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Startups

Einfach nichts übrig lassen vom Kuchen: Wie die Sharing-Economy unser Wirtschaftsgefüge zerstört

Teilen? Das war einmal. (Foto: Shutterstock)

Die Sharing-Economy verspricht das große Teilen und eine Wirtschaft, an der alle partizipieren. Dabei haben Unternehmen wie Uber längst mit der Demontage dieses Systems begonnen. Die Doppelklick-Kolumne von Florian Blaschke.

Sharing-Economy 2021: Teilen war mal

Fahrer? Könnten bei Uber schon in wenigen Jahren nicht mehr gebraucht werden. (Foto: Uber)

San Francisco im Jahr 2021: Vor rund einem Jahr sind selbstfahrende Autos von der KFZ-Behörde offiziell zugelassen worden, vom kurze Zeit später vorgestellten Google Car wurden seitdem rund 12.000 Stück verkauft, von Apples iCar rund 8.000. Vor drei Monaten hat Uber, ein Unternehmen mit mittlerweile 5,3 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, die ersten 3.000 selbstfahrenden Taxis vom Stapel gelassen, seitdem ist die Zahl der Uber-Fahrer um rund 27 Prozent auf „nur“ noch 16.500 zurückgegangen. Die neue Konkurrenz wird von Uber nicht nur mit Rabatt angeboten, sie ist auch schneller und zuverlässiger als das bisherige Angebot. Die Maschine ist schneller und zuverlässiger als der Mensch.

Innerhalb von zwölf Jahren ist dem einstigen Startup damit gelungen, was etliche Großkonzerne seit Jahrzehnten so oft vergeblich versuchen: Sämtliche Konkurrenten und Mittelsmänner auszuschalten. Zunächst, in den Jahren 2009 bis 2020, hatte Uber der Taxi-Branche so lange zugesetzt, bis das letzte US-Taxi-Unternehmen im März 2020 schließlich Konkurs angemeldet hatte. Und jetzt, nach nur drei Monaten mit den selbstfahrenden Taxis, ist Uber drauf und dran, auch seine Fahrer auszubooten und so das Geschäft komplett an sich zu reißen. Partner? Braucht Uber nicht mehr. Von der Produktion der Autos bis hin zum eigentlichen Service hält der Konzern alle Fäden selbst in der Hand. Eine Dystopie? Vielleicht. Aber keine unrealistische.

Jedes Glied in der Kette profitiert vom anderen

„Uber ist teuer, weil du nicht nur für das Auto bezahlst, sondern auch für diesen Typen im Auto.“

Seit vergangenem Jahr schon gibt es immer wieder Gerüchte, Uber forsche an selbstfahrenden Autos, erst kürzlich hat The Verge nachgelegt und berichtet, Uber wolle dafür mit der Universität von Arizona kooperieren. Eine schlüssige Strategie, die das Unternehmen verfolgt, und eine, die offenlegt, was Disruption für manche Unternehmen bedeutet – und die zeigt, mit welchen Strukturen sich die Wirtschaft vielleicht schon in wenigen Jahren auseinandersetzen muss. „Uber ist teuer, weil du nicht nur für das Auto bezahlst, sondern auch für diesen Typen im Auto“, sagte CEO Travis Kalanick schon auf der Re/code-Konferenz im Mai 2014. „Aber wenn dieser Typ nicht mehr da ist, wird es billiger sein, ein Uber zu nehmen als ein eigenes Auto zu besitzen.“ Der Knackpunkt sei deshalb, die Kosten soweit zu senken, dass niemand mehr ein eigenes Auto haben wolle.

Heute, im Jahr 2015, ist Wirtschaft oft noch ein Geflecht aus Produzenten, Zulieferern, Zwischenhändlern, Dienstleistern und Händlern. Jedes Glied in dieser Kette profitiert vom anderen, jedes Glied in dieser Kette ist auf die anderen angewiesen. Nun ist die These, dass Technologie und Automatisierung Arbeitsplätze vernichten, inzwischen oft genug widerlegt worden, doch natürlich würden durch Ubers Pläne zunächst einige Hunderttausend Fahrer ihren Job verlieren. Was Kalanick dazu sagt? Für ihn völlig in Ordnung. „So ist der Lauf der Welt, wenn Uber diesen Weg nicht gehen würde, würden wir nicht existieren.“

Eingespielte System geraten aus dem Gleichgewicht

Doch spinnen wir die Geschichte um Uber doch noch ein wenig weiter. Was ist mit anderen Startups der Sharing-Economy? Was ist mit Airbnb? Was wäre, wenn das 2008 gegründete Unternehmen anfinge, sich für den Immobilienmarkt nicht nur als Mittelsmann zu interessieren? Was, wenn das milliardenschwere Unternehmen anfinge, selbst Immobilien zu kaufen und damit all die Mieter und Wohnungsbesitzer auszubooten? Die Grundsätze der Sharing-Economy wären ad absurdum geführt, von Teilen wäre keine Rede mehr. Noch wirbt Uber mit dem Slogan „Werde dein eigener Chef“. Schon in wenigen Jahren könnte sich das erledigt haben.

Sharing-Economy heute: Die Zahlen neuer Uber-Fahrer explodieren. Noch. (Grafik: Uber)
Sharing-Economy heute: Die Zahlen neuer Uber-Fahrer explodieren – noch. (Grafik: Uber)

Und was wäre, wenn sich etablierte Unternehmen diese Strategien abschauten und ebenfalls anfingen, den Wirtschaftskreislauf aufzuspalten und alle Teile der Produktionskette in die eigene Hand zu nehmen? Wenn Apple sein iPhone von der Idee bis zur Produktion selbst herstellen würde? Wenn die Pharmaindustrie oder die Lebensmittelproduzenten nicht mehr auf Zulieferer und Dienstleister vertrauen würde, sondern den kompletten Produktions- und Vermarktungsprozess an sich reißen würde? Die eingespielten Systeme, die sich zumindest teilweise durchaus bewährt haben, würden aus dem Gleichgewicht geraten.

Sharing-Economy „Metamorphose als Dauerzustand“

„Am Ende ist die Sharing-Economy nicht daran interessiert, dass die Lebensqualität steigt, sondern am Profit.“

Die „Metamorphose als Dauerzustand“, mit der FAZ-Autorin Melanie Mühl die Sharing-Economy auf Nutzerseite beschrieben hat, würde sich in einem solchen Szenario auch auf die Wirtschaft übertragen. Ein halbwegs solider Status Quo, der Unternehmen für eine gewisse Zeit Stabilität und Planungssicherheit gewährt, würde in etlichen Branchen schon bald nicht mehr existieren. Und: Der Geldkreislauf, der ebenfalls zu einem guten Teil auf Stabilität beruht, würde aus dem Gleichgewicht geraten, Geld würde sich an monopolistischen Engstellen stauen und in Bereichen, die unter die Räder geraten, fehlen. Der Wirtschaftskreislauf, der auch im Dienstleistungssektor existiert, würde überhitzen.

Und die Mitarbeiter? Die Community? Sie müssten sich ständig auf neue Rahmenbedingungen einstellen. Das noch vor wenigen Monaten sichere Gehalt könnte schon morgen wegbrechen, der gerade erst angetretene Job vielleicht schon in wenigen Monaten nicht mehr existieren. Einzig die Konsumenten könnten profitieren, denn Produkte ohne Zwischenhändler können – in der Theorie zumindest – günstiger angeboten werden. Nur die Konsequenzen für diesen Vorteil sollten wir nicht aus dem Auge verlieren – und verlassen sollten wir uns darauf schon gar nicht. Unternehmen wie Uber oder Airbnb, ja – die Sharing-Economy an sich – sei, so der Publizist Evgeny Morozov, trotz aller Rhetorik am Ende nicht daran interessiert, die Weltwirtschaft dahingehend zu verändern, dass die Lebensqualität steigt, sondern am Profit.

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18 Reaktionen
Denkarium

In einer immer effizienteren, produktiveren und kapitalintensiveren Ökonomie sind langfristig alle Verlierer. Wenn das Einkommen der Konsumenten wegrationalisiert wird, brechen Nachfrage und Steuereinnahmen zusammen.

Die Lösung ist eine Ökonomie, in der Umsätze und Arbeitsplätze / Einkommensplätze regional miteinander verknüpft werden. Siehehttps://www.bandbreitenmodell.de/vision.php

Stefan Fritz

Spannende Ausblicke auf mögliche Entwicklungen, die sich die meisten (deutschen) Unternehmer und Politiker bislang leider viel zu wenig bewusst machen.
Und dabei klingt "Sharing" doch so nett und positiv. Aber wie lange hält der Sharing-Gedanke vor, was dürfen wir noch als Sharing Economy bezeichnen? Im Schlusssatz klingt es ja an: es geht nicht um Lebensqualität, sondern um Profit. - Anders ausgedrückt: Kann das überhaupt gut gehen, wenn Investoren sich an Sharing Communities beteiligen? https://stefanfritz.de/warum-investoren-die-finger-von-sharing-communities-lassen-sollten/

Markus

Eine kleine Grundsatzidee, die hier fehlt - wie ich finde: Es gibt bereit Länder in denen man sehen kann, wie es wirtschaftlich abwärts läuft (auch für die Großen), wenn zu wenige an einem Wirtschaftssystem partizipieren. Würde Uber also alles anhäufen, dann würden sie daran kaputt gehen. Auch das haben schon viele vor Uber erlebt.

Allerdings gebe ich ihnen Recht..es scheint wie beim Klima, denn es ist offenbar leichter eine solche Vormachtstellung zu erhalten und dann auszunutzen.

blabla

ein Monopol wird uber nicht erlangen, entsprechende Konkurrenz gibt es z.B. von deutschen Autoherstellern. Und warum sollten Taxiunternehmen sich nicht doch noch so richtig zusammentun um analog zum London Cab autonome Autos entwickeln?

Florian Blaschke

Eine spannende weitere Hypothese. Lust auf eine Kolumne? ;-)

Uberization

Die uberization of the nation ist ein gigantisches Problem welches schon bei US-TV-Sendern gängiges Thema ist.

Ich will schon ewig kleinen Rentnern ihre Vorgärten (siehe USA z.B. Simpsons usw. ist dort die Standard-Bauform in den Vororten !) mieten und E-Tankstellen aufstellen und Sharing-E-Autos dort aufstellen wo man seine Chipkarte reinschiebt und losfahren kann und nach Nutzung bezahlt. Die Discounter könnten das auch aber ist wohl noch nicht so wichtig...
Wer ein Land kennt wo man sowas ohne Verbietung betreiben kann, soll es mal nennen. Einem deutschen Rentner ist VIELLEICHT nicht verboten, ausländischen Firmen Nutzungsrechte zu vermieten und jeder weiss warum Busse ich glaube gerne in Berlin gemeldet sind oder warum man bei Skype und Amazon in Luxemburg seine Apps kauft. Für die Idee braucht man keine Holdingketten, keine VCs, keine Steuer-Ersparnisse und natürlich keine Investoren und es würde im Gegensatz zu den Cashburnern dem Volk helfen on demand mobil zu sein. Das da auch 2-4 E-Bikes stehen und loaden ist ja glasklar.

Videobrillen sind möglich und werden (hoffentlich bald endlich) die Monitore ersetzen. Als hier FußballWM war (ich glaube 2006) wurde jedem Rentner und jeder Hausfrau von den Werbe-TV-Sendern und GEZ-Sendern vermittelt das nur HDready gute Flach-Fernseher wären. Aber ich glaube keiner hat gesagt das 2-3 Jahre später der letzte Röhren-TV im Großmarkt abverkauft werden würde.

Hier wird ständig über neue und meist 10-99% bessere Solarzellen und Akkus berichtet. Keine dieser Techniken ist bisher wohl verfügbar. Aber wenn bei heise oder golem was von neuen Festplatten-Techniken steht (und vielleicht auch bei SSDs) sind diese oft 2-3 Jahre später in 100-150-Euro-Festplatten/SSDs verfügbar. Es gibt Fake-Fortschritts-Branchen aka "Fortschritts-Bubbles" wo effektiv fast nie etwas passiert.

Die selbstfahr-Autos sind etwa so nette Fiktionen wie diese kleinen Flugzeuge die man schnell in Autos konvertieren kann. Google hat eine Solarflugzeugfirma gekauft und die Flugzeuge existieren oder auch die Klein-Satelliten aber Google hat wohl alle diese Projekte gedroppt und Facebook bringt stattdessen die Internet-Solar-Flieger.

Gutes Onlinebanking gibts bis heute nicht obwohl es nur Software also ein wenig Programmierung oder einfach nur APIs! wäre welche Facebook groß gemacht haben.
Praktisch alle Fernseher taugen bei der Bedienung wenig. Gleiches gilt gilt Amazon-Prime-Video mit Zillionen Kunden die sehr viel besser bedient werden könnten. Auf denselben Geräten zeigt Netflix wie man Mediatheken bedienen kann und das ist reine Programmierung und nix wirklich besonderes.

Du weisst also nicht was sich durchsetzen wird. Und Selbstfahr-Autos sind bisher nur möglich aber noch lange nicht Mainstream. So ähnlich wie Carbon. Das muss bis heute wohl von Hand ausgelegt und stundenlang gebacken werden. Als ein (wohl Deutscher) ein Verfahren entwickelte, um CDs krass viel billiger zu produzieren als bisher gabs endlich CDs (AOL-CDs...) auf Zeitschriften zum normalen Preis. Ob der Selbstfahr-Durchbruch kommen wird, wird man dann sehen. Ich würde ja RFIDs in die Straßen einlassen und Innenstädte sollen doch laut Neuer-Markt-Regierungs-Parteien eh mit 30km/h auskommen aber das wäre ja zu einfach.

Wenn manche Regierungen schlauer sind als damals bei E10-Benzin, würden sie die Ausbreitung der günstigen E-Autos einplanen. Strompreise und Benzin-Verbrauch dürften sich krass verschieben wie damals als die Netbooks die Laptops ersetzten und dann die Tabletts die Netbooks.
Und wenn die Akkus 30% vom Preis ausmachen ist Mieten oder so und Besitz zumindest des Akkus beim Produzenten weniger riskant als ständig wie schon bei Handies und Digital-Kameras oder Laptops die Akkus nachkaufen zu müssen.

Und was ist besser: Pferde die Zwangsarbeit an der Kutsche leisten müssen oder besser frei über die Steppen ziehen weil Autos sie ersetzen ?
Der Staat sollte dafür sorgen das man dort hin kommt wo man hin will oder Rentner zum Arzt oder Patienten zur Behandlung oder halt Aktionswaren nach Hause. Früher per Taxi mit Verträgen mit der Gemeinde und viel besserer Verfügbarkeit als Breitband, aber bald vielleicht anders.
Welchen bleibenden Wert und Nutzen hat ein Fahrer im Gegensatz zum preislich garantierten und im Gegensatz zu DSL wirklich verfügbaren Taxi-Dienst ? Oder soll der nicht lieber auf der Baustelle günstige Wohnungen in Hochpreismietgebieten bauen oder den Fachkräftemangel mindern indem er Magento-Programmierer, PHP-Designer o.ä wird oder z.B. eine alternde Bevölkerung betreuen sobald er ersetzt werden kann ?

Jobs verschwinden. Statt rumzujammern muss man Auswege aufzeigen
Die Chinesen überschwemmen also angeblich den Solar-Markt. Wieso also schrauben die betroffenen Arbeiter der deutschen Solarfirmen keine China-Solarzellen auf deutsche Dächer ? Na also. Win win für alle.
Gute Regierungen erkennen das und planen im Voraus. So wie der Bauer oder das Tier im Wald den Winter vorhersieht (aber die Regierung nicht die Rezession) und im Gegensatz zu den DAX-Firmen volle Kanne Reserven aufbauen was man den Firmen die Milliarden an Abwrack-Prämie bekommen haben auch befehlen sollte um ohne Steuergeld und Kurzarbeitergeld durch den nächsten Winter/Rezession zu kommen. Die Abzüge auf Euren Lohnabrechnungen finanzieren die Armuts-Folgen und Miswirtschaft-Kosten.

Das die Uberization schon vor zig Jahren anfing als nur ich von Zwangs-Freiberuflertum (ab 30 in der IT-Branche) oder die Taz (auch Online) von "Werkverträgen" schrieb, ist die Grundlage der Uberization wodurch die Abhängigkeits-Strukturen digitalisiert und effizienter und halt am Handy verfügbar gemacht wurden während das Hartz4-Amt Arbeitsvermittlungs-Apps gut brauchen könnte aber ich bei kostenlos-Apps vermutlich die Rechtskosten bezahlen müsste während die üblichen erfolgreichen IT-Projekte die Preis/Leistungs-Überlegenheit und Termintreue deutscher Informatiker beweisen... weshalb das Hartz4-Amt vielleicht schon wie damals für Accenture Geld für Software investieren sollte von unseren Steuern und den 1.9% vom Lohn für Arbeitslosen-Beitrag...

Uber-Worker sind im Prinzip nur die digitale Fortsetzung unterwegs am Handy der dir sicher bekannten Freischreiber halt für Fahr-Dienste statt für Journalismus oder vielleicht auch PR-Texte.

Josef

Die eigentliche Gefahr in dieser Entwicklung sehe ich mitnichten in sich veränderten Marktbedingungen und die neuen Marktteilnehmer. Seit je her haben Megatrends das Wirtschaftsgefüge verändert.

Für Unternehmen ist es allerdings entscheidend, diese zu erkennen und ihre Geschäftstätigkeit darauf auszurichten. Der eigentliche Job des CEO ist nicht zu wissen, wie sein Geschäft momentan läuft, sondern wie es in 5 Jahren laufen wird.

In Deutschland hinken wir derzeit sehr weit hinterher und wir laufen Gefahr abgehängt zu werden. Das ist aber nicht die Schuld von Musk oder Kallanick, sondern untätiger deutscher Unternehmen und fehlender Startup-Förderung.

Florian Blaschke

Eine Entwicklung akzeptieren heißt in dem Fall ja, Kunde eines Unternehmens wie Uber zu sein oder nicht. Das ist eine private Entscheidung – und die ist unabhängig davon, ob sich eine Entwicklung damit aufhalten (!) lässt. Tut sie nicht. Aber dieser feine Unterschied ist entscheidend.

DDOART

Und täglich grüßt das Murmeltier in einer Diskussion darüber, ob eine unaufhaltsame Entwicklung akzeptiert werden sollte.
Wie Einstein schon meinte:"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."
hoffen wir doch im generationsbedingten Lebenszyklus und den damit verlorenen Erinnerungen an vergangene Tage, dass wir doch die Macht haben so etwas aufzuhalten.
Selbe Diskussion wie zur damaligen Privatisierung.

Es wird so kommen, wie es kommen wird in Abhängigkeit in wie weit es unsere ökonomische Gesellschaft es vermag auszuhalten. Unsere Wirtschaft und solche abstrusen Firmenmachtgefüge und den damit verbundenen Risiken ist der Spiegel, der jeder Person vorgehalten wird.

R4h4

Eigentlich ist das was im Artikel beschrieben wurde, Vergangenheit: Große Unternehmen halten den gesamten (Produktions-)Prozess in der Hand.
Gerade das hat sich aber in Teilen als Ineffizient erwiesen, in den letzten 20 Jahren gab es eher die Tendenz dazu, alles was nicht zur Kernkompetenz gehört auszulagern an jemanden, der sich auf den speziell Schritt fokusiert hat.
Natürlich könnte Apple riesige Fabriken bauen und anfangen jedes einzelne Bauteil selber zu fertigen und zusammen zu setzten, aber das wäre Ineffizient, weil teurer, weil z.B. keine so gleiche Auslastung erreicht werden kann wie bei einem Hersteller, der die Anlagen auch für andere Aufträge benutzt.

Sieht man auch im StartUp Bereich. Die Lebensmittellieferdienste u.a. von Google verkaufen weder selber die Produkte, noch besitzten sie eine Fahrzeugflotte.

Würde Airbnb übrigens selber Häuser kaufen und gewerbsmäßig komplett selber vermieten wären das per Definition Hotels, und damit eben kein Airbnb mehr. (Außerdem würde es die Margen des Plattformmodells schmälern)

Florian Blaschke

Wie oben schon geschrieben: Uber oder Airbnb sind nur Beispiele für mögliche Strategien. Wenn diese dann „normale Unternehmen“ sind, kommen dann die nächsten Startups, die diesem Modell nacheifern?

Christoph

Falls sie eine Servicelücke finden...warum nicht. Aber was ist daran negativ zu bewerten (im Sinne des Artikels)? Im Grunde genommen ist das doch nur eine neue Form der Firmen-werdung, oder? Jede Firma seit urzeiten hat darauf hingearbeitet, den ganzen Kuchen für sich zu beanspruchen....nicht erst seit es die sogenannte Sharing Economy oder das Internet gibt. Heute geht alles nur etwas schneller (oder auch schneller in die Hose) und es ist manchmal vielleicht etwas zuviel gehype dabei. Über die unzähligen, nicht erfolgreichen Projekte redet kaum jemand..die verschwinden einfach aus der Wahrnehmung. Vielleicht wird manchen daher etwas mehr Einfluss auf die Welt zugeschrieben, als wirklich tragfähig wäre...

Christoph

Auch wenn niemand eine funktionierende Glaskugel hat, vermute ich mal, dass die angesprochene Wirtschaftsverschiebung nur in den Sharing-Zweigen stattfinden wird. Wenn Uber keine Fahrer mehr braucht, sondern alles selbst kontrolliert, ist es kein Sharing-Dienst mehr, sondern eine normale Firma.

Ich denke bei dieser Art der Reduktion von Kosten durch menschliche "Teilhabe" geht es mehr um "automatisierbare" Abläufe. Gäbe es keine Technik, selbstfahrende Autos zu entwickeln, würde sich das Geschäftsmodell von Uber nie ändern können und der o.g. Artikel würde nicht existieren.

Gleiches gilt für AirBnb und co: wenn AirBnb die Immobilien besitzt, gibt es keine Sharing-Economy mehr, sondern es wird eine normale Hotelkette (überspitzt gesagt).

Im Umkehrschluss sehen wir auch daran genau, warum die Pharma, Auto , (hier weitere einsetzen)-industrie und alle anderen in einem "normalen" Wirtschaftsfeld funktionieren: sie KÖNNTEN auf jeden Fall alles selbst produzieren. Warum tun sie es nicht? Ganz einfach: es ist nicht nötig, da die aktuelle Wirtschaftsstruktur optimal eingespielt ist. Vieles WIRD definitiv automatisiert werden - aber ein BASF oder MERC hat keinen Gewinn davon, alles selbst zu machen. Viel zu hohe interne Kosten (daher gibt man das ja u.a. an Zulieferer..)

Folgt man der Argumentation aus dem Artikel, der mMn nur für "automatisierbare Tätigkeiten" bzw. davon betroffene/gegründete Geschäftsmodelle zutrifft und nicht für die Gesamtwirtschaft, dann wird aus einigen Sharing-Diensten einfach ein normale Geschäftsmodell.

Mit allen Konsequenzen.

Und ganz ehrlich: ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass eine gewinnorientierte Firma die Preisvorteile die sie durch Automatisierung erwirbt, an die Kunden weitergibt. Das "Günstiger" beim Kunden wird - wenn überhaupt - marginal sein und eher symbolisch bzw. Marketing-getrieben.

Um den Bogen zu schließen: wenn man die Autos wie im Falle von Uber dann besitzt, hat man statt der Mensch-Kosten dann die Unterhaltskosten (die Uber ja aktuell nicht 1:1 trägt). Die kann man zwar Abschreiben, aber es bleiben Kosten.

tl;dr

Die Dystopie der "ständigen Metamorphose" wird sich nur auf automatisierbare Tätigkeiten und davon betroffene Geschäftsmodelle der Sharing- und Normalwirtschaft auswirken und diejenigen, die abhängig dort arbeiten - aber nicht auf die Industrie bzw. Wirtschaft insgesamt.

Florian Blaschke

Gebe ich dir in Teilen Recht. Allerdings wird Uber nicht das letzte Startup sein, dass eine solche Strategie fährt. Und sollte Uber irgendwann ein „normales“ Unternehmen sein, kommt das nächste und das nächste und das nächste. Was dennoch bleibt, sind Verschiebungen im Wirtschaftssystem und vermutlich etliche Unternehmen auch außerhalb „automatisierbarer Tätigkeiten“, die versuchen das nachzuahmen, weil Uber und Co. schon mal Erfolg damit hatten.

Christoph

Sicher, denn das ist die letztendliche Konsequenz. Aber dann sehen wir hier lediglich einen nicht mehr ganz so neuen Weg, wie aus einer Idee ein etabliertes Unternehmen in einem abgesteckten Geschäftsfeld wird. Disruptiv wirkt das nur für einen sehr begrenzten Anteil der Branche..weil es eben eine Lücke schliesst. Und wie die Beispiele zeigen, funktioniert das auch nur in einem sehr volatilen Bereich der mobil und internetaffinen Dienstleisterservices. Und das auch nur, weil massiv Geld eingepumpt wird und die Margen durch geringe Anschubkosten extrem niedrig sind. Will sagen: einen Megakonzern in der Rohstoff der anderen Industriebranchen bringt man damit weder an den Start, noch zum Schwitzen. Dienstleistungen machen zwar einen immer höheren Anteil an den Wirtschaftskreisläufen aus...aber aus genannten Gründen wird die Sharing Economy wohl eher ein Sprungbrett sein - weniger ein Abgesang (und daran hängt sich die Kolumne ja auf) ;)

Steven Broschart

Interessante Betrachtung. Elon Musk hat es mit Tesla und vor allem SpaceX ebenso vorgemacht und produziert viele Bauteile "inhouse" und spart damit eine Menge ein.

Natürlich stimmt es, dass es den Unternehmen nicht um höhere Lebensqualität, sondern um Profit geht. Allerdings darf man ja nicht vergessen, dass der Weg zu mehr Umsatz eben oft genau über ein Mehr für den Konsumenten führt. Von daher würde ich die Situation nicht ganz so extrem bewerten.

Florian Blaschke

Klar, am Ende haben nicht nur die Unternehmen eine Verantwortung, sondern auch die Konsumenten. Ob ich für dieses „Mehr“ also die Konsequenzen in Kauf nehmen, muss ich mich sowohl als Gründer als auch als Kunde fragen.

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