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Analyse

Softbank: In diese Startups investiert der Vision Fund 100 Millionen und mehr

Softbank-Chef Masayoshi Son investiert in diesem Jahr voraussichtlich in 80 bis 100 neue Unternehmen. (Bild: Alessandro Di Ciommo/NurPhoto)

Der Vision Fund von Softbank ist der größte weltweite Technologiefonds. Und er hat in den letzten Monaten in diverse Unternehmen investiert, die alle ein gemeinsames Merkmal aufweisen.

Softbank-Chef Masayoshi Son ist keiner, der permanent im Rampenlicht steht. Interviews mit dem japanischen Firmenchef finden eher selten statt und auch auf der eigenen Hausmesse überlässt er die Bühne meistens anderen. Dabei ist der Vision Fund von Softbank der größte weltweite Technologiefonds – und lag schon in vielen Fällen richtig. Weniger als 100 Millionen US-Dollar bekommt ohnehin keines der Unternehmen, mit denen sich Softbank beschäftigt und die man für investitionswürdig empfindet. Insgesamt umfasst der sagenumwobene Vision Fund rund 100 Milliarden Dollar, wobei man rund 36 Milliarden Dollar alleine im vergangenen Jahr investiert haben soll. 80 bis 100 Investments plant der Fonds im aktuellen Jahr.

Jetzt hat Softbank in acht Unternehmen investiert, die alle eines gemeinsam haben: Sie befassen sich mit künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning. Son hat erklärt, dass er in der Vernetzung des Internet of Things (IoT), in der Mensch-Maschine-Kommunikation und in künstlicher Intelligenz die Zukunft sehe. Er gehe davon aus, so äußerte es gegenüber dem Handelsblatt, dass KI die Industrie der gesamten Welt verändern und auf eine neue Stufe heben werde. „Maschinen werden intelligenter als Menschen sein“, urteilt Masayoshi Son und sieht das als eine unvermeidliche, aber keineswegs erschreckende Entwicklung: „Die Informationsrevolution wird Menschen glücklicher machen.“ Mit diesen Worten hat er die skizzierte Entwicklung in seiner Schlussansprache der Softbank-Hausmesse bewertet. Auf den Weg dahin sollen die Unternehmen, in die der Vision Fund investiert, helfen und etwas Gutes beitragen.

In diese KI-Startups investiert Softbank aktuell

Zu General Motors gehört das Startup GM Cruise, eine Sparte für Roboterfahrzeuge. Nachdem Softbank ein Investment von 2,2 Milliarden Dollar angekündigt hatte, schoss der GM-Aktienkurs in die Höhe. Ob das gerechtfertigt ist, wird sich zeigen müssen. Mit Hilfe von autonomen Fahrzeugen will General Motors auch in Märkten, die das Unternehmen in der Vergangenheit nicht mehr erfolgreich beackern konnte, Geschäfte machen.

Ebenfalls mit Fahrdiensten – menschlichen wie automatisierten – hat ein weiteres Investment zu tun, das Softbank bereits vor längerer Zeit bekannt gegeben hat. Didi Chuxing ist ein chinesischer Fahrdienst, in den Softbank ebenso investiert hat wie in Uber oder Grab. Zehn Milliarden Fahrten pro Jahr hat die Didi-App bereits möglich gemacht, das Fünffache peilt das Unternehmen in Zukunft an, wobei künstliche Intelligenz vor allem bei der Vorhersage der Nachfrage unterstützen soll. Man könne mit 85-prozentiger Sicherheit die Zahl an benötigten Fahren in einer bestimmten Gegend voraussagen. Ob das auch zu Großveranstaltungen und besonderen Anlässen funktioniert, ist unklar. Immerhin will Softbank zusammen mit dem Unternehmen einen Testbetrieb in Osaka starten.

Auch Eric Xing entwickelt mit Petuum eine Plattform, mit der KI-Anwendungen deutlich einfacher werden sollen. Denn ein Grund, warum sich viele Firmen mit künstlicher Intelligenz nach wie vor schwer tun, ist die Komplexität, die dahinter steht. Ziel sei es, künstliche Intelligenz mit Hilfe vorgefertigter Module einfacher zu gestalten. 108 Millionen Dollar hat Softbank hier investiert,

Fintech und Medizin-Startup automatisieren Entscheidungen

Im Bereich der Fintech-Anwendungen, rund um Banken, Versicherungen und Payment-Dienstleister kommen KI-Anwendungen bereits seit längerer Zeit zum Einsatz. Hier ist das Ziel, anhand lernender Algorithmen die Zukunft vorauszusagen, also zu berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass beispielsweise eine Versicherung einen Schaden regulieren muss. Zhong An ist ein chinesischer Onlinerversicherer, der das Onboarding und die Kundenkommunikation im Assekuranzwesen optimieren will. Fünf Milliarden Versicherungspolicen hat das Startup 2017 mit 2.500 Mitarbeitern realisiert – eine Zahl, die nur mit Hilfe von Skalierung, Chatbots und KI-Routinen möglich wurde. Neben Softbank haben auch die chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba und Tencent hier investiert.

Aus unserer Sicht eher gruselig wirkt dagegen ein anderes Unternehmen, in das Softbank ebenfalls in China investiert hat: Das chinesische Startup Ping an good Doctor soll den Arztbesuch in China ersetzen – dort, wo aufgrund fehlender Arztpraxen Patienten offenbar auch mit kleineren Beschwerden ins Krankenhaus gehen. Das Unternehmen beschäftigt tausend medizinische Fachkräfte, die mit Hilfe von Telediagnose und künstlicher Intelligenz im Hintergrund innerhalb kürzester Zeit diagnostizieren sollen, was dem Patienten fehlt. 500 Patienten am Tag will man so durchschleusen. Die Mediziner sollen im Nachgang bewertet werden – ob die Patientenzufriedenheit in diesem Fall ein aussagekräftiges Messinstrument ist, bleibt zu hinterfragen.

Mapbox schließlich ist ein Startup, das in weniger entwickelten Gebieten Karten in Echtzeit erstellen will. Gerade in der Entwicklungshilfe fehlt eine Anwendung , die mit Google Maps in den Industrieländern zu vergleichen wäre. Mit Hilfe von Machine Learning sollen die gesammelten Daten, die Nutzer quasi „im Vorbeigehen“ erhoben haben, zusammengeführt werden.

KI-Anwendungen werden viele Branchen verändern

So unterschiedlich die Anwendungen sind, so deutlich machen sie jedoch eines: Künstliche Intelligenz ist vielfältig und umfasst auch Geschäftsfelder, die man in der Vergangenheit als nicht lukrativ abgelehnt hätte. Ob alle Anwendungen zur Killerapplikation taugen, spielt dabei in erster Linie keine Rolle. Im Zweifelsfall kann ein Algorithmus auch als Mashup oder Idee in eine neue Anwendung Einzug halten. Doch die Investitionen von Softbank – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zeigen auch: Nicht jedes Unternehmen ist ein Uber oder Slack und nicht jedes davon wird es in fünf Jahren noch geben. Den Chancen, die Softbank hier zweifelsohne hat, stehen ebenso hohe Risiken entgegen.

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