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Gadgets & Lifestyle

Sequoia Capital: Der heimliche Champion des WhatsApp-Wahnsinns

Der dritte Gewinner des WhatsApp-Deals: Sequoia Capital. (Foto: VentureBeat)

WhatsApp ist verkauft. Der Deal macht die Gründer steinreich und verschafft Mark Zuckerberg die wohl lang erhoffte Genugtuung. Doch die größten Gewinner sind sie nicht. Es ist die Wagniskapital-Firma Sequoia Capital. Ein Porträt über einen Investor, der als einziger den Mut hatte, mit einem millionenschweren Geldkoffer auf das ungewisse wie letztlich gewaltige Potenzial von WhatsApp zu wetten.

WhatsApp: Keiner war so schlau wie Sequoia Capital

WhatsApp: Den Messenger verleibte sich Facebook für 16 Milliarden US-Dollar ein. Der größte Gewinner am Deal ist Sequoia Capital. (Bild: WhatsApp)
WhatsApp: Den Messenger verleibte sich Facebook für 16 Milliarden US-Dollar ein. Der größte Gewinner am Deal ist Sequoia Capital. (Bild: WhatsApp)

Zur Stunde beschäftigt die Tech-Welt nur ein Thema: Die gleichermaßen spektakuläre wie überraschende WhatsApp-Übernahme durch Facebook. Mindestens 16 Milliarden US-Dollar legt das weltweit größte Soziale Netzwerk auf den Tisch. Abgesehen von einigen verschreckten Nutzern, die fast schon affektiv nach Alternativen des populären Smartphone-Messengers suchen, bringt dieser Deal nur Gewinner: Er macht die WhatsApp-Gründer um Jan Koum und Brian Acton über Nacht zu Milliardären und treibt Facebook-CEO Mark Zuckerberg angesichts der verloren geglaubten jungen Nutzerschar die Freudentränen ins Gesicht. Was bisweilen untergeht: Es gibt noch einen dritten Gewinner im Bunde. Und: Es ist der wohl mit Abstand größte – Sequoia Capital, die legendäre Risikokapitalfirma aus dem Silicon Valley.

„Sequoia erzielt eine Rendite von 42.000 Prozent.“

Mit dem WhatsApp-Deal besiegelt das Venture-Capital-Unternehmen förmlich seine Vormachtstellung in der Investoren-Szene. Mit acht Millionen US-Dollar stieg Sequoia Capital im April 2011 bei Waze und noch ein paar andere Exit-Peanuts zusammen.

4 Zahlen – der ganze Stolz von Sequoia Capital

Ein Bilderbuch-Deal, wie ihn die Tech-Branche seit dem Zusammenschluss von AOL und Time Warner im Jahr 2001 (124 Milliarden US-Dollar) nicht mehr erlebt hat. Irgendwie vermag dieses Zahlengewitter den unrühmlichen Glanz längst vergangener Dotcom-Zeiten versprühen, doch Sequoia Capital hat mit seinem millionenschweren Investment alles richtig gemacht. Das soll auch ein Blogeintrag untermauern, den Sequoia Capital noch in der Nacht veröffentlicht hat: „4 Zahlen, die den WhatsApp-Deal erklären“, eröffnet Jim Goetz, Partner bei Sequoia Capital, sein Kurzplädoyer. 4 Zahlen. Das sind 450, 32, 1 und 0:

  • 450 Millionen aktive Nutzer stehen für das rasante Wachstum des erst im Jahr 2009 gestarteten WhatsApp-Messengers.
  • 32 Ingenieure arbeiten bei WhatsApp. Goetz zufolge ist jeder von ihnen für 14 Millionen aktive Nutzer verantwortlich.
  • 1 Dollar kostet die Nutzung des WhatsApp-Messengers im Jahr. Werbung bekommen Nutzer nicht zu sehen, die Gründer des Dienstes um Jan Koum und Brian Acton verabscheuen Werbung.
  • 0 Dollar hat WhatsApp bisher für Marketing ausgegeben, schreibt Goetz. Die enorme Popularität sei einzig und allein der Mundpropaganda von Millionen zufriedenen Nutzern zu verdanken.

Die Zahlen lesen sich beeindruckend. Und mögen sie zwar weiterhin Anlass zu Zweifeln an der Verhältnismäßigkeit einer 16 Milliarden US-Dollar schweren Facebook-Offerte für eine Smartphone-App geben, werfen sie einmal mehr das Licht auf eine VC-Firma, der mit dem WhatsApp-Deal nicht nur der spektakulärste Coup seit Bestehen gelingt. Zugleich zementiert der Coup die ohnehin längst in informellen Kreisen geltende Vormachtstellung von Sequoia Capital im Reich der Tech-Investoren, die sich vor allem entlang der Sand Hill Road im kalifornischen Menlo Park seit Jahrzehnten die Klinke in die Hand drücken.

Mit dem unheimlichen Gespür eines Jagdhundes

1972 bezieht Sequoia Capital hier sein Hauptquartier. Residiert das Unternehmen heute in einer der teuersten Straßen der Welt, fing vor mehr als 30 Jahren alles in eher gediegenen Räumen über einer Pizzabäckerei an. Seitdem investiert Sequoia Capital viele Millionen US-Dollar in Technologieunternehmen aus der Region und der Welt. Spekulative Anschubfinanzierungen fließen vor allem in Firmen aus Zukunftsmärkten, etwa aus den Bereichen Internet, Healthcare, Energy oder Mobile. Und: Sequoia Capital legt dabei ein fast schon beängstigend gutes Gespür für treffsichere Beteiligungen an den Tag. Schätzungen zufolge tragen heute rund 20 Prozent der an der US-Technologiebörse Nasdaq gelisteten Firmen die finanzielle Handschrift von Sequoia Capital.

Die Sand Hill Road im kalifornischen Menlo Park: Hier reihen sich die schicken Gebäudekomplexe der finanzkräftigen VC-Firmen um Sequoia Capital und Co. aneinander. (Foto: © Coolcaesar at en.wikipedia)
Die Sand Hill Road im kalifornischen Menlo Park: Hier reihen sich die Gebäudekomplexe der finanzkräftigen VC-Firmen um Sequoia Capital und Co. aneinander. (Foto: © Coolcaesar at en.wikipedia)

„Apple, Google, Paypal – Sequoia Capital steckt überall mit drin.“

Eine interaktive Zeitleiste auf der Webseite des sonst eher bescheiden und im Stillen agierenden VC-Unternehmens und ein Blick in das öffentliche VC-Archiv von SeedTable zeigen, wie es dazu kommen konnte. Den Anfang macht Sequoia Capital in den 70er Jahren mit frühen Beteiligungen an zu jener Zeit berüchtigten Garagenfirmen wie Apple, Oracle, Atari oder Cisco. Schon bald stellen sich erste Erfolge ein, Computer setzen sich in Unternehmen und Privathaushalten durch, der Softwaremarkt boomt. Ab Mitte der 90er Jahre wittern Unternehmer dann auch im Internet ihre Chance – und Sequoia Capital ist dabei. 1995 steigt man als einziger Investor mit nur zwei Millionen US-Dollar bei Yahoo ein, die Anteile sind mit steigenden Werbeerlösen des Internetpioniers schnell ein Vielfaches wert.

Vier Jahre später, am Höhepunkt des Dotcom-Booms, glauben die Investoren von Sequoia Capital an die Suchmaschinen-Vision zweier Russen. Man investiert 25 Millionen US-Dollar in Google und schreckt 2001, die hochspekulative Branche hatte gerade eine gewaltige Kurskorrektur hinter sich, auch nicht vor einem 100 Millionen US-Dollar schweren Engagement beim heutigen Online-Bezahlriesen PayPal zurück. Es folgen mit dem Schuhversender Zappos (ging für 850 Millionen US-Dollar an Amazon) und YouTube (Google kauft das Videoportal 2006 für 1,3 Milliarden US-Dollar) weitere Glückstreffer.

Teure Fehlgriffe muss Sequoia Capital natürlich auch hinnehmen (zum Beispiel mit eToys), doch das ist in dieser Branche Teil der Kalkulation. Die Daumenregel: Mehr als zwei Drittel aller Investments werden entweder abgeschrieben (Bankrott) oder erzielen Verluste. Geschäftstreiber sind vor allem die wenigen 20 Prozent der Unternehmen, die mit großem Wachstum zu Erfolg kommen und schnell als Kandidat für einen Börsengang (IPO) oder eine Übernahme (Trade-Sale) durchgehen. Und: Davon hatte Sequoia Capital zuletzt auch mit Instagram und Tumblr mehr als genug.

Sequoia Capital hat auch Deutschland im Visier

Ein Ende der Glückssträhne scheint nicht in Sicht. Wer einen Blick in das bunte Portfolio von Sequoia Capital wirft, erkennt das schnell: Denn die berüchtigte VC-Firma hat noch zahlreiche andere, vielversprechende Beteiligungen in petto, denen kurz- bis mittelfristig ähnlich große Exit-Chancen wie einst WhatsApp eingeräumt werden. Dazu gehört der Notizendienst Stripe sein Eigen.

Ist Sequoia Capital vorrangig auf dem US-amerikanischen Tech-Markt umtriebig, haben die Investoren ihre Fühler vor kurzem auch nach der deutschen Gründerszene ausgestreckt. Das Berliner Startup 6Wunderkinder ist das erste deutsche Startup, das sich seit November mit einer Finanzierungsrunde in Höhe 19 Millionen US-Dollar aus dem Hause Sequoia brüsten kann. Was die Zukunft für das Startup und seinen größten Anteilseigner bringt, ist ungewiss. Aber vielleicht sind es bald wieder 4 Zahlen, die diesen Wahnsinn erklären.

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Eine Reaktion
Henning Uhle

Hallo,

ich habe auch schon mal über die Machenschaften HINTER Whatsapp geschrieben:

http://www.henning-uhle.eu/mobil/whatsapp-die-schaltzentrale-der-macht-im-internet

Darum finde ich es ja so fatal, den Messenger überhaupt zu nutzen. Aber das wissen die ganzen Nutzer sicherlich, nicht wahr?

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