

Zu diesem Zeitpunkt war von den Zielen noch wenig zu sehen: Statt eines Rückgangs der Fehlbeträge vergrößerten die Startups sie noch. Der Kochboxanbieter Hellofresh hatte seine Verluste damals gerade verachtfacht, Ikea-Konkurrent Home24 sein Minus verdreifacht und bei der Global Fashion Group sowie dem Möbelclub Westwing war das Defizit um jeweils knapp 50 Prozent angewachsen.

Rocket Internet verringert die Verluste seiner Startups deutlich

Wie ernst es Rocket Internet mit seiner Ankündigung meinte, das sieht man jetzt, fast zwei Jahre später. Fast alle Startups haben ihre Verluste in den ersten sechs Monaten des Jahres verringert – teilweise drastisch. Das gab Rocket Internet am Donnerstagmorgen bekannt. Die Global Fashion Group hat ihren Fehlbetrag um mehr als ein Drittel auf 44 Millionen Euro reduzieren können. Bei Westwing liegt das Minus noch bei knapp sechs Millionen Euro, 41 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Und Home24 hat das Defizit auf zwölf Millionen Euro halbiert. Einzig Hellofresh hat die Verluste gesteigert, allerdings nur leicht von 45,7 auf 46,5 Millionen Euro.

Profite, einst ein Fremdwort in Rocket-Land, scheinen für einige Startups tatsächlich in Reichweite zu sein. Besonders die beiden Möbel-Startups Westwing und Home24 haben einen steilen Abstieg hinunter vom Verlusteberg hingelegt: Noch im ersten Halbjahr 2015 kam Westwing auf ein Minus von 35 Millionen Euro, bei Home24 waren es 37 Millionen. Binnen zwei Jahren konnte Westwing die Fehlbeträge also um vier Fünftel verringern, im Fall von Home24 sind es zwei Drittel. Um im Bild zu bleiben: Den Fuß des Verlustebergs dürften sie am schnellsten erreichen.

Die kleinen Erfolge gehen teilweise aber zulasten der Lieblingskennzahl von Rocket Internet: dem Umsatz. Zwar wächst er bei allen Startups weiter an. Allerdings längst nicht mehr so stark wie noch vor einem Jahr. Bei den Möbel-Startups stiegen die Umsätze genau wie im Vorjahreszeitraum im einstelligen Prozentbereich – für Rocket-Maßstäbe nahezu homöopathisch. Westwing erzielte 123 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2016 waren es 118 Millionen. Bei Home24 lagen die Erlöse bei 132 Millionen Euro, in den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren es 124 Millionen.

Für Hellofresh sieht es da deutlich besser aus: Mit 435 Millionen Euro hat das Unternehmen seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 50 Prozent vermehrt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass das Kochstartup bei den Halbjahreszahlen 2016 noch ein Plus von 160 Prozent verzeichnete. Das Wachstum flacht also ab – wenn auch auf hohem Niveau.

Warum Rocket Internet jetzt auf Gewinne statt Umsatzwachstum setzt

Opfert Oliver Samwer also die Umsätze dem Profit? Es scheint so. Offenbar hat der Rocket-Chef das Spiel der Börse mittlerweile verstanden: Mit Gewinnen (oder im Fall von Rocket: geringeren Verlusten) beeindruckt man die Aktionäre mehr als mit fantastischem Umsatzwachstum. Auch Rocket Internet selbst geht diesen Poker mit. Der Konzern hat seinen Megaverlust von 660 Millionen Euro aus dem Vorjahr auf ein Minus von 27 Millionen Euro geschrumpft. Die Anleger reagierten wie erwartet: Der Aktienkurs stieg zwischenzeitlich um rund sieben Prozent auf mehr als 22 Euro.

Auch wenn Samwer sein Versprechen, dass drei Unternehmen bis zum vierten Quartal 2017 profitabel sind, erst noch einlösen muss – die ersten Schritte in diese Richtung hat er gemacht.

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Eine Reaktion
Superhome

Der Gewinn scheint teuer erkauft.

So wurden bei Home24.it alle größeren Möbel aussortiert, da man diese nicht im Stande ist kostendeckend zu versenden. Folglich sind dort auch die Umsätze massiv eingebrochen.

Siehe: https://www.home24.it/categoria/camera-da-letto/armadi-abiti/

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