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Schnelles Internet auf dem Land kommt langsam in Schwung

(Foto: dpa)

Das Ziel für den Breitband-Ausbau in Deutschland ist ambitioniert. Vielleicht sogar zu ambitioniert, wie Experten sagen. Auf den letzten 30 Prozent warten noch einige Herausforderungen.

Für Jürgen Grützner ist die Sache klar: „Das Problem waren von Anfang an die letzten 30 Prozent. Voraussichtlich werden wir davon gerade mal gut die Hälfte schaffen“, resümiert der Geschäftsführer des Telekom-Verbandes VATM. Es geht um den Ausbau des schnellen Internets und die Bundesregierung hat die Latte hoch gelegt: In gut eineinhalb Jahren soll bundesweit für jeden Haushalt ein Anschluss mit einem Surftempo von mindestens 50 MBit pro Sekunde verfügbar gemacht werden. Das heißt: Im ganzen Land ruckelfreies Video und TV über Internet, Musik hören ohne Aussetzer oder Daten verschicken ohne lange Wartezeiten.

Viele ländliche Regionen sind vom schnellen Netz noch abgeschnitten

Ein aktueller Blick auf den Breitbandatlas der Bundesregierung verrät allerdings: Viele ländliche Regionen sind vom schnellen Netz zum Teil noch abgeschnitten. Weniger als zehn Prozent der Haushalte erreichen hier derzeit die angesteuerte Zielmarge von 50 MBit pro Sekunde. Das gilt zum Beispiel für Teile der Eifel, des oberbergischen Kreises, das ländliche Umfeld von Freiburg im Breisgau und größere Gebiete um den Bayerischen Wald, im südlichen und östlichen Sachsen sowie vor allem in weiten Teilen von Mecklenburg-Vorpommern.

Für Alexander Dobrindt (CSU), Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur, ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Bei der Vorstellung des Stands der digitalen Agenda zeigte sich der Minister Ende April zuversichtlich: Rund 75 Prozent der Haushalte hätten bereits einen Zugang, ein Viertel müsste noch geschlossen werden. Dobrindt: „Wir werden dieses Ziel erreichen.“ Dabei verwies er unter anderem auf die zugesagten Fördergelder von 2,3 Milliarden Euro und die 210.000 Kilometer Glasfaserkabel, die genehmigt worden seien.

Derzeit ist Nordrhein-Westfalen mit einer Abdeckung von mehr als 82 Prozent beim schnellen Internet führend unter den Flächenländern. Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mit jeweils 57 Prozent. Auf den Breitbandausbau, der in der Branche zum Teil hitzig diskutiert wurde, wird der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, bei der Vorstellung des Jahresberichts an diesem Montag voraussichtlich eingehen.

Erreichbar oder nicht – die Vorgaben von Dobrindt sind nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in die sogenannte Gigabit-Gesellschaft. Stephan Albers, Chef des Breitbandverbandes Breko: „Wir müssen jetzt mit Digitalcourage ein langfristiges, tragfähiges Ziel auf Basis reiner Glasfaseranschlüsse bis in alle Gebäude setzen.“ Sprich, ein flächendeckendes Glasfasernetz aufbauen mit mindestens einem GBit Geschwindigkeit bis 2025.

Doch soweit denkt Helmut Berscheid, Experte für schnelles Internet im Eifelkreis Bitburg-Prüm, noch nicht. Er weiß, wie aufwendig es ist, in der Region schnelle Netze zu etablieren. Aber der Kreis hat es fast geschafft: Nachdem die Fördergelder zugesagt wurden, könnte mit dem weiteren Ausbau der Netze voraussichtlich in diesem Sommer begonnen werden. Und Berscheid ist mächtig stolz darauf, dass trotz der Widrigkeiten voraussichtlich alle 235 unterversorgten Gemeinden auf den Zug der digitalen Welt aufspringen können.

Geringe Besiedelungsdichte und große Fläche sind die Herausforderungen

Ganz andere Probleme bestehen in Mecklenburg-Vorpommern, wo allein die schiere Fläche und geringe Besiedelungsdichte den Netzausbau herausfordern. Nach Angaben der Landesregierung liegt die ländliche Abdeckung mit schnellen Internetanschlüssen derzeit bei rund 15 Prozent. Fünf Prozent der Haushalte landesweit müssten noch angeschlossen werden, heißt es. Nach Umsetzung der 77 geförderten Ausbauprojekte würde die Versorgungsquote hier auf 82 Prozent ansteigen.

In Bayern drückt Staatsminister Markus Söder derzeit auf die Tube und gibt sich besonders forsch: „Bis 2018 wollen wir schnelles Internet in jeder Gemeinde – vielleicht erreichen wir das Ziel schon in 2017.“ Ein „Höfebonus“ für Streusiedlungen soll helfen, den schnellen Anschluss bis in den letzten Winkel des Freistaats zu treiben. Immerhin: Heute sind es bereits 37 Prozent der Haushalte, die sich auf dem Lande in ein Turbonetz aufschalten können. dpa

Auch spannend: Knietief im Funkloch – Markus Beckedahl über den miserablen Breitbandausbau

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2 Kommentare
A. aus dem Funkloch
A. aus dem Funkloch

Ich glaube, auch diese Zahlen sind nach wie vor geschönt! Ich wohne am Rande der schwäbischen Alb, Autobahn in wenigen Kilometern Entfernung, Ulm und Stuttgart jeweils ca 35km entfernt. Also nicht wirklich „im nirgendwo“.
Zum Teil wird auf den „offiziellen Karten“ mein Ort mit DSL50 oder gar DSL100 angezeigt, was leider fernab der Realität ist: Aktuell werden wir mit maximal 16er versorgt – wenn überhaupt! Eine Besserung ist nicht ins Sicht. Zum Teil gibt es nicht einmal genügend freie Anschlüsse für neu Hinzugezogene. Auch wird auf den „offiziellen Karte“ angezeigt, dass wir z.T. mit LTE oder zumindest mit 3G versorgt sind. Auch das stimmt nicht – wir haben im gesamten Ort überhaupt gar keinen Mobilfunkempfang!
SO gilt auch hier: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast…

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Aaron Bolte
Aaron Bolte

Können wir nur bestätigen. Wir liegen im Umland von Freiburg bzw. Basel und der Breitbandausbau hat hier gerade erst begonnen. Die Straßen sind wieder verschlossen, das Glasfaser liegt, jetzt ist nur noch die Frage wann die neue Bandbreite aufgeschaltet wird: https://plus.google.com/photos/photo/107576478039924907966/6464802139873480706?icm=false&iso=true&hl=de

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