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Feature

GIF-Porn für Science-Fiction-Fans: Carl Burton und seine Grafiken für den Serial-Podcast

(Grafik: Carl Burton)

Der Serial-Podcast gilt als Paradebeispiel für investigativen Journalismus in einer neuen Form. Doch darin ist auch viel Künstlerisches enthalten, und das stammt von Carl Burton. Wir stellen euch den Mann und seine Arbeit vor.

Es sind wahre Geschichten, die aufhorchen lassen, unterlegt mit fantastischen Bildern, die fesseln. Der investigative Journalismus-Podcast „Serial“ ist seit Monaten in aller Munde. Sarah Koenig erzählt darin in dokumentarischer Form und im Rahmen zweier Staffeln die Geschichten von Hae Min Lee, die einem Mord zum Opfer gefallen ist und von Sgt. Bowe Bergdahl, einem Soldaten, der zuerst von den Taliban gefangen gehalten und später von der US-Regierung als Fahnenflüchtiger inhaftiert wird. Es sind Geschichten, wie sie das Leben schreibt – und Geschichten, die faszinierende Bilder im Kopf der Hörer malen.

Carl Burton ist der Kreative hinter den Grafiken des Serial-Podcasts

„Atmospheric“ und „ambient“, so beschreibt Carl Burton seine Serial-Animationen. (Grafik: Carl Burton)
„Atmospheric“ und „ambient“, so beschreibt Carl Burton seine Serial-Animationen. (Grafik: Carl Burton)

Aus diesen Szenerien echtes Kopfkino zu machen und die Gefühle der Protagonisten zu vermitteln, hat sich Carl Burton zur Aufgabe gemacht. Der New Yorker Künstler kreiert seit der zweiten Staffel die animierten Titelbilder der Serial-Episoden. Er selbst benutzt Wörter wie „atmospheric“ und „ambient“, wenn er sie beschreibt – wir würden „gespenstisch“ und „düster“ ergänzen. Die animierten GIFs spiegeln die Welt wieder, in der Menschen wie Sgt. Bergdahl leben, eine Welt aus Stacheldraht-Zaun und Militär-Maschinen – eine, für die man geboren sein muss, um sich darin wohlzufühlen.

„Computer interpretieren die 3D-Geometrie häufig sehr präzise. Was ich jedoch will, ist viel verträumter.“

An den Stil seiner Animationen hat Burton sich Stück für Stück rangearbeitet. „Er ist das Ergebnis einiger Experimente, die ich in der New York Public Library auf meinem Laptop gemacht habe“, verrät er uns im Gespräch. Burton sagt, er wolle wegkommen von den üblichen 3D-Computergrafiken und ihre Rationalität und Klarheit in etwas verwandeln, das sich eher „diesig“ anfühle, eine Form, bei der die Konturen verschwimmen. „Computer interpretieren die 3D-Geometrie häufig sehr präzise – und die Tendenz bei Texturen und Licht ist es, fotorealistisch zu sein“, fasst er zusammen er. „Was ich aber will, ist viel verträumter.“

Um seine Ideen zum Leben zu erwecken, bedient sich Carl Burton verschiedener Werkzeuge. Seine Grafiken erstellt er unter anderem mit Cinema 4D, Photoshop und After Effects – und er nutzt diese Programme wie ein Meister. Dabei hat er sein Handwerk größtenteils autodidaktisch und nur teilweise durch die Zusammenarbeit mit Kollegen in anderen Projekten gelernt. Im Geschäft ist Burton seit 2007. Aufsehenerregende Arbeiten wie „Shelter“, ein Videoprojekt, das er vor vier Jahren vorgestellt hat, ließen aber schon früh die eigene Handschrift des Animationskünstlers erkennen.

Den Weg zu Serial ebnete ihm jedoch ein ganz anderes Projekt. Für die New York Times erstellte er im Rahmen von „In Flight“ animierte Grafiken, die perspektivisch den Blick von Piloten nachahmen. Auch hier war sein Stil unverkennbar, und auch hier schaffte Burton eine Atmosphäre, die Eindruck hinterließ. An dem Artikel beteiligt war auch ein Mitglied des Serial-Teams. „Er hat mich an das Projekt herangeführt“, verrät der New Yorker. Im Nachhinein wirkt zwar alles wie Zufall, doch wer zum Träumen neigt, wie Burton, erkennt vielleicht auch eine Prise Schicksal darin – eine bessere Kooperation hätte wohl kaum entstehen können.

Ein Computerspiel im Serial-Design – Carl Burtons Pläne für die Zukunft

Burton ist inzwischen ein gefragter Mann. Seine Projekte werden zunehmend größer. Aktuell arbeitet er an einem Computerspiel, das seinen Stil noch interaktiver und spürbarer machen soll. Inspiriert wurde es von sogenannten „Non-places“. Der Begriff bezeichnet ein Gedankengebäude des französischen Anthropologen Marc Augé und bezieht sich auf mono-funktional genutzte Flächen im urbanen und suburbanen Raum: Autobahnen, Bahnhöfe oder Flughäfen könnten als Kulisse dienen. Mehr wollte uns Burton dazu noch nicht verraten. Insofern bleiben die Szenen darin erst mal unserer Fantasie überlassen. Doch so schlimm ist das eigentlich auch wieder nicht.

(Grafik: Carl Burton)
(Grafik: Carl Burton)
(Grafik: Carl Burton)
(Grafik: Carl Burton)

(Grafik: Carl Burton)
(Grafik: Carl Burton)

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