Fundstück

Schöne neue Auto-Welt: Tempolimits und Parkverbote ließen sich per Geofencing durchsetzen

GPS-basierte Regelkonformität: Im Kommen? (Foto: Tesla)

Geofencing verhindert Falschparken und schnelles Fahren. Was für elektrische Tretroller inzwischen vereinbart wurde, kann doch für Elektro-Autos genauso gelten, oder?

Im August 2019 haben die Kommunen, vertreten durch ihre Spitzenverbände, mit den großen Betreibern von Verleihdiensten für E-Scooter eine Rahmenvereinbarung geschlossen. Hier haben wir darüber berichtet.

E-Scooter per Geofencing sozialverträglicher machen

Kern der Vereinbarung ist die Überlegung, einen Interessensausgleich zwischen dem Gemeinwesen insgesamt und den Nutzern von Tretrollern zu finden. Deshalb werden gängige Probleme, wie etwa wildes Parken oder Geschwindigkeitsübertretungen, thematisiert und zu einem gemeinsamen Vorschlag geführt.

Der Vorschlag besteht darin, die Überwachung der Fahrzeuge per GPS zu nutzen, um abhängig vom jeweiligen Standort bestimmte Aktionen zu erzwingen oder zu unterbinden. Das Verfahren heißt Geofencing.

Audi E-Tron Scooter. (Foto: Audi)

So soll etwa per Geofencing, also in per GPS festgelegten Gegenden, die Beendigung des Leihvorganges technisch unterbunden werden. Ebenso sollen E-Scooter gedrosselt werden, sobald sie in ein entsprechend gekennzeichnetes Gebiet einfahren, etwa in eine Fußgängerzone oder auf einen Gehweg. Das ist technisch kein Problem, denn die Verleiher nutzen die Drosselung per Geofencing bereits, um das Ausfahren aus dem Verleihgebiet zu erschweren. Hier geht es also lediglich um ein paar weitere Trigger in der bereits vorhandenen Software.

Autos per Geofencing sozialverträglicher machen?

Marcus Werner, Kolumnist der Wirtschaftswoche, schlägt nun vor, die Technik auch für den Autoverkehr einzusetzen. Das könnte spätestens mit dem Einzug der vollvernetzten Stromer, die wir auf der IAA 2019 bestaunen dürfen, theoretisch kein Problem mehr sein.

Der Vision EQS. (Foto: Mercedes-Benz)

Fahr- und Parkverbote, sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen könnten mit den GPS-Bewegungsdaten des jeweiligen Fahrzeugs verknüpft werden und so automatisiert für ihre Einhaltung sorgen. Der Tesla reduziert seine Geschwindigkeit in der Spielstraße automatisch auf Schritttempo und lässt sich auf dem Marktplatz nicht mehr verriegeln, weil dort ein Parkverbot besteht. Alternativ könnte sich ein Fahrzeug im Halteverbot gar nicht erst ausschalten lassen.

Das klingt drakonisch und wie ein massiver Eingriff in die Freiheit des fahrenden Individuums. Aber, so gibt Werner zu bedenken, wo ist das Problem? Immerhin ginge es nur darum, demokratisch legitimierte Verbote und sonstige Regelungen durchzusetzen. Wieso sollte der Staat sich darauf verlassen, dass sich der Einzelne quasi freiwillig an Regelungen hält, wenn er es durch technische Mittel sicherstellen kann?

Der zu erreichende Sicherheitsgewinn rechtfertige, ja erzwinge geradezu, von den technischen Möglichkeiten auch Gebrauch zu machen, so Werner.

Zwangssteuerung: Noch fehlt die erforderliche Infrastruktur

Das ist ein interessantes Diskussionsthema, wenn auch darauf hinzuweisen ist, dass zumindest derzeit die kolportierten Möglichkeiten für das E-Auto noch nicht existieren. Bei E-Scootern funktioniert das Geofencing ebenfalls nur wegen der ohnehin vorhandenen Softwarelösung. Die fehlt für den Individualverkehr bislang völlig. Auch E-Scooter, die nicht zu den großen Sharing-Diensten gehören, werden sich nicht automatisch drosseln lassen. Hier müsste eine Software-Infrastruktur aufgebaut werden.

Die Frage ist allerdings legitim: Sollte das geschehen? Sollten wir uns zur Einhaltung von Regeln zwingen (lassen)?

Passend dazu: Geofencing könnte E-Scooter für Kommunen erträglicher machen

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3 Kommentare
Peet
Peet

Freiheit ist, Dinge machen zu können, die man nicht machen darf (und oftmals auch gar nicht machen will).

Eine Alternative wäre der gläserner Bürger, ein Chip für alle Geldeinnahmen und -ausgaben, Fitness- und Gesundheitsdaten.

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Juri
Juri

Ich erinnere mich noch an die Volkszählung in den 80ern. Massive Proteste. Heute zieht datentechnisch jeder Zweite vorsätzlich blank, vom Rest wird auch so ein Profil erstellt. Jetzt noch in der Handlungsfreiheit beschränkt zu werden, wirkt da nicht mehr soo schlimm. Allerdings kann der Staat den einzelnen Bürger dann reglementieren, wie es ihm beliebt. Hier ist m.E. jedoch der Point of no return überschritten. Mißbrauch – nicht nur durch den Staat – wird damit Tor und Tür geöffnet. Wenn der Bürger irgendwann nicht mehr frei agieren kann, kann er sich auch nicht mehr gegen Machtmißbrauch wehren. Und ich möchte nicht eine Regierung haben, die mich zu 100% kontrolliert. China macht ja schon den Schritt dahin, das sollte aber Warnung und nicht Vorbild sein.

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Gunar
Gunar

Das ist schon länger meine Idee, das Auto lässt sich nur noch per Kreditkarte starten, und sobald man den Automatikmodus abschaltet wird jeder Verstoß gegen die StVO direkt abgebucht.

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