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So gut wie niemand nutzt Alexa von Amazon zum Shoppen

Amazon Echo: Ende des Jahres wird wohl der 100-millionste smarte Lautsprecher verkauft. (Foto: dpa)

Eines der aktuellen Hype-Themen im E-Commerce ist Voice-Commerce. Jetzt wird deutlich, dass kaum jemand Alexa und Co. seine Einkäufe bestellen lässt. Unter den aktuellen Bedingungen ist das auch kein Wunder.

Rund 50 Millionen Alexa-fähige Geräte sind inzwischen verkauft (bis zum Jahresende sollen es doppelt so viele sein), doch nur rund 100.000 Kunden nutzen diese Technik auch, wie eine neue Untersuchung von The Information zeigt. Wir halten fest: Gerade einmal zwei Prozent probieren aus, Alexa etwas bestellen zu lassen – und die meisten lassen es danach auch wieder sein, wenn sie sich überhaupt durch den Kaufprozess quälen. Das ist auch kein Wunder, weil viele Kunden zwar durchaus auf Vereinfachung beim Einkaufen stehen, die künstliche Intelligenz bisheriger Systeme diese zuverlässige Vereinfachung eben nicht bietet.

Alexa fehlt das nötige Maß an künstlicher Intelligenz

Hierzu fehlt Alexa und allen ähnlichen Systemen noch so viel, was mit dem Interpretieren menschlicher Verhaltensweisen zu tun hat. Nehmen wir mal als Beispiel das Bestellen von Brötchen (abgesehen davon, dass man Alexa in Bayern erst einmal klar machen müsste, dass das Semmeln heißt). Eine gute KI würde nach und nach lernen, dass die Familie an Samstagen, an denen sie zu Hause ist, und vor 11 Uhr keine Termine oder Verabredungen hat, morgens frische Brötchen auf dem Tisch haben will. Ein Voice-Commerce-System würde dann nachfragen und – das ist das zweite Hindernis – sofern es einen passenden Bäcker gibt, der so etwas anbietet, bei diesem die Lieferung bestellen. Doch dann schon wieder die Frage: Sind alle Familienmitglieder da, hat man beispielsweise Besuch und benötigt mehr?

Und selbst wenn man gar nicht von einem solch komplexen Fall ausgeht: Jede Voice-Commerce-Lösung braucht entsprechende Vorbereitung – den passenden Händler, der genau das zu einem bestimmten Preis anbietet. Spätestens wenn’s mehrere Varianten eines Artikels gibt – und das ist in unserer Warenwelt eher die Regel als die Ausnahme, wird’s schwierig. Bisher ist die Kommunikation einfach noch zu kompliziert und daher nicht praxistauglich. Amazon, so viel ist klar, will aber, dass die Kunden Alexa nicht nur die passende Musik für den Abend auswählen lassen und nach dem Wetter fragen.

Voice Commerce: Ohne Mehrwert bringt das nichts

Das setzt voraus, dass der Kunde hier wirklich einen Mehrwert bekommt – das ist allerdings heute noch nicht der Fall. Stattdessen bekommt er viele Fragen und könnte dasselbe Problem mit wenigen Klicks per Smartphone lösen. Und das wird er auch tun, solange Amazon, Google oder Apple hier keine wirklich überzeugende und praxistaugliche Lösung bereitstellen und solange die künstliche Intelligenz noch so unterentwickelt ist wie heute. Dennoch wird Voice-Commerce schon jetzt ein einträgliches Geschäft – für die Vielzahl an Beratern, die mit Dollarzeichen in den Augen Handelsketten die neue Technik ans Herz legen will.

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2 Reaktionen
matrixOnline

"Eine gute KI würde nach und nach lernen, dass die Familie an Samstagen, an denen sie zu Hause ist, und vor 11 Uhr keine Termine oder Verabredungen hat, morgens frische Brötchen auf dem Tisch haben will. "

... ich finde es traurig, wenn der Mensch irgendwann so unselbständig sein wird, dass einem sprichwörtlich sogar das "Arsch abwischen" abgenommen wird... bei dem Beispiel oben muss man quasi an gar nichts mehr denken, nichts mehr organisieren.

Antworten
Martin Wunderlich

Genau, ich glaube dass eher das der Grund für die Akzeptanz sein wird.
Es gibt zwar sogenannte Early-Adopter, die sowas als Spielerei ausprobieren, aber die Mehrheit der Menschen würde ich so einschätzen, dass irgendwann eine Grenze erreicht ist. Was macht denn das Leben noch aus, wenn man sich jeden Handgriff von der Technik abnehmen läßt?
Wenn man ein kleines Kind ist, fiebert man ja auch irgendwann dem Zeitpunkt entgegen, wo man Dinge alleine machen kann und ist stolz darauf. Das werden auch die Erwachsenen merken, die sich irgendwann den Po von der KI abwischen lassen.

Also ich sehe bei der Alexa Werbung z.b. wirklich selten bis nie Funktionen, die über Spielerei hinausgehen und einen echten Mehrwert und Erleichterung für einen großen Teil der Menschen bringen könnte. Wobei ich aber davon ausgehe, dass solche Funktionen irgendwann auftauchen.

Und hier: " für die Vielzahl an Beratern, die mit Dollarzeichen in den Augen Handelsketten die neue Technik ans Herz legen will." würde ich eher sagen, dass die Handelsketten die Dollarzeichen in den Augen haben wenn sie sich von Beratern eine Technologie aufschwatzen lassen, die noch nicht wirklich marktreif und erfolgsversprechend ist.

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