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Startups

Smartes Autofahren – So tüfteln Startups am Fahrerlebnis der Zukunft

Startups arbeiten am smarten Fahrerlebnis. (Screenshot: Automatic)

Nach smarten Telefonen und Häusern jetzt auch smarte Autos. Mit Dash und Automatic tüfteln zwei Startups aus den USA am Fahrerlebnis der Zukunft. Die Lösungen dürften Autofahrer dankbar wie begeisternd aufnehmen, doch es gibt auch Stolpersteine.

Der Autobranche könnte es eigentlich besser gehen. Na klar, nach der nächsten Preisexplosion an der Tankstelle kann man sich schon jetzt die Uhr stellen, der Absatz schrumpft seit Jahren und auch die immer wieder propagierte Alternative „Elektroauto“ ist bisher kaum ernst zunehmen. Doch die Tech-Welt rüstet sich trotz oder gerade wegen dieser Entwicklungen für die Zukunft. Sie glaubt an das große Potential, das auf dem Beifahrersitz im smarten Auto von morgen schlummert.

Zukunftstrend „Smart Driving“ – Dash und Automatic steigen zu

„Steigende Benzinkosten erfordern eine intelligentere Mobilität.“

Autofahren auf der Höhe der Zeit, effizient und sicher noch dazu. Das versprechen mit Dash und Automatic zwei aufstrebende Apple mit seinem „iOS in the Car“-Konzept sukzessive in die Armaturen von Fahrzeugherstellern. Doch beide Beispiele skizzieren nur den Anfang einer Zukunft, in der wir uns angesichts steigender Benzinpreise und einem wachsenden Verkehrsaufkommens in urbanen Räumen nach Wegen einer intelligenteren Mobilität umsehen müssen.

Smartes Autofahren soll in Zukunft ein Bluetooth-fähiger OBD-Computer ermöglichen. Er liest elektronische Fahrzeugdaten aus und sendet sie an das Smartphone. (Foto: Automatic)
Smartes Autofahren soll in Zukunft ein Bluetooth-fähiger OBD-Computer ermöglichen. Er liest elektronische Fahrzeugdaten aus und sendet sie an das Smartphone. (Foto: Automatic)

Wie die aussehen können, zeigen mit Smartphone-App. Dafür nutzen Dash und Automatic eine altbewährte Technik: die 1996 gesetzlich in Fahrzeugen vorgeschriebene Schnittstelle zum sogenannten On-Board-Diagnosesystem (OBD). Über die lassen sich mithilfe eines kleinen Messgeräts elektronische Fahrzeugdaten über Abgaswerte, Antriebsfunktionen oder Elektronik gewinnen und auswerten. Inzwischen sind solche Geräte sogar Bluetooth-fähig. Das haben auch Dash und Automatic erkannt und bringen all diese Informationen jetzt auch auf das Smartphone des Fahrers. So eröffnen sich bisher kaum genutzte Möglichkeiten.

Kleines Gadget lässt dich schlauer tanken

„Mit dem Smartphone zur günstigsten Zapfsäule.“

Ein erstes Beispiel ist die Prozedur des Tankens. Die Benzinkosten steigen ständig, umso mehr müssen wir ein stärkeres Bewusstsein für Sparsamkeit entwickeln. Das bedeutet nicht, weniger zu fahren, sondern in erster Linie effizienter. Dash und Automatic leisten hier praktisch Starthilfe: In Echtzeit ermitteln ihre Geräte den Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs und geben Fahrern kurzerhand ein audiovisuelles Feedback zur Verbesserung ihres Fahrverhaltens. Denn wer sanft statt aggressiv bremst, nur leicht über dem Tempolimit fährt und hohe Beschleunigungen vermeidet, kann den Benzinverbrauch um bis zu 20 Prozent senken. Muss irgendwann doch nachgetankt werden, informiert die zugehörige Smartphone-App den Fahrer per GPS über die aktuell günstigste Zapfsäule in der Nähe. So sollen Autofahrer den Versprechungen von Dash und Automatic zufolge mehrere Hundert Dollar weniger im Jahr für Benzin oder Reparaturdienstleistungen ausgeben.

Mit Gamification sicher durch den Straßenverkehr

Das sichere Fahrerlebnis wollen Dash und Automatic durch einen Gamification-Ansatz schaffen. Wer besonders achtsam fährt, sammelt Punkte und Belohnungen in Form von Tankgutscheinen. (Screenshot: Dash)
Das sichere Fahrerlebnis wollen Dash und Automatic durch einen Gamification-Ansatz schaffen. Wer besonders achtsam fährt, sammelt Punkte und Belohnungen. (Screenshot: Dash)

Beide Startups wissen aber auch: Wem einmal ein Schnäppchen an der Tankstelle gelungen ist, strotzt vor Glück. Ein tolles Gefühl, das Lust auf mehr macht. Eine solide Grundlage für ein Geschäftsmodell. Sowohl Dash als auch Automatic bieten mit Gamification daher einen für den Straßenverkehr recht unkonventionellen Ansatz, um die Fahrsicherheit von Nutzern zu verbessern – gleichzeitig werden entsprechende Erfolge aber auch mit Konsumanreizen verknüpft. So treten Nutzer etwa gegen ihre Freunde im Kampf um den sichersten beziehungsweise nachhaltigsten Fahrstil an. Wer besonders effizient fährt, die Reifen schont und auch mal Nachts unterwegs ist, sammelt Punkte für den Highscore – und damit auch verschiedene Coupons, die vor allem für den lokalen Einzelhandel und die Werbeindustrie von Interesse sein dürften.

Smartes Autofahren: Wenn das Smartphone zum ersten Unfallhelfer wird

Wie viel Pionierarbeit die Startups mit der intelligenten Verknüpfung von Fahrzeugen und dem Smartphone des Nutzers leisten, zeigt sich aber einem ganz anderen Szenario. Vor allem in ernsten Unfallsituationen außerhalb der Ballungsräume kann jede Sekunde über Leben oder Tod entscheiden. Ein stets griffbereites Smartphone kommt da gerade recht. Doch was, wenn der Fahrer selbst nicht mehr in der Lage ist, den Notruf mithilfe seines Smartphones zu verständigen?

„Sensor erkennt Unfälle und kontaktiert den Notruf.“

In solch einem Fall schlüpfen Dash und Automatic selbst in die Rolle eines Unfallhelfers. Das Gadget von Automatic ist dank eines integrierten Beschleunigungssensors dazu in der Lage, unterschiedliche Unfallsituationen zu erkennen. Wird ein nach einem Crash ausgelöster Alarm nicht nutzerseitig innerhalb von 30 Sekunden deaktiviert, werden die Unfalldaten automatisch an die Startup-eigene Notrufzentrale übermittelt. Anschließend erfolgt ein Anruf zur Bestätigung auf dem Smartphone und gegebenenfalls die Verständigung lokaler Rettungsdienste. Ebenso werden Familienangehörige mittels einer SMS-Benachrichtigung über den Unfall informiert. Denkt man diese Systematik noch einmal weiter, könnten uns bald sogar Technologien zur Verfügung stehen, die einen bevorstehenden Crash schon im Vorhinein zu verhindern wissen. Schnittstellen, die fahrdynamische Daten wie Beschleunigung aber auch Position, Geschwindigkeit und Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug kontinuierlich auswerten, gibt es schon.

Stolpersteine und das Kalkül der Datenhungrigen

Was eine solche Technologie und das Engagement von Dash und Automatic sowie bald auch dem deutschen Ableger Ekoio bedeutet, ist klar: In Zukunft wird es weniger Unfälle und weniger Verkehrstote geben. Wir fahren sicherer aber auch effizienter – und sparen auch nach dem Willen der Startups auch noch Geld dabei. Das ist super. Klar ist aber auch: Stolpersteine gibt es trotzdem. Zum einen funktioniert ein Teil dieser Dienste nur, wenn weder das Smartphone beim Unfall beschädigt noch die mobile Daten- oder Bluetooth-Verbindung unterbrochen wurde. Zudem ist der Service auf GPS-Daten zur Lokalisierung des Fahrzeugs angewiesen. Faktoren also, auf die man sich vor allem in der infrastrukturell schwachen Peripherie nicht immer zu Einhundert Prozent verlassen kann.

Zum anderen darf man die Augen bei allem Nutzwert solcher Dienste aber auch nicht vor den stillen Kalkülen solcher Unternehmen verschließen. Noch ist der PKW einer der wenigen Zufluchtsorte jenseits des omnipräsenten Internets. Denn hier googeln wir nichts, wir bestellen auf der Autobahn auch nichts bei Amazon und checken nicht bei Foursquare ein. Dabei sind schätzungsweise sind jeden Tag mehr als eine Milliarde Menschen im Auto unterwegs. Ein riesiges Potential, das auch Akteure aus der Tech-, Werbe und Überwachungsindustrie bekannt ist – und die werden auf den heißen Datenbraten kaum verzichten wollen.

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2 Reaktionen
magi

Nur ein Anmerkung:
Für die EU gilt ab 2000 der OBD II Standard. Den haben alle KFZ, mitsamt einheitlichen Daten, die sie Ausspucken. Zusätzlich geben einige Hersteller andere Daten heraus. Vorher hatten die Hersteller eigene Systeme, die nur Bedingt fähig waren, Informationen Rauszugeben.

Ein, meines Erachtens, auch wichtiger Punkt wäre die Belastung der Motoren. Inzwischen sind sind wir bei einem hohem Anteil an Turbomotoren. Wenn die vor einer hohen Last und Drehzahl auf Betriebstemperatur sind und nach einer hohen Dauerlast auch nicht abrupt ausgestellt werden sollte sich die Lebensdauer merklich verlängern. Gerade, da dank Alu Blöcken ein Zylinderkopfdichtungs-Schaden schon fatal sein kann. (Als Betriebstemperatur sollte man da die Öltemperatur herziehen, nicht die Wassertemperatur.)

Techniken aus dem Artikel werden kommen, da bin ich mir sicher. Schade, dass sowas sicher bald in jedem Fahrzeug zu finden sein wird, aber simple, preisgünstige und villeicht sportliche Fahrzeuge sehr selten gesäht sind.

Ansonsten: schöner Artikel :)

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Materna Newmedia

Ein wichtiges Thema, bei dem wir in den nächsten Jahren eine Vielzahl von Innovationen erleben werden. Dazu wird auch das 2014 gestartete EU-Forschungsprogramm „Horizon 2020“ beitragen, bei dem die Themenbereiche Mobilität und Verkehrstechnologien wichtige Förderschwerpunkte sind. Investitionen in Verkehrsforschung und -innovation in Höhe von 6,3 Mrd. EUR
sollen u.a. für ressourcenschonenden, umweltfreundlichen Verkehr bei größerer Mobilität, mehr Sicherheit durch intelligente Verkehrssysteme und für ein innovatives Nachfragemanagement sorgen. Es bleibt also spannend, wie „smart“ die Mobilität der Zukunft sein wird.

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