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Software & Infrastruktur

„Schwarze Schafe“ im Netz: „Die Anbieter denken sich immer wieder neue Tricks aus, um Kunden zu fangen“

Mechthild Imkamp, OpSec Security Als ein Spiegel der Gesellschaft gibt es natürlich auch im Internet Geschäftemacher, die offenbar auf die Unerfahrenheit oder Unaufmerksamkeit ihrer Kunden spekulieren. Da wird dann beispielsweise ein kostenpflichtiges Abo angeboten, um kostenlose Software herunterzuladen. Die Firma OpSec Security verleiht seit 2006 jeden Monat das „Schwarze Schaf“ an solche Webseiten. Im Interview verrät Mechthild Imkamp von OpSec Security, wie es zu dem Award kam, ob es wiederkehrende Maschen gibt und wie sich die Kriminalität im Netz in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Sie verleihen regelmäßig das „Schwarze Schaf“. Was steckt dahinter?

Das „Schwarze Schaf“ ist eine Initiative unseres Hauses, bei der Verbraucher uns über Unternehmen und Websites im Internet informieren, mit denen sie negative Erfahrungen gemacht haben und von denen sie annehmen, dass sie möglicherweise eine Rechtsverletzung begehen. Die Meldungen überprüfen und recherchieren wir sorgfältig. Einmal im Monat treffen wir eine Auswahl und prämieren das „Schwarze Schaf“. Die Auswahl richtet sich u.a. nach der Häufigkeit der Meldungen und der Höhe des Schadens, der den betroffenen Usern entsteht bzw. entstanden ist.

Da wir in unserer Initiative aber auch eine gewisse Warnfunktion sehen, bemühen wir uns, auf neue Tricks hinzuweisen und Tipps zu geben, wie man sich sicherer im Internet bewegen kann. Aus diesem Grund fügen wir jeder Antwortmail eine Übersicht mit „Tipps zum Onlinekauf “ bei.

Das neueste „Schwarze Schaf“ haben Sie an 99downloads.de verliehen, wo man kostenlose Software herunterladen kann. Warum?

Neuester Preisträger ist die Seite 99downloads.de
Neuester Preisträger ist die Seite 99downloads.de

Das Problem bei 99downloads ist, dass dem Verbraucher für Software, die vom Betreiber kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ein Abo angeboten wird. Der Verbraucher sucht im Internet nach kostenloser Software und wird über sogenannte Landingpages zu 99downloads.de umgeleitet ohne dies bewusst wahrzunehmen. Oftmals ist ihm nicht klar, dass er mit Eingabe in die Suchmaske und Beginn des Downloads der gesuchten Software ein Abo über 60 Euro pro Jahr abschließt. Und dies für eine Leistung, die eigentlich kostenlos angepriesen wird.

Zudem berichteten uns viele Nutzer, dass sie erst nach Ablauf der Widerrufsfrist von dem Abo erfahren haben bzw. die Widerrufserklärung vom Betreiber der Seite nicht akzeptiert wurde.

Natürlich wollen wir die Verbraucher nicht von jeglicher Verantwortung freisprechen, doch Seiten wie 99downloads.de bewegen sich am Rande der Legalität, indem sie Nutzer bezüglich der Kostenpflichtigkeit bewusst täuschen. Es wurde uns auch vielfach mitgeteilt, dass man gar nicht die Suchmaske ausgefüllt hat und auf einmal trotzdem Rechnungen und Mahnungen von der Firma bekam.

Wir haben 99downloads.de mit dem Negativ-Preis ausgezeichnet, weil wir der Ansicht sind, dass hier bewusst durch Täuschung versucht wird, den Nutzern ein überteuertes Abo aufzudrängen. Wer möchte schon 60 Euro für eine Leistung zahlen, die eigentlich kostenlos ist und die man zumeist auch nur einmalig in Anspruch nehmen will?

Gibt es Betrugsmaschen, die besonders zugenommen haben oder ganz neu aufgetaucht sind in den vergangenen Monaten und Jahren?

Der Negativ-Preis "Das Schwarze Schaf"
Der Negativ-Preis "Das Schwarze Schaf"

Es ist immer schwierig von Betrugsmaschen zu sprechen. Oftmals recherchieren wir auf Grundlage der Meldungen und können uns nur an der Aussage der betroffenen Verbraucher, dem Internetauftritt der entsprechenden Firma und verschiedenen Erfahrungsberichten in Onlineforen orientieren. Deshalb vermeiden wir es bewusst, etwas zu unterstellen, was wir nicht beweisen können.

Im Februar kürten wir z.B. „Global FX“ für das „Schwarze Schaf“, weil dort unter dem Vorwand, PC-Heimarbeit anzubieten, E-Books verkauft werden sollten. Der Text war so zweideutig formuliert, dass der Eindruck erweckt wurde, dass man für das Unternehmen tätig werden könnte, sofern man die entsprechenden E-Books bestellt. Fälle, in denen der Wunsch der Menschen nach einem Zuverdienst ausgenutzt wird, um ein Produkt zu verkaufen, sind in den letzten Monaten verstärkt aufgetreten. Abofallen sind ebenfalls ein verstärkt auftretendes, aber kein neues Problem.

Die Anbieter denken sich immer wieder neue Tricks aus, um Kunden zu „fangen“. Anfangs kamen die Anbieter zumeist ihren Aufklärungspflichten nicht wirklich nach, so dass man den Vertrag aus diesem Grund anfechten konnte. Inzwischen gibt es da kaum noch Beanstandungen, dafür konnte man in letzter Zeit häufig lesen, dass „mit Ausführung der Leistung auf das Widerrufsrecht verzichtet“ wurde. Die Unternehmen machen sich damit eine Regelung aus § 312 Abs. 3 Nr. 2 BGB zunutze. Es wurde aber vor kurzen gerichtlich festgestellt, dass diese Regelung nicht so frei anwendbar ist, wie viele Unternehmen die Verbraucher glauben machen wollen. Das Einloggen in den Mitgliederbereich führt danach noch nicht zum Erlöschen des Widerrufsrechtes.

Gibt es eventuell auch Betrugsmaschen, die inzwischen weniger auftreten oder gar nicht mehr funktionieren?

Die Verbraucher sind in den letzten Jahren auf jeden Fall sensibler im Umgang mit dem Internet geworden. Wir erhalten inzwischen häufig Meldungen von aufmerksamen Verbrauchern, die Seiten entdeckt haben, vor denen sie warnen wollen, obwohl ihnen noch kein direkter Schaden entstanden ist. Es hat eine zunehmende Sozialisierung der Internetuser untereinander stattgefunden.

Daher kann man vielleicht nicht von bestimmten Maschen sprechen, die weniger geworden sind, aber aufgrund der erhöhten Aufmerksamkeit und der zunehmenden Aufklärungsarbeit müssen sich schwarze Schafe immer professionellere und raffiniertere Methoden ausdenken, um Verbraucher im Internet zu täuschen und abzuzocken.

Generell betrachtet: Geht es im Internet heute „krimineller“ zu als zu der Zeit, als Sie das „Schwarze Schaf“ erstmals verliehen haben?

Ja, ganz sicher! Laut der Kriminalstatistik für das Jahr 2008 ist die Computerkriminalität im Vergleich zu 2007 angestiegen. Zugenommen haben vor allem der Warenbetrug und das so genannte Phishing, das Ausspionieren, Stehlen und Abfangen von Daten. Darüber hinaus lässt sich eine Professionalisierung der Online-Kriminalität beobachten. Früher sah man relativ schnell, wenn es sich um eine dubiose Seite handelte. Die verwendeten Technologien werden jedoch immer ausgefeilter und auch im Ausschöpfen rechtlicher Grauzonen werden schwarze Schafe immer geschickter. So werden z.B. Fälschungsnetzwerke, vor allem in der Pharmabranche, immer undurchschaubarer.

Mechthild Imkamp, 45, ist Marketing Managerin EMEA bei OpSec Security. Bevor die Marketingfachwirtin im Jahr 2007 zu OpSec kam, war sie unter anderem bei LINOS und Sun Microsystems im Marketing tätig.

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Eine Reaktion
mark

Solche Webseiten sind eine üble Masche und bringen den Onlinehandel unnötig in Verruf. Allerdings verstehe ich nicht wieso User bei solchen Angeboten ihre wirkliche Adresse angeben. Um Software herunterzuladen benötigt man allenfalls eine gültige Email, für die restlichen Angaben kann man ruhig etwas Fantasie walten lassen, dann landen die Rechnungen irgendwo im Nimmerland.

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