Interview

SAP-Chief-Designer: „Menschen werden die Meister des Unerwarteten“

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t3n.de: Abgesehen von Neugier und Sinnsuche: Welche Faktoren werden die Arbeitswelt der Zukunft bestimmen?

Technologie ist ein wichtiger Player in der zukünftigen Arbeitswelt. In Anbetracht von Automatisierung und supermenschlicher Intelligenz werden wir für das menschliche Gehirn neue Herausforderungen finden, die es entschlüsseln muss. Wir werden uns mehr auf kreative Aufgaben konzentrieren.

Die vierte industrielle Revolution bringt so weitreichende Konsequenzen wie keine davor. In den kommenden Jahrzehnten werden wir beobachten, wie sich Arbeiten verändern wird und ganze neue menschliche Fähigkeiten zu Tage treten.

Außerdem werden wir versuchen, die menschliche Erfahrung technologisch abzubilden. Wir werden Daten der menschlichen Reaktion in einzelnen Situationen festhalten – und sehen, worin sich diese manifestiert.

t3n.de: Was wird uns denn in Zukunft motivieren?

Für komplexe Entscheidungen braucht es menschliche Kreativität – noch.


Für komplexe Entscheidungen braucht es menschliche Kreativität – noch. Sie ist nichts, das sich einfach definieren und in Regeln fassen lässt. Kreativität ist Arbeit. Ein Liebesbrief ist Arbeit.

Es geht künftig noch stärker darum, die Begabungen eines Menschen zu erkennen, zu pflegen und zu optimieren, sodass dieser ein neues Level an Kreativität, Wissen sowie Selbstverwirklichung und Sinn erreichen kann – ihm zuliebe und der Gemeinschaft um ihn herum. Wir können uns künftig auf zutiefst Menschliches fokussieren: Austausch von Erfahrungen, Lösung komplexer Probleme, Zukunftsplanung und Ethik.

t3n.de: Berufsgruppen wie Lokführer und Piloten streiken und das obwohl autonomes Steuern von Zügen oder Flugzeugen längst entwickelt ist. Warum?

Jede große Idee geht einher mit einem fantastischen Spektrum an Möglichkeiten, aber auch mit einigen Ängsten. Der Mensch reagiert stets zunächst mit Angst – leider. Deshalb brauchen wir eine neue Form der Kommunikation, in der wir uns jegliche Varianten positiver Zukunft vorstellen und sie den Dystopien entgegenstellen. So erhalten wir ein besseres, positives Verständnis der digitalen Entwicklung. Und uns wird klarer, was wir tun müssen, um dahin zu kommen.

t3n.de: Büroarbeit wie Datenanalyse und Bilanzberechnung wird zum Großteil vom Menschen gemacht. Inwiefern wird sich das ändern?

Das wird in Zukunft hauptsächlich automatisiert erledigt. Wir Menschen werden hingegen Zeit haben, uns den Kontext dieser Analysen anzusehen und neues, komplexes Wissen daraus zu generieren.

t3n.de: Welche Branchen werden besonders von digitalen Innovationen profitieren?

Spreche ich über Digitalisierung, meine ich damit nicht nur neue IT-Systeme. Es geht vielmehr um das, was wir dabei über die Welt erfahren und was wir daraus machen werden. Digitalisierung wird alles umkrempeln, wird jede Industrie und jede Branche betreffen, überall auf der Welt. In einer digitalen Welt wird es möglich sein, eine Idee, ein Geschäftsmodell, einen Prototyp vorab komplett digital testen zu können. Manche Unternehmen sind gar nicht so weit davon weg. Aber viele große Player in traditionellen Branchen, wie Chemie, Umwelt oder Ingenieurwesen sind davon noch weit entfernt. Sie müssen hart daran arbeiten, wie sie ihr Geschäft digitalisieren.

t3n.de: Welche Berufsbilder werden Schaden nehmen oder gar verschwinden?

Das Weltwirtschaftsforum prophezeit, dass bereits im Jahr 2020 die begehrtesten Fähigkeiten diese sein werden: komplexe Problemlösung, kritisches Denken, Kreativität, emotionale Intelligenz, und kognitive Flexibilität. Nahezu alle sich wiederholenden Tätigkeiten, wie zum Beispiel Qualitätskontrolle in der Produktion, werden automatisiert werden.

Wir brauchen deshalb bessere „Generalisten“ auf dem Arbeitsmarkt. Damit meine ich Menschen mit vielfältiger Expertise, die Ideen betrachten und zusammenführen können. Auch werden neue Möglichkeiten im Bereich Gesetzgebung, Ethik, Psychologie und Philosophie entstehen. Das nächste große Ding wird sein, eine Sache mit einer anderen Sache kreativ in Relation zu setzen.

t3n.de: Welche Branche(n) werden von der Digitalisierung womöglich gar nicht eingeholt?

Am Ende werden alle betroffen sein. An Bedeutung gewinnen Branchen, in denen menschliche Fähigkeiten gefordert sind: lehren, pflegen und vieles mehr. Wir werden mehr Zeit darauf verwenden können, uns austauschen, miteinander Zeit zu verbringen.

t3n.de: Wird es Jobs wie die des Handwerks in 30 Jahren noch geben?

Eher als Hobby, aber wahrscheinlich kaum noch zur Herstellung von Gütern.

t3n.de: Welche Rolle spielt Robotik in diesem Zusammenhang?

Roboter werden immer hochspezialisierter arbeiten bis hin zu komplexen Gehirnoperationen. Der dann folgende Schritt geht noch weiter: Sie werden unser Handeln und unsere Ambitionen reflektieren können, sodass wir Menschen als Individuen daran wachsen.

t3n.de: Eine Utopie ist: Die Maschine übernimmt die „Drecksarbeit“ wie gesundheitsgefährdende Fabrik-Arbeiten und der Mensch profitiert davon. Was halten Sie davon?

Völlig zutreffend.

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