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Smile-Programm: Amazon spendet für Organisationen, die das nicht wollen

(Foto: Evan Lorne / Shutterstock)

Im Rahmen seines Amazon-Smile-Programms wollte Amazon an die Lebensmittelwächter von Foodwatch eine Spende überweisen. Doch die wiesen das Geld zurück.

Online einkaufen und gleichzeitig eine gute Tat tun – das verspricht Amazon mit seinem Smile-Programm. Kunden können ohne Mehrkosten eine Organisation bestimmen, an die eine Spende geht, die sich nach dem Wert des eigenen Warenkorbs richtet. Wie viel Umsatz auf diese Weise mehr gemacht wird, weiß nur Amazon.

Als Spendenorganisationen standen bis jetzt neben Organisationen wie dem WWF oder Unicef unter anderem die Lebensmittelwächter von Foodwatch zur Auswahl. Doch die wiesen nun eine Spende zurück mit dem Hinweis, Amazon habe sie nicht vor dem Listing um Erlaubnis gefragt.

Magere Ausbeute: 83 Euro für 16.630 Euro Umsatz

Dass Foodwatch so reagiert, hat mehrere Gründe. Die Lebensmittelwächter hatten sich vor einigen Jahren nach einer Spende eines Schokoladenherstellers dafür entschieden, keinerlei Zuwendungen aus der (Lebensmittel-)Industrie anzunehmen. Zwar ist Amazon nur begrenzt der Lebensmittelindustrie zuzurechnen (aufgrund seiner Lieferprogramme aber dennoch irgendwie), doch kommt hier noch ein anderer Punkt hinzu: Es geht um 83,15 Euro – eine für den Onlineriesen aus Seattle eher zu vernachlässigende Summe, für die Kunden immerhin Waren im Wert von 16.630 Euro eingekauft haben.

Das Amazon-Smile-Programm war im Herbst vergangenen Jahres im Rahmen einer Umstellung in das Smile-Programm umgewandelt worden. Bis dahin konnten Vereine und Gruppen selbst Geld für einen gewählten guten Zweck sammeln, indem sie einen entsprechenden Affiliate-Link an ihre Mitglieder verteilten. Gruppen wie Bildungsspender, Schulengel oder das Boost-Project hatten auf diese Weise ursprünglich 7,5, später 2,5 Prozent des Einkaufsumsatzes erhalten. Bei den zwei größten Projekten dieser Art, so rechnet der Spiegel, seien seit 2012 so stolze 2,6 Millionen Euro zusammen gekommen. Für einige große Spendensammler war das zeitweise rund die Hälfte, später ein Drittel des gesamten Spendenaufkommens.

Amazon Smile: deutlich schlechtere Konditionen als vorher

Seit Herbst konnten die Charity-Projekte hingegen nur noch Mitglied bei Smile werden – zu deutlich schlechteren Konditionen: Gerade einmal 0,5 Prozent des Einkaufswertes überweist Amazon inzwischen. Auch konnten jetzt nur noch gemeinnützige oder als mildtätig anerkannte Vereine Mitglied werden, nicht aber zum Beispiel einfache Vereine oder kleine Elterninitiativen, die quasi nebenbei für ein Sommerfest oder Spielzeug im Kindergarten sammeln wollten.

Und es gibt noch eine weitere Stolperfalle: Amazon führt hier laut FAQ auch Vereine auf, die ihr Geld noch gar nicht abrufen, weil sie zwar in der Liste auftauchen, aber sich noch nicht mit einem berechtigten Ansprechpartner und Zahlungsempfänger registriert haben. Immerhin werden die gesammelten Beträge für zwei Jahre gutgeschrieben. Erfolgt in diesem Zeitraum keine Anmeldung, wird das für den Zweck gesammelte Geld unter allen angemeldeten Vereinen aufgeteilt.

Foodwatch: Amazon führt Kunden in die Irre

Bemerkenswert ist es in der Tat, dass Amazon ein solches Projekt in Eigenregie angeht und offenbar Vereine auch ohne deren Wissen hier führt. Schon im Rahmen der Launch-Pressemitteilung war bekannt geworden, dass sich einige der hier zitierten Organisationen gar nicht darüber bewusst waren, dass die neuen Konditionen für sie weniger Geld bedeuten würden und dass im Gegenzug das altbekannte Affiliate-Programm nicht weitergeführt wird.

Dafür wirbt Amazon sehr offensiv mit den Spendenorganisationen und deren guten Namen – insbesondere wenn man im Gegenzug sieht, welche überschaubaren Beträge hier generiert werden. Amazon führe „Menschen in die Irre, die eine gute Sache unterstützen wollen, und generiert Umsatz mit falschen Versprechen“, kritisierte Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch gegenüber der FAZ.

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