Kommentar

Savedroid: Kamikaze-PR und ein Bärendienst für die Fintech-Szene

(Screenshot: savedroid.de)

Savedroid ist wieder da – und alle sprechen darüber. Doch das ist auch schon das einzig Positive, weil das Unternehmen nun in doppelter Hinsicht das Vertrauen in der Fintech-Szene verspielt hat.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Savedroid-Gründer Yassin Hankir wollte mit dem Verschwinden seiner Unternehmenswebsite und dem Rätselraten rund um den Verbleib des Unternehmens zeigen, wie selbst ein reguliertes, deutsches Unternehmen einfach abtauchen könne. Der PR-Stunt ist in einer Hinsicht gelungen: Die gesamte Fintech-Welt (inklusive Wirtschaftswoche und dem amerikanischen Dienst Bloomberg) redet über Savedroid. Doch redet man jetzt auch über deren ICO-Beratung und die ICO-Checkliste, mit der das Startup sich ein zweites Standbein aufbauen will oder vielmehr nur über das zwischenzeitliche Verschwinden der gesamten Präsenz und dem damit verbundenen Vertrauensverlust?

Savedroid hat das Vertrauen verspielt, auch und gerade als Regulierungsberater

Es gibt nicht nur Win-win-Situationen, sondern auch solche, bei denen alle verlieren, wie etwa in diesem Spiel um Aufmerksamkeit: Yassin Hankir und sein Unternehmen Savedroid wird uns, egal wie sich deren Geschäft in den nächsten Monaten entwickelt, in Erinnerung bleiben als „die, die mal einen Tag verschwunden waren“ und als Unternehmen mit einem bemerkenswerten Geschäftsmodell – so wie die Ü40 unter uns sich noch heute an einige Geschäftsideen der New Economy in den späten 90ern lachend zurückerinnern. Das Vertrauen in seinem eigentlichen Kerngeschäft – dem Geldanlage-Startup Savedroid – hat das Unternehmen aber nun verspielt (und im Nachhinein sogar die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen) und auch einen solchen Berater mag man sich für etwas so Seriöses wie das Buhlen um Vertrauen bei Investoren eher nicht an Bord holen.

Kritik am Unternehmen und am ICO, insbesondere an den teils verzögerten Gutschriften der erworbenen Tokens, gab es bereits seit längerer Zeit und so standen diejenigen, die Unregelmäßigkeiten vermuteten und davon ausgingen, dass sich das Gründerteam mit eingesammelten 40 Millionen Euro vom Acker gemacht haben könnte, schnell parat. Und auch wenn Hankir sich entschuldigt für die drastische Maßnahme, mit der er nur zeigen wollte, wieviel Gier, Leichtgläubigkeit und Betrug in der Krypto-Welt zu finden ist, wird es schwer werden zu zeigen, dass gerade er der Gute ist, der die Branche und den ICO-Markt zivilisieren kann. Denn gerade die Regulierungsbehörden im Bankenbereich sind weder für übermäßige Lockerheit bekannt noch dafür, für schräge Marketing-Kampagnen empfänglich zu sein. Abgesehen davon: Auch in der Krypto-Szene selbst hat sich Hankir nicht beliebter gemacht mit seiner Abgrenzung und Diskreditierung von Teilen der Community.

Initiatoren von ICO werden in Zukunft deutlich misstrauischer beäugt werden (obwohl – vielleicht ist das ja sogar was Gutes) und die gesamte Fintech-Branche wird mal wieder dastehen als diese Hoodie-Typen mit den windigen Geschäftsmodellen, denen man im Gegensatz zu den Banken ja eh nicht trauen kann. Bestenfalls kann man die Geschichte als eines dieser reinigenden Gewitter sehen, die dazu beitragen, dass ein Hype etwas weniger euphorisch bewertet wird.

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2 Kommentare
DR-Eric

Interessanter Beitrag! Wie schon in meinem anderen Kommentar geschrieben: Bin hin- und hergerissen zwischen „Sehr mutige und coole Aktion, die die Aufmerksamkeit hoffentlich auf die unzulängliche Gesetzeslage lenkt“ und „Nette Intention, aber so spielt man nicht mit den Nerven und dem Vertrauen der Kunden“.

Vielleicht sehe ich das Ganze lockerer, weil ich nicht selbst dort angelegt habe. Hätte ich es, dann hätte ich mir in den letzten 24 Stunden wirklich Sorgen gemacht und wohl viele Nerven gelassen. Die Frage ist: War Hankir bewusst, wie die Reaktion ausfallen würde, oder hat er tatsächlich erhofft, dass die Reaktionen eher positiv sein würden? Grobe Fehleinschätzung?
Dass das Ganze wohl zum Großteil als Werbung für die entstehende ICO-Beratung dienen soll, wird bei Kunden (denen es ja um das Produkt Savedroid ging) sicher nicht für Wohlgefallen sorgen. Ist ungefähr so, als würde ich als Bauunternehmer plötzlich Feuerwehrwagen anbiete und die damit bewerbe, dass ich einige Häuser meiner Kunden in Brand setze und dann medienwirksam lösche =)

Wenn es Hankir wirklich hauptsächlich um die Message ging, also das Risiko bei solchen Investitionen – gut gemeint! Als Werbeaktion war es waghalsig und wohl eher übertrieben, und es ist davon auszugehen, dass er sich und seinem Unternehmen eher geschadet hat.

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sygnal

Selbst wenn man von der katastrophalen PR-Aktion absehen würde, wüsste ich nicht, warum ich Beratungsleistung von Savedroid beanspruchen sollte. Der Savedroid ICO verlief aus meiner Sicht enttäuschend. Umständliche Aktivierung der Bonustokens, Hard Cap nicht erreicht, schleppende Verteilung der gekauften Tokens, bislang keine Verteilung der Bonustokens trotz Umstellung im Backend, Telegram Support ohne Reaktion und – am besten – keine einzige der tlw. seit vielen Wochen angekündigten Exchanges Bancor, Tidex, HitBTC und Idex listet SVD. Von der angekündigten Top 5 Exchange ganz zu schweigen. Auch einen ICO Review inkl. Info zum Token Burn vermisse ich. Wieviele der 10 Mrd. Tokens sind übrig geblieben?

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