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So will McKinsey in der Gesundheitsbranche aufräumen

Der neue Gesundheitssektor heißt „Health Care“ – und dürfte finanziell schlanker daherkommen. (Bild: Shutterstock)

Großauftrag für den Rotstift? McKinsey sieht durch die Digitalisierung der Gesundheitsbranche immenses Potenzial, Kosten zu senken. Größten Nutzen soll interessanterweise ein Projekt bringen, das schon fast totdiskutiert ist.

Die Damen und Herren von McKinsey haben das deutsche Gesundheitswesen mal wieder auf Einsparpotenzial abgeklopft. Und, was soll man sagen: Durch den Einsatz digitaler Technologien könnten jährlich „bis zu 34 Milliarden Euro“ eingespart werden, will die Studie „Digitalisierung im Gesundheitswesen: die Chancen für Deutschland“ herausgefunden haben.

„Das Potenzial von 34 Milliarden Euro setzt sich einerseits aus Effizienzsteigerungen, andererseits aus Reduzierung unnötiger Nachfrage zusammen.“

Dies entspreche rund zwölf Prozent der gesamten jährlichen Gesundheits- und Versorgungskosten von zuletzt 290 Milliarden Euro. Das, was McKinsey als „das größte Nutzenpotenzial“ bezeichnet, biete die elektronische Patientenakte und elektronische Rezepte sowie webbasierte Interaktionen zwischen Arzt und Patient.

500 Forschungsdokumente analysiert

McKinsey hat für die Studie auf Basis von mehr als 500 internationalen Forschungsdokumenten das „Verbesserungspotenzial“ von 26 digitalen Gesundheitstechnologien analysiert und in Experteninterviews überprüft, wie das Unternehmen mitteilt.

Geschätztes Nutzenpotenzial in Mrd. Euro (Grafik: McKinsey)
Geschätztes Nutzenpotenzial in Milliarden Euro. (Grafik: McKinsey)

Diese Gesundheitstechnologien fassen die Studienautoren in sechs „Lösungskategorien“ mit unterschiedlichem Einsparpotenzial zusammen: Die Umstellung auf papierlose Datenverarbeitung zum Beispiel könnte neun Milliarden Euro einsparen, heißt es, Online-Interaktionen, also zum Beispiel solche durch die sogenannte Teleberatung, 8,9 Milliarden Euro.

Auch im Bereich „Arbeitsabläufe/Automatisierung“ sieht McKinsey offenbar jede Menge Spielraum, etwa durch die mobile Vernetzung von Pflegepersonal oder die auf Barcodes basierte Verabreichung von Medikamenten (6,1 Milliarden Euro). 5,6 Milliarden könnten dann noch durch sogenannte „Entscheidungsunterstützung durch Datentransparenz“ gespart werden. Hier dürfte künftig verstärkt Software eingesetzt werden, um Doppeluntersuchungen von Patienten zur vermeiden.

Auch angesagt: „Patientenselbstbehandlung“

Auch die in der Branche nicht unumstrittene sogenannte „Patientenselbstbehandlung“, zum Beispiel anhand von Gesundheits-Apps oder digitale Diagnosetools, könnte das System um weitere 3,8 Milliarden entlasten, rechnen die Studienautoren vor. Verwandt und ebenfalls bestens zur Optimierung geeignet sei auch der Patienten-Self-Service, also etwa Onlineportale zur Terminvereinbarung. Hier sieht das Beratungsunternehmen immerhin noch eine halbe Milliarde Einsparpotenzial.

Geschätztes Nutzenpotenzial in Mrd. Euro (Grafik: McKinsey)
Geschätztes Nutzenpotenzial in Milliarden Euro. (Grafik: McKinsey)

Die insgesamt 34 Milliarden Euro würden sich einerseits aus Effizienzsteigerungen, andererseits aus Reduzierung unnötiger Nachfrage zusammensetzen, formuliert Stefan Biesdorf, Partner bei McKinsey. Eine solche geringere Nachfrage ergebe sich, wenn beispielsweise Doppeluntersuchungen vermieden, „unnötige Krankenhauseinweisungen“, wie es heißt, verhindert und durch bessere Qualität der Folgebehandlungen „minimiert“ würden.

Die größte Einsparung aber verspreche die Umstellung auf eine einheitliche elektronische Gesundheitsakte, abgekürzt: EHR (Electronic Health Record). Sie soll auf Dauer „schnellere, reibungslosere Abläufe“ ermöglichen, wie McKinsey das nennt, und zwar indem sie beispielsweise den Verwaltungsaufwand und die Anzahl von Tests reduziere.

„Akzeptanz von Datenschutz abhängig“

Biesdorf sagt, Patienten würden die elektronische Gesundheitsakte aber nur akzeptieren, wenn sie die Kontrolle über ihre Daten behalten, also selber entscheiden könnten, welcher Arzt oder welches Krankenhaus darauf Zugriff bekommen.

Die Studie will außerdem herausgefunden haben, wer von der Digitalisierung im Gesundheitswesen am meisten profitiert: 70 Prozent des „erreichbaren Nutzens“ kämen den sogenannten Leistungserbringern zugute, also vor allem Ärzten und Krankenhäusern, ist zu lesen. Die restlichen 30 Prozent würden bei den Krankenversicherungen landen. Das, sagt zumindest Biesdorf, räume mit einem alten Argument vieler Leistungserbringer auf. Dieses lautet, dass ihnen die Digitalisierung außer Arbeit nichts bringe.

6 Fragen, die sich jedes Unternehmen in der Digitalisierung stellen sollte

Nutze ich effiziente Software?

1. Haben meine Mitarbeiter mobil Zugriff auf wichtigste Unternehmensdaten wie CRM, ERP und Business Intelligence?

2. Gibt es ein Software-Tool wie Slack, mit dem die interne Kommunikation effizienter werden kann?

3. Für welche Dinge wird im Unternehmen Microsoft Excel eingesetzt? Gibt es eine bessere Software?

4. Gibt es On-Premise-Lösungen, die in eine Public Cloud ziehen könnten?

(Foto: © Rawpixel.com Adobe Stock)

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McKinsey ist da naturgemäß und auch von Berufs wegen natürlich anderer Meinung: Digitale Lösungen würden nicht nur Kosten senken, sondern auch „Probleme entschärfen“, schreiben die Studienautoren. Teleberatungen beispielsweise werden der Analyse zufolge den Personalmangel insbesondere in ländlichen Regionen abmildern. Außerdem hätten sie ein Nutzenpotenzial von bis zu 4,4 Milliarden Euro.

Erklärtes Ziel: Ärzte zeitlich entlasten

Diese Möglichkeit für Patienten und Ärzte, eine virtuelle Beratung durch Spezialisten in Anspruch zu nehmen, könne den Zeitaufwand für Arzt- und Facharztbesuche „erheblich reduzieren“ und den Bedarf an niedergelassenen Spezialisten, insbesondere in ländlichen Gebieten, „reduzieren“. Dort könne die mobile Anbindung von Pflegepersonal die Versorgung „weiter verbessern“.

„Eine Frage der Haltung“

Mit einer digitalen Lösung hätten die Pflegekräfte ortsunabhängig vollen Zugriff auf Patienteninformationen und könnten Befunde unterwegs über Tablets dokumentieren. Somit wäre eine effiziente, kontinuierliche Versorgung und Überwachung der Patienten in der ambulanten Pflege gewährleistet, heißt es von McKinsey.

„Im europäischen Vergleich ist Deutschland bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen abgehängt“, konstatiert derweil Volker Amelung, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Managed Care (BMC), mit dem McKinsey für die Studie „kooperiert“ hat und der sich als „Innovationsforum an der Schnittstelle zwischen Politik, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft“ versteht.

An finanziellen Mitteln und technologischen Voraussetzungen fehle es ausdrücklich nicht, beteuern die Studienautoren. Es sei allein „eine Frage der Haltung“. Allerdings: Im deutschen Gesundheitswesen gebe es viele Akteure, für die der Status quo besser sei als die Veränderung durch die Digitalisierung.

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2 Reaktionen
Martin Wunderlich

Kommt mir valide vor die Einschätzung. Ich musste unser Gesundheitswesen leider viel von innen kennenlernen und mein Eindruck war auch, dass das dort technologisch noch in der Steinzeit ist, ausgesprochen ineffizient und fehleranfällig.

Auch glaube ich, dass in Zukunft Ärzte vermehrt durch KI ersetzt werden können. Symptome abfragen kann auch eine KI, vergleichen mit Krankheitsdatenbanken kann KI besser und vermutlich auch bald viel einfacher Körperwerte messen und gleich verarbeiten.
Und der menschliche Faktor ist vernachlässigbar, der ist auch jetzt bei einem Arztbesuch kaum vorhanden so schnell wie man da durchgeschleust wird.

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Titus von Unhold

Dass KI besser sein soll ist wilde Spekulation, zumal es noch keine gibt. Die bisherigen Versuche - z. B. mit IBM Watson - zeigen jedenfalls dass Software bisher wesentlich öfter daneben liegt als Ärzte.

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