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Analyse

Weniger Verluste, mehr Umsatz: Kriegt Rocket endlich die Kurve?

Rocket-Chef Oliver Samwer hat auch 2017 noch viele Sorgen. (Foto: dpa)

Mit den neuen Zahlen zeigt Rocket Internet, dass es die Profitabilität weiterhin im Visier hat. Aber reichen die Fortschritte aus?

Die an diesem Morgen von Rocket Internet veröffentlichten Geschäftszahlen für 2016 zeigen: Trotz aller Unkenrufe hat das Berliner Unternehmen die schwarzen Zahlen weiterhin im Blick. Während die Dachgesellschaft selbst ihre Verluste gegenüber dem Vorjahr zwar auf 741,5 Millionen Euro verdreifachte, gilt das nicht für ausgewählte Portfolio-Unternehmen wie Hellofresh, Lamoda oder Home24: Diese konnten ihre Verluste vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) reduzieren, und das zum Teil sehr deutlich. Zusätzlich verzeichnen die meisten von ihnen wachsende Umsätze.

Gehen die Fortschritte bei Rocket schnell genug?

Das klingt zunächst einmal ziemlich gut, zumindest nach der richtigen Antwort auf alle Kritiker, die das Geschäftsmodell von Rocket Internet und dessen generelle Fähigkeit, Profite zu generieren, anzweifeln. Und davon gibt es bekanntlich nicht wenige.

Trotzdem reicht die jüngste Meldung aus Berlin nicht aus für den erhofften Befreiungsschlag. Das zeigt auch der Börsenkurs der Rocket-Aktie: Sie steht aktuell (25.04.2017, 14:00 Uhr) bei 16,43 Euro und hat seit der Veröffentlichung der neuen Zahlen leicht an Wert verloren. Das liegt sicherlich daran, dass fast alle Rocket-Beteiligungen ungeachtet der insgesamt positiven Entwicklung zum jetzigen Zeitpunkt immer noch rote Zahlen schreiben. Ob Oliver Samwers ambitionierte Unternehmung wirklich die Kehrtwende schafft, hängt noch von weiteren Faktoren ab.

Was Rocket noch zeigen muss

Zum Beispiel davon, ob Rocket Internet die Ziele erreichen kann, die es im September 2015 aufgestellt hat und an denen es sich explizit messen lassen will. Darunter findet sich der Vorsatz, drei seiner Beteiligungen innerhalb von 24 Monaten zum Break-Even zu führen (Target Nr. 2): Ein Vorsatz, für den also nur noch bis Jahresende Zeit ist.

Der Break-Even von drei Beteiligungen bis Jahresende ist Pflicht.

Der für spätestens März 2017 angekündigte Börsengang eines der Portfolio-Unternehmen (Target Nr. 4) ist ausgeblieben, was sowohl am schwierigen Marktumfeld als auch an Bedenken seitens der Startup-Führungsriegen liegen könnte. Westwing und Hellofresh haben ihre Börsengänge schon 2015 auf unbestimmte Zeit vertagt, als aussichtsreichster Kandidat gilt jetzt Delivery Hero, das mit einer eher niedrigen Bewertung aufs Parkett streben könnte. Delivery Hero hat zum Wochenanfang selbst Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt und mit einem Umsatzsprung auf 297 Millionen Euro – 78 Prozent mehr als im Vorjahr – geglänzt. Auch wenn das ursprünglich ausgegebene Ziel im Prinzip jetzt schon verfehlt ist: Ein IPO von Delivery Hero würde nicht nur Geld in Rockets Kassen spülen, sondern brächte vielleicht auch eine dringend notwendige Belebung für den Kurs der Aktie.

Diese neun Unternehmensziele hat Rocket 2015 aufgestellt. Einige sind erreicht worden, andere schon jetzt verfehlt. (Grafik: Rocket Internet)

2017: Ein schwieriges Jahr für Rocket Internet

Bei all diesen Aufgaben ist das Fahrwasser für Rocket Internet auch 2017 kein leichtes. Im Februar trennte sich der schwedische Großinvestor Kinnevik von 50 Prozent seiner Anteile – weitere Verkäufe ab Mai behalte man sich vor, hieß es sogar weiter aus Schweden – und schickte damit den Aktienkurs auf Talfahrt. Im April griff Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto-Group, Rocket-Chef Oliver Samwer scharf an, nannte die Performance von Rocket Internet „belastend“ und monierte, dass die fehlende Glaubwürdigkeit der Startup-Schmiede sich negativ auf den Rest der Branche auswirke.

In Sachen Transparenz gibt es viel Luft nach oben.

Gerade in Sachen Transparenz könnte Rocket Internet noch einiges tun, um die Kritiker zu besänftigen und das Vertrauen in die eigene Aktie zu stärken. So fällt natürlich ins Auge, dass Rocket nur Zahlen zu „ausgewählten Unternehmen“ veröffentlicht hat. Hierbei handelt es sich um die vormals als „Proven Winners“ bezeichneten Beteiligungen mit den größten Erfolgsaussichten. Wie die restlichen Unternehmen aus dem Portfolio performt haben, legt Rocket nicht offen. Das kann als kluge PR ausgelegt werden – allerdings auch als Verschleierungstaktik. Der Transparenzoffensive, die Rocket mit dem Wechsel in den Prime Standard der Frankfurter Börse eingeläutet hat, wird eine so taktierende Kommunikation jedenfalls nicht gerecht.

Ob Rocket Internet es schafft, den Kurs Richtung Profitabilität zu halten und die Unternehmensziele zu verwirklichen, ist also alles andere als entschieden. Immerhin: In Bezug auf den Break-Even von drei Portfolio-Unternehmen sowie den Börsengang mindestens einer Beteiligung wird das Jahr 2017 die Entscheidung bringen.

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