Interview

Denken wie ein Unternehmer: Diese Skills solltest du in der digitalen Ära mitbringen

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t3n.de: Und diese Innovatoren brauchen nicht nur Hard Skills, oder?

Betrachte zum Beispiel, wie sich die Einstellung vieler Menschen hinsichtlich ihrer Privatsphäre geändert hat: Vor zehn Jahren konnte sich nur wenige vorstellen, ihre gesamten Daten in einer von einem Unternehmen betriebenen Cloud zu speichern.


Richtig. Unsere Mission bei EIT Digital beispielsweise ist es, das Leben der Menschen und die Wirtschaft in Europa zu verbessern. Wir wollen deshalb, dass junge Menschen lernen, wie sie neue Geschäfte entwickeln, die das Ziel haben, die Gesellschaft zu verbessern. Das bedeutet: über Marktbedürfnisse hinausdenken und auf die sozialen Implikationen des Technologiewandels schauen.

Schließlich resultieren einige der größten wirtschaftlichen Innovationen der vergangenen Jahrzehnte aus dem Wechsel der sozialen Normen. Betrachte zum Beispiel, wie sich die Einstellung vieler Menschen hinsichtlich ihrer Privatsphäre geändert hat: Vor zehn Jahren konnte sich nur wenige vorstellen, ihre gesamten Daten in einer von einem Unternehmen betriebenen Cloud zu speichern.

t3n.de: Würden Sie deshalb sagen, dass Sektoren wie Tech von der digitalen Ära am stärksten betroffen sind?

Jein. Betroffen sind Industrie, Infrastruktur, der Gesundheitsbereich, Städteplanung und der Finanzsektor. Das heißt, es ist so ziemlich das gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftsgefüge davon betroffen. So können auch im Bildungsbereich dramatische Veränderungen erwartet werden, beispielsweise durch MOOCs. Bei EIT Digital unterrichten wir auch über MOOCs.

Die traditionelle Campus-basierte Universität ist genauso unter Druck, wie Sektoren wie Transport oder Einzelhandel. Auch hier gilt deshalb: Die konstante digitale Produktevolution ist der Schlüssel zum Überleben. Für den Bereich Bildung bedeutet das, dass Hochschulen den richtigen Mix zwischen Online und Offline-Lehre finden müssen, mit dem Ziel, die zeitliche und örtliche Abhängig von Bildung aufzulösen, während die akademische Qualität erhalten und verbessert wird.

t3n.de: Ist es dafür nicht zu spät?

Ja, einige Wirtschaftssektoren erleben bereits eine gravierende Schrumpfung durch die Digitalisierung. Sämtliche administrativ unterstützenden Rollen (Assistenten) sind in vielen Bereichen verschwunden. Ein OECD-Report zeigt auf, dass mehr als zwölf Prozent der deutschen Arbeitsplätze durch Digitalisierung bedroht sind, was im Vergleich zu anderen Ländern sehr viel ist. Viele Unternehmen haben rechtzeitig erkannt, dass sie etwas verändern müssen. Generell sollte jedes Unternehmen darüber nachdenken, wie die Digitalisierung ihre Strategie beeinflusst.

Die Chefetagen müssen einen disruptiven Wettbewerb erwarten und sich vor ihn setzen. Für Unternehmer, die ihre Strategie in Bezug auf die Digitalisierung noch nicht betrachtet haben, empfehle ich „The Fourth Industrial Revolution“ von Klaus Schwab. Es gibt einen exzellenten Überblick, worum es in der Digitalisierung überhaupt geht. Zum Beispiel beleuchtet es, welche Wirtschaftssektoren besonders und welche am wenigsten betroffen sind.

t3n.de: Darin geht es auch um Künstliche Intelligenz?

Natürlich. Stell dir vor, dass der Algorithmus, der dir in den sozialen Netzwerken Freunde oder Bekannte vorschlägt, seinen Weg ins Rechtssystem, in die medizinische Diagnose oder Investmententscheidungen findet. Tatsächlich ist dies bereits der Fall. Wenn Künstliche Intelligenz genauso produktiv und akkurat funktioniert wie der Social Media-Algorithmus, könnte die Wahrscheinlichkeit von rechtlicher Fairness, akkurater medizinischer Diagnose und profunder Investmententscheidungen substantiell steigen. Dabei gibt es jedoch einen Haken: Ein Algorithmus kann immer einen Fehler verbergen oder gehackt werden.

t3n.de: Was bedeutet das für Gesellschaft und Wirtschaft?

Es bedeutet, dass viel mehr in Technologien für Sicherheit und Privatsphäre investiert werden muss, um negative Konsequenzen von Künstlicher Intelligenz zu vermeiden.

t3n.de: Ist es also verständlich, dass Menschen sowie Unternehmen Angst vor Künstlicher Intelligenz haben?

Wir leben in einer Welt, in der die Gesetzgebung und (bis zu einem gewissen Grad) die Strafverfolgung der Technologie um Jahre, manchmal Jahrzehnte, hinterherhinken. Es ist eine Gesellschaft, in der eine bösartige Ausnutzung von Technologiefehlern stattfindet. Erinnerst du dich an die weltweiten Hackerangriffe der vergangenen Wochen wie „Wannacry“? Ähnlich ist es beim „Internet der Dinge“, also intelligenten Geräten wie Apples Siri oder Amazons Alexa. Wenn Dinge denken, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie viel man sie wissen lässt. Wenn Dinge besser denken können, als ich es kann, weiß ich, dass sie zu viel wissen. Fazit: Ängste sind berechtigt, solange das Recht dem Wandel hinterher hängt.

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Ein Kommentar
Holger

Guter Artikel, allerdings fehlen mir zu viele „traditionelle“ Soft Skills, siehe https://www.profilanalysen.de/karriere-mit-soft-skills/ (insbesondere Offenheit für Neues) und auch Hard-Skills in einer sich rasant ändernderden Welt wie z.B. Methodenkompetenz im Projektmanagement inkl. iteratives Vorgehen und rollierende Planung / Durchführung.

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