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Startups

Als deutsches Startup ins Silicon Valley: „Wie eine Marsmission“

Andreas Leicher und Johannes Kempf von MapCase. (Foto: t3n)

Für drei Monate durfte das deutsche Startup MapCase an Bord des German Accelerator ins Silicon Valley reisen. Das Ziel: Die Internationalisierung seiner App. Wie das geklappt hat und warum dieses Vorhaben mit dem einer Marsmission vergleichbar ist, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

„Silicon Valley? Um jeden Preis!“

Als Andreas Leicher und Johannes Kempf von der Jury die erlösende Nachricht erhalten, schwillt die Brust vor Stolz. Ja, ihr Startup darf mit – mit ins Silicon Valley, dorthin, wo die wilden Tech-Giganten wohnen. Eine große Sache. Dutzende Bewerber, mehrere Interviews, eine aufwändige Präsentation, Spannung. All das haben sie gemeinsam mit Bastian und Dominik Kneissl, den Gründern von MapCase, überstehen müssen, ehe sie eines der vom German Accelerator ausgelobten Tickets nach San Francisco ergatterten.

Dann aber stellte sich bei ihrem Team irgendwie auch Skepsis ein: „Wie, der German Accelerator bietet uns dort nicht mehr als eine Handvoll Mentoren und einen Schreibtisch?“

Andreas Leicher und Johannes Kempf von MapCase. (Foto: t3n)
Andreas Leicher und Johannes Kempf von MapCase. (Foto: t3n)

Heute, einige Monate später, sitzen Leicher und Kempf an diesem Schreibtisch. Genauer gesagt im „Runway“-Inkubator, der ein Co-Working-Space im Downtown-Viertel von San Francisco, nur eine Etage unter Twitter, betreibt. Draußen vor den Fenstern gießt es wie aus Eimern, die Augen von Leicher und Kempf sehen müde aus. Ihre Koffer haben sie schon gepackt, pünktlich zu Weihnachten geht es endlich nach Hause. Doch sie gehen nicht im Frust, da sind sich beide diesmal sicher: „Jedes deutsche Startup, das die Chance hat, hier rüber zu kommen, sollte das um jeden Preis tun.“

Der Traum vom internationalen Startup-Erfolg

Zumindest dann, wenn man sich fest vornimmt, den amerikanischen Markt erobern zu wollen – darum geht es beim German Accelerator. Das vom Bund initiierte Förderprogramm hilft deutschen Startups wie MapCase bei der Internationalisierung. Das Mainzer Unternehmen entwickelt Apps für Outdoor-Junkies, die so ihre Touren mit dem Smartphone tracken und sich in virtuellen Mini-Wettbewerben mit Gleichgesinnten messen können.

Im Silicon Valley will das Mainzer Startup MapCase den US-Start seiner Outdoor-Apps erproben. (Grafik: MapCase)
Im Silicon Valley will das Mainzer Startup MapCase den US-Start seiner Outdoor-Apps erproben. (Grafik: MapCase)

Bei Skifahrern etwa soll das für mehr Motivation sorgen, bei partizipierenden Tourismusregionen – etwa dem Skigebiet Sölden, das in Kooperation mit Sportherstellern zum Beispiel Sachpreise in Aussicht stellt – für mehr Besucher. Eine Idee, die in Europa schon ein Erfolg ist: „200.000 Mal wurden die Apps von MapCase bisher heruntergeladen“, sagt Leicher. Deshalb will man jetzt auch in den USA ein Wörtchen mitreden.

Silicon Valley: Startups sollten für drei Monate pro Mitarbeiter bis zu 10.000 Euro einkalkulieren.

Das Silicon Valley sei dafür natürlich „hochattraktiv“, sagt Leicher. Hier passiere einfach mehr, alles gehe viel schneller und überhaupt könne man von der US-Konkurrenz und den ganzen Wearable-Firmen ja noch jede Menge lernen. Der Preis für das dreimonatige Abenteuer in San Francisco aber hat es in sich, Sieger-Ticket hin oder her: Flüge, Wohnmieten, Lebensmittel, Zugtickets, Fahrten mit Uber. „Alles läuft auf Kosten der Firmen“, so Leicher. Startups, die mit maximal drei Mitarbeitern nach San Francisco reisen dürfen, sollten für die Zeit deshalb bis zu 10.000 Euro pro Nase einkalkulieren.

Lernen, wie Startups im Silicon Valley ticken

Leicher und Kempf raten dazu, sich davon nicht abschrecken zu lassen: „Der Wert des Netzwerks, das der German Accelerator hier vor Ort aufgebaut hat, übersteigt die Kosten um Längen.“ So könne jedes Startup auf über 70 Mentoren aus dem eigenem Branchenumfeld zugreifen. Im Fokus des zehnwöchigen „Startup-Studiums“, wie die beiden es nennen, stehen dabei vor allem die Workshops, die jeden Dienstag in Palo Alto stattfinden.

Dort lerne man etwa, wie man ein Startup richtig „lean“, also möglichst schlank auf Erfolg trimmt. So arbeite man anhand der Business-Model-Canvas-Methode sehr stark mit Hypothesen, für deren Prüfung die Startups förmlich zum Klinkenputzen verdonnert werden. Was das heißt? Mit dem Kunden sprechen, seine Probleme erkennen, erfragen, was ihn nervt und vor allem verstehen, wie das eigene Produkt vor der Haustür genutzt wird – „Get out of the Building!”, sagt Kempf, sei das erste gewesen, was man ihnen hier im Silicon Valley beigebracht habe.

In wöchentlichen Workshops lernen Startups im German Accelerator, wie man ein schlankes Geschäftsmodell aufzieht. (Foto: German Accelerator/Facebook)
In wöchentlichen Workshops lernen Startups im German Accelerator, wie man ein schlankes Geschäftsmodell aufzieht. (Foto: German Accelerator/Facebook)

Für das Mainzer Startup eine überraschende Erfahrung. „Wir haben uns am Anfang gefragt, warum man uns das hier verklickern will. Schließlich hatten wir ja schon ein fertiges Produkt und auch bewiesen, dass es in Europa einen Markt dafür gibt. Warum also nicht einfach in den USA durchstarten?“, sagt Leicher.

Die Erkenntnis, dass der amerikanische Markt anders tickt, stellt sich jedoch schnell ein, als das Startup mit den Menschen spricht. „So konnten wir etwa herausfinden, dass die Amerikaner sehr viel stärker auf Loyalty-Programme abfahren als wir Europäer.“ Zudem seien die Skigebiete in den USA zwar ähnlich groß wie die in Europa, aber in ihrer Infrastruktur viel weiter zurück. „Was ein US-Skigebiet im Monat an Besuchern verzeichnet, hat Sölden in einer Woche. Das macht das Marketing über Gamification-Apps zur Differenzierung zu einem wichtigen Thema für die US-Skigebiete, allerdings unter anderen Bedingungen als in Europa.“ Wichtige Learnings für das deutsche Startup.

„Man muss die Angst ablegen“

Vor diesem Hintergrund habe MapCase, so erklären Leicher und Kempf, auch die Mentalitätsunterschiede zu spüren bekommen. „Man muss die Angst ablegen, die Mentoren würden einem etwas vom eigenen Produkt wegnehmen wollen. Das Erfolgsrezept hier in Amerika ist einfach ein anderes. Statt wie viele deutsche Startups von Beginn an 'alles für jeden' zu machen, fokussieren sich US-Startups zunächst immer auf ganz kleine Nische.“ Die gesammelten Erfahrungen geben Leicher und Kempf in den drei Monaten kontinuierlich über Video-Konferenzen an ihr Team in Mainz weiter, das dort die Entwicklung der Apps hinsichtlich der geplanten US-Expansion vorantreibt.

Eine schwierige Aufgabe. „Vor allem der Zeitunterschied bringt den eigenen Arbeitsrhythmus völlig aus dem Gleichgewicht“, sagt Leicher. Die Woche im Silicon Valley fange daher nicht am Montag an und höre auch nicht am Freitag auf. Von der Stadt hätten er und Kempf in den drei Monaten kaum etwas gesehen, aber die Mission sei ja auch nicht Urlaub, sondern die Internationalisierung gewesen. Und die sei jetzt so gut vorbereitet „wie eine Marsmission“, stimmt Leicher in Vorfreude auf Weihnachten an: „Die Raumsonde ist gelandet, hat Daten gesammelt, sie zur Analyse an die Basisstation zurückgeschickt und startet jetzt wieder durch.“

t3n im Silicon Valley

daniel_huefner_t3nDaniel Hüfner berichtet für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Startups und interessante Orte des Tech-Epizentrums. Auf Twitter bekommt ihr zudem weitere Eindrücke von der US-Westküste.

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