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Analyse

Hauptsache sicher: Warum Amazon sich ein Cybersecurity-Startup schnappen will

Amazon Alexa. (Foto: dpa)

Amazon verhandelt derzeit laut einem Medienbericht über den Kauf des Cybersecurity-Startups Sqrrl. Wir haben analysiert, welche Strategie dahintersteckt.

Cybersecurity: Amazon im Visier von Hackerangriffen

Amazon steht als E-Commerce-Plattformanbieter, als Hersteller von smarten Geräten (Alexa), Services wie Amazon Key und als Betreiber einer der größten Clouddienste (AWS) ständig im Visier von gefährlichen Hackerangriffen. Kein Wunder, dass sich der Konzern gegen die Bedrohungen aus den Weiten des Internets zu schützen versucht – und regelmäßig in den Ausbau seiner Cybersecurity-Aktivitäten investiert.

Risiko Hackerangriffe: Lieferung mit Amazon Key. (Bild: Amazon)

Einem Bericht des US-Mediums Axios zufolge soll sich Amazon in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Kauf der auf Cybersecurity spezialisierten Softwarefirma Sqrrl befinden, deren Gründer früher für die NSA gearbeitet haben. Angeblich soll es dabei um einen Kaufpreis von mehr als 40 Millionen US-Dollar gehen. Sqrrl entwickelt Software, mit der sich große Datenmengen analysieren lassen, um mögliche Risiken aufzuspüren. Firmen soll so dabei geholfen werden, mögliche Sicherheitslücken zu identifizieren und zu beseitigen.

Sqrrl ist nicht das erste Unternehmen aus dem Bereich Cybersecurity, das auf Amazons Akquisitionsliste steht oder stand. Im Januar dieses Jahres wurde bekannt, dass Amazon im vergangenen Jahr das KI-basierte Cybersecurity-Unternehmen Harvest.ai für angeblich 19 Millionen Dollar gekauft hat. Auch hier verfügen die Mitarbeiter über Erfahrung bei der Arbeit für NSA und FBI. Harvest.ai sucht mit KI-Unterstützung nach Unregelmäßigkeiten beim Nutzerverhalten, was wichtige Dokumente und geistiges Eigentum angeht. So sollen Diebstähle verhindert werden, bevor sie begangen werden können.

Amazon: Investitionen in die Cybersicherheit

Weitere Investitionen in die Cybersicherheit durch Amazon umfassen etwa die Partnerschaft mit der Chipfirma Microchip, die IoT-Geräte in der AWS-Cloud besser sichern soll, sowie die Investition in das Datenschutz-Startup Ionic Security. Und: Im November hat Amazon mit dem Dutyguard ein Tool vorgestellt, das die AWS-Cloud auf Anomalien hin durchsucht. Fällt dem System etwas Ungewöhnliches auf, wird der Nutzer informiert.

Cybersecurity ist freilich längst nicht nur bei Amazon ein Thema. Rund 655 Milliarden US-Dollar sollen zwischen 2015 und 2020 in Cybersecurity-Initiativen fließen. Angriffe auf Clouddienste sowie Attacken auf ungesicherte IoT-Systeme und smarte Gadgets gehören laut McAfee zu den größten Bedrohungen für 2018.

Amazon Echo Show im Test: Alexa zeigt's euch

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Amazons Alexa-Geräte dringen nicht nur in Wohnungen, sondern zunehmend auch in Büros vor – die Daten, die damit gesammelt und zumeist in der Cloud gespeichert werden, müssen natürlich besonders geschützt werden. Erst vor wenigen Wochen hat ein israelischer Sicherheitsanbieter vor kritischen Lücken bei digitalen Assistenten wie Google Home und Alexa Echo gewarnt. Die Hersteller reagierten schnell mit entsprechenden Updates. Aber wer weiß schon, welche Lücken noch unentdeckt sind und möglicherweise bald ausgenutzt werden könnten.

Amazon steht also unter Druck: Hunderte Millionen Kunden der Handelsplattformen, der smarten Geräte und der Clouddienste – hier nicht zuletzt Unternehmen und Behörden – wollen, dass ihnen der Konzern höchstmögliche Sicherheit bietet.

Marke Amazon: Cybersecurity als Risikofaktor

Zuletzt war Amazon gerade in diesem Bereich ins Wanken geraten. Im Herbst 2016 etwa war Amazon – wie viele weitere beliebte Internetdienste – von massiven Ausfällen wegen eines großangelegten DDoS-Angriff auf den DNS-Dienstleister Dyn betroffen. Im April dieses Jahres wurden die Accounts mehrerer Amazon-Händler geknackt und Zehntausende Dollar gestohlen. Sicherheitsforscher sehen in den rund zwei Millionen Händlern ein großes Risiko für die Cybersicherheit bei Amazon. Der Konzern müsse die Sicherheit seiner Partner garantieren oder riskiere einen Verlust seiner Reputation und die Schädigung seiner Marke.

Das ist besonders kritisch bei US-Behörden wie CIA, NSA oder FBI, die ihre Datenströme und Aktivitäten zum Teil in und mit Amazons AWS abwickeln. Aktuell soll angeblich das Pentagon überlegen, Amazon als einzigen Cloud-Anbieter zu wählen – ein milliardenschwerer Deal, der laut Kritikern politisch motiviert sei. Die während der Regierungszeit Obamas ins Amt gewählten Behördenvertreter wollten so der aktuellen US-Regierung Donald Trumps schaden, heißt es. Amazon-Boss Jeff Bezos gilt als scharfer Trump-Kritiker.

Aber sei es, wie es sei. In jedem Fall muss Amazon die Sicherheit der Daten und Aktivitäten sowohl von Firmen- und Privatkunden als auch von Behörden garantieren. Das wird auf Dauer nur mit einem weiteren Ausbau des Cybersecurity-Bereichs funktionieren.

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