Porträt

30 Millionen Dollar vom mächtigsten Mann der Wall Street? Dieser Gründer hat sie ergattert

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250 Millionen Euro in 15 Monaten

Glaubt man Podzuweit, war davon während des einstündigen Gesprächs im Zürcher Dolder Grand nichts zu spüren. Fink begrüßte ihn und Mitgründer Florian Prucker mit Vornamen. Schnell ergab sich ein Austausch „von Gründer zu Gründer“. „Als wir ihm gesagt haben, dass wir uns aus Kostengründen lieber in einem Doppelzimmer am anderen Ende der Stadt eingemietet haben, fand er das ziemlich charmant. Daraufhin hat er über seine Anfangszeit bei Blackrock gesprochen, als er noch rauchend in der Economy-Class nach China geflogen ist, um Deals einzutüten“, so Podzuweit.

Die Scalable Capital-Gründer: Florian Prucker, Erik Podzuweit und Stefan Mittnik. (Foto: Scalable Capital)

Als es schließlich um das Investment für sein Startup ging, waren die Gründer vorbereitet. Podzuweit imponierte mit Fakten: 15 Monate nach der Gründung haben Kunden seiner Software bereits ein Anlagevermögen von 250 Millionen Euro anvertraut. Mit Siemens wurde außerdem ein namhafter Konzern als Partner gewonnen. Neben Deutschland wächst das Startup auch in Großbritannien stark.

Keine Selbstverständlichkeit, wie Podzuweit findet. Im Gegensatz zu den USA sei Europa für Finanzinnovationen ein schwieriger Markt. „Es gibt keine einheitliche Sprache, jedes Land hat ein eigenes Steuersystem, eine andere Kultur“, sagt er. Entsprechend interessiert sei der Blackrock-Chef an einer skalierbaren Lösung für alle Länder gewesen. „Da wir von Anfang auf eine modulare Technologie gesetzt haben, welche die Software beispielsweise automatisch an fremde Sprachen und Währungen anpasst, war Fink schnell überzeugt“, so der Gründer weiter.

„Wer am Montag nicht kündigt, ist raus“

Auch die Expertise der Gründer gefiel dem Investor. Podzuweit hat sieben Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet, genau wie Mitgründer Prucker. Mit Stefan Mittnik mischt sogar ein Finanzprofessor beim Startup mit. „Wir sind also vom Fach, haben aber trotzdem noch den Weitblick, in Innovationen zu denken“, fasst Podzuweit zusammen. „Wer zu lange in der Finanzbranche gearbeitet hat, leidet unter Betriebsblindheit.“

Angefangen hatte bei Scalable Capital alles mit nervigen Fragen aus dem Verwandtenkreis. Wie soll das Geld in Zeiten von Niedrigzinsen am besten angelegt werden? Lohnt sich ein Tagesgeldkonto überhaupt? Podzuweit, der 2014 schon länger mit dem Gedanken einer Gründung spielte, kontaktierte schließlich Pruckner und Mittnik. Beide kannte er bereits, doch bis die Idee stand, vergingen einige Wochen. „Irgendwann habe ich eine Whatsapp rumgeschickt und gesagt, wer bis Montag nicht gekündigt hat, ist nicht als Gründer dabei“, sagt Podzuweit rückblickend.

Ein halbes Jahr bis zum Notar

Es ist auch diese Geschichte, die den Blackrock-Chef Larry Fink letztlich dazu brachte, 30 Millionen US-Dollar unter Beteiligung von Altinvestoren wie Holtzbrinck in das Startup von Podzuweit zu investieren. Auch wenn bis zur Unterschrift noch einige quälende Monate vergingen, wie der Gründer zugibt. Fast ein halbes Jahr habe die Due-Diligence-Prüfung gedauert. Jeder Stein sei dreimal umgedreht worden. „Da zweifelt man manchmal schon, ob am Ende auch wirklich alles klappt“, sagt Podzuweit. Das Geld will Podzuweit nun unter anderem in die Weiterentwicklung der Software und die Internationalisierung stecken. Und wer weiß: Vielleicht ist ja auch noch eine Übernachtung im Hotel Dolder Grand in Zürich drin.

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