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Startups

Zu Besuch bei Slack: Das Anti-Silicon-Valley-Startup

(Foto: t3n)

Im Eiltempo hat Slack die Herzen von Teams und Unternehmen erobert. Doch wie sieht es hinter den Kulissen des Startup-Wunders aus? Wie wird dort gearbeitet? Unser Silicon-Valley-Korrespondent Daniel Hüfner war bei Slack in San Francisco zu Besuch – und überrascht von so viel Understatement.

Wie tickt eine Firma, die ein Jahr nach dem Launch schon mehr als 135.000 zahlende Kunden hat? Die zwölf Millionen US-Dollar Umsatz generiert hat und 20 Heiratsanträge ihr Eigen nennt? Soviel vorweg: In spätrömische Dekadenz ist man bei Slack in San Francisco nicht verfallen.

Tischkicker oder Spielkonsole? Nicht bei Slack

Das Hauptquartier des populären Team-Messengers liegt in South of Market, dem Stadtteil also, in dem viele erfolgreiche Tech-Firmen an der Zukunft tüfteln. Slack aber fällt schon allein deshalb aus dem Rahmen, weil das Büro nicht etwa in einem der typischen viktorianischen Altbauten untergebracht ist, sondern im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Glasturms. Erwachsen ja, überheblich nein.

Edler Glasbau statt verruchter Hinterhof: Für sein noch sehr junges Alter gibt sich Slack schon sehr erwachsen, hat sich in einem Gebäude mit der US-Kaufhauskette Macy's gemütlich gemacht. (Foto: t3n)
Glasbau statt Hinterhof: Für sein noch sehr junges Alter gibt sich Slack auffällig erwachsen. Man hat es sich in einem Gebäude mit der US-Kaufhauskette Macy's gemütlich gemacht. (Foto: t3n)

Warum, das erzählt mir Katie Wattie, die sich bei Slack als eine von vielen um die Besucher kümmert. Knapp ein halbes Jahr hat es gedauert, bis der Termin stand. Mit ihr will ich über das Produkt, vor allem aber über die Arbeitskultur des mit einer Milliarde US-Dollar bewerteten Startups sprechen. Erwartungsgemäß erzählt sie von gratis Snacks und Getränken, vollen Kühlschränken, gemeinsamen Kaffee-Partys am Nachmittag oder Team-Building in der Natur. Das Standard-Programm eben. Nicht von der Stange – das fällt sofort auf – ist hingegen das Flair. Tischkicker, hippe Couchgarnituren, Spielkonsolen – was man aus unzähligen Großraumbüros von Startups aus dem Silicon Valley zu Genüge kennt, gibt’s bei Slack nicht. Irgendwie sieht alles eher bieder aus, Reihe um Reihe hocken Mitarbeiter vor ihren Dell-Monitoren, fast schon wie in einem Callcenter.

Gesprochen wird dabei aber kaum. Der Grund: Slack selbst ist sein bester Kunde. Die Kommunikation findet fast ausnahmslos über den Messenger statt, der die bunte Raute im Logo trägt. Jeden Tag werden über 30.000 Nachrichten im Startup verschickt, das in 200 verschiedenen Channels organisiert ist. 9.000 davon stammen direkt aus den Fingern der Mitarbeiter, den Rest machen Notifications von Plugins wie ZenDesk, Twitter oder GitHub aus, die im Minutentakt über die Bildschirme hüpfen. Das erhöht die Produktivität, erfordert aber auch viel Konzentration, die ungern gestört wird. Als ich von einem Mitarbeiter ein Foto mache, ernte ich statt eines Lächelns einen bösen Blick.

Es geht eben um was.

Slack verbrennt monatlich „nur“ 300.000 Dollar

Wattie bestätigt das: „Hier zählt in erster Linie die Arbeit, für alles andere ist aktuell sowieso kein Platz“, sagt sie. Der Erfolg gibt dem Startup wohl genauso recht wie Star-Investor Marc Andreessen, der angesichts des überhitzten Investitionsklimas schon länger eine Rückbesinnung auf das Wesentliche fordert. Er kritisiert die Millionenausgaben besonders unter Neugründungen. Burnrate unnötig in die Höhe und damit auch das Risiko, zu scheitern.

Tisch an Tisch, Stuhl an Stuhl, Reihe für Reihe: Trotz Großraumbüro ist es bei Slack de facto mucksmäuschenstill. Zu wichtig ist der Kampf um die Unternehmenskommunikation der Zukunft. (Foto: t3n)
Tisch an Tisch, Stuhl an Stuhl, Reihe für Reihe: Trotz Großraumbüro ist es bei Slack de facto mucksmäuschenstill. Zu wichtig ist der Kampf um die Unternehmenskommunikation der Zukunft. (Foto: t3n)

Nicht mehr als 300.000 US-Dollar monatlich verbrennt dagegen das 100-köpfige Slack-Team. Eine Summe, die angesichts der 180 Millionen US-Dollar, die man von Investoren wie Andreessen erhalten hat, überrascht. Profitabel ist Slack zwar noch nicht. Den Glauben, dass Wachstum im Silicon Valley aber auch nachhaltig und ohne Ellbogendenken geht, erhält Slack aber allemal.

HipChat? „Unser Verhältnis ist sehr freundschaftlich“

Vielleicht rührt diese Einstellung daher, dass man sich mit HipChat, dem Messenger-Pendant aus dem Hause Atlassian, derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft in der Team-Kommunikation liefern muss. Konkurrenzdruck? Versteckspiele? Abwerben von Mitarbeitern? Hass? „Nein“, sagt Wattie, „das Gegenteil ist der Fall“. Anders als viele Firmen im Silicon Valley unterhalte Slack „sehr kollaborative, überaus freundschaftliche Beziehungen“ zum ärgsten Konkurrenten, der übrigens nur vier Blocks weiter südlich an seiner Vorstellung der zukünftigen Teamkommunikation arbeitet. So würde sich Slack-Gründer Stewart Butterfield etwa regelmäßig bei HipChat blicken lassen. Und: Auch HipChat habe schon öfter bei Slack vorbeigeschaut. Zuletzt vor wenigen Wochen, als man dem Startup anlässlich des ersten Geburtstags eine Schokoladen-Torte überreichte:

Slack_Hipchat_Birthday_Cake
(Screenshot: Twitter)

Das passt ins Gesamtbild: „Stewart ist jemand, der weniger auf die Konkurrenz als vielmehr auf das eigene Produkt schaut“, sagt Wattie.

Slack: Enterprise ja, Server-Version nein

Darum konzentriert sich das Team zur Zeit vor allem auf die Produktpflege. Nur partiell kommen wirklich neue Features hinzu, auch wenn es sie bei HipChat längst gibt. Bei Business-Kunden kommt das nicht gut an. Ende des Jahres will man sie trotzdem überzeugen: Dann nämlich soll auch die sehnlichst erwartete Enterprise-Version von Slack erscheinen. Auf die Frage, ob Firmen ihre sensible Unternehmenskommunikation dann auch über eigene Server laufen lassen können, gibt es wiederholt eine Absage: „Vorerst nein“, lässt Wattie wissen. Funktionen wie beispielsweise Compliance Exports, abteilungsübergreifende Reportings, erweiterte Adminrechte oder die Möglichkeit, externe Nutzer ohne Account in einen Channel einzubinden, hätten erst einmal Vorrang. Aber: „Wir denken ständig über das Self-Hosting nach“, versichert sie.

Man nehme die Wünsche der Community sehr ernst, auch wenn man sie nicht immer sofort erfüllen könne, so Wattie. Als Sprachrohr nutzt Slack vor allem Twitter. Mit viel Transparenz und Empathie interagiert man mit Nutzern, wie das Beispiel dieser Feature-Forderung zeigt. Für alles andere gibt es eine Wall of Love für das Anti-Startup aus dem Silicon Valley.

Das Büro von Slack versprüht eher den Charme einer etablierten Werbeagentur als den eines hippen Startups. (Foto: t3n)

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