Analyse

So funktionieren die Methoden von Social Bots und Fake-Accounts

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Indikatoren für Fake-Accounts und frisierte Posts

Die Überprüfung, ob ein Post oder ein Account unverhältnismäßig gepusht wurde, ist nicht immer ganz einfach. Mittlerweile bieten Plattformen wie Twitteraudit, Socialauditpro und Botometer in einem gewissen Rahmen die Möglichkeit, die Botdichte im Followship von Accounts abschätzen zu lassen. Diese Dienste sind jedoch in der Regel kostenpflichtig und nicht sehr transparent.

Es gibt jedoch Indikatoren, anhand derer auf die Echtheit zurückgeschlossen werden kann. Für deren Überprüfung bedarf es weder des Zugriffs auf die API eines Netzwerkes noch harte Programmierskills:

  • übermäßig mehr Abonnenten als Fans
  • sehr schlechte Fotos, generisches Profilbild
  • hoher Anteil gelikten oder geteilten Contents gegenüber sehr geringer Anzahl eigenen Contents
  • Profile ohne jeglichen externen Content mit sehr hoher Anzahl generischer Eigenposts (Schreibautomatismus)
  • sehr schneller Anstieg der Sharings direkt nach dem Posting, insbesondere im Verhältnis zu den Fans
  • Like-Verhalten des Nutzers zeigt folgende Struktur: Je Account werden drei bis fünf aufeinander folgende Posts geliket/retweetet, danach gibt es keine weitere Interaktion mit dem Account
  • starke Sprünge in den Likes der letzten 20 Beiträge
  • teilende und likende Nutzer sind aus einem Land, das mit dem Thema wenig zu tun hat (insbesondere bei politischen Posts)
  • generische Sprache bei eigenen Posts
  • wiederkehrende Textbausteine bei Posts und Kommentaren (Spinning-Syntax)
  • Einbrüche der Followerzahlen durch Löschen von Fake-Accounts durch die Betreiber der sozialen Netzwerke
  • Twitter/Instagram: reichweitenstarke Hashtags in Posts, die nichts mit dem Thema zu tun haben (Stadtnamen, Trendthemen, Verweise auf Tools wie like4like, follow4follow oder tagsforlike)
  • Twitter/Instagram: Verwendung von 30 oder mehr Hashtags je Beitrag
  • Facebook: viele Follower, aber wenig Interaktion auf dem Account
  • Facebook: sehr schnelle Abfolge von Postings zu komplett unterschiedlichen Themen

Im Monitoring machen sich Fake-Fans durch plötzliche Einbrüche bei der Fanzahl bemerkbar. (Screenshot: Pontipix)

Eine überprüfbare, klare Einschätzung eines Nutzers in sozialen Netzwerken bedarf jedoch einer Detailanalyse. Über die API eines Netzwerkes können auch die Grunddaten der Accounts (Name, ID, Deeplink, Postingzahl, Likes etc.) ausgelesen werden. Bei Twitter erfährt man darüber zusätzlich, welche Software für das Posting verwendet wurde. So hinterlassen Postingdienste (zum Beispiel von Deliverit oder ifttt.com) Spuren, die Hinweise auf Automatisierungsmechanismen geben.

Da die Nutzung der APIs etwas aufwendiger ist und den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, haben wir euch beispielhaft für Instagram ein kleines How-To zusammengestellt. Mit Hilfe dieser Anleitung könnt ihr in Zukunft selbstständig Posts und Accounts auf deren Echtheit überprüfen.

Denn am Ende muss jeder selbst entscheiden, wem und was er in den sozialen Netzwerken sein Vertrauen schenkt.

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Dein t3n-Team

Ein Kommentar
arnego2

Klasse Artikel, hoffentlich lesen ihn auch viele und lernen dadurch sich nicht so einfach über den Tisch ziehen zu lassen (sich beeindrucken lassen). Darin liegt der Kernpunkt, der User ist im allgemeinen nicht sehr aufgeklärt.

Ein Vortrag in den Schulen, schickt den Artikel an die Lehrer, die dann auch den Eltern etwas erzählen können. Aufklärung tut not.

Antworten

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