Fundstück

Solarbetrieben: Bei schlechtem Wetter ist diese Website offline

Dithering verringert die Bildgrößen im Low-Tech Magazine. (Foto: Low-Tech Magazine)

Das Low-Tech Magazine ist ein solarbetriebenes Onlinemagazin. Scheint für längere Zeit nicht die Sonne, dann ist die ganze Website offline. Wir erklären, was die Macher damit bezwecken.

Seit 2007 betreibt der gebürtige Holländer Kris de Decker mit dem Low-Tech Magazine eine Onlinepublikation, die sich kritisch mit dem technologischen Fortschritt und ihren Folgen auf die Umwelt und die Gesellschaft beschäftigt. Gemeinsam mit dem Künstler Roel Roscam Abbing und der Designern Marie Otsuka hat de Decker sein Onlinmagazin jetzt radikal überarbeitet. Das Redesign beschränkt sich aber nicht nur auf das Aussehen des Magazins, sondern auch auf die Art wie es betrieben wird. Das Low-Tech Magazine läuft jetzt auf einem eigenen Server – der wiederum hängt an einem Akku, der ausschließlich von Solarzellen auf de Deckers Balkon in Barcelona gespeist wird.

Ist es in Barcelona längere Zeit bewölkt, dann geht auch der solarbetriebene Server vom Netz. De Decker schätzt, dass die Website etwa 35 Tage im Jahr nicht erreichbar sein wird. Damit Leserinnen und Leser wissen, wie es gerade mit der Energieversorgung aussieht, wird die aktuelle Akkuladung als visuelles Element über die Website gelegt. „Es ist wichtig, alle Teile zu verstehen, die zu einer Website gehören“, erklärt Otsuka die zugrunde liegende Idee gegenüber Fast Company. Daher ist die Energieversorgung der Website hier auch Teil des Designs. Gleichzeitig haben die Beteiligten aber auch eine ganze Reihe anderer Dinge getan, um den Energieverbrauch der Website so gering wie möglich zu halten.

Low-Tech Magazine: Der Akkustand des Servers ist integraler Bestandteil des Seitendesigns. (Screenshot: solar.lowtechmagazine.com/t3n)

Low-Tech Magazine: Der Akkustand des Servers ist integraler Bestandteil des Seitendesigns. (Screenshot: solar.lowtechmagazine.com/t3n)

So spart die solarbetriebene Website Energie

In den letzten acht Jahren stieg die durchschnittliche Größe einer Webseite von 0,45 Megabyte auf 1,7 Megabyte. Um diesem Trend entgegenzutreten, haben die Macher der solarbetriebenen Version des Low-Tech Magazines eine Reihe von Änderungen vorgenommen, um die Dateigrößen und den Aufwand für den Server so gering wie möglich zu halten. Aus Stromspargründen verzichtet das Low-Tech Magazine auf ein datenbankgestütztes CMS und setzt stattdessen auf den statischen Seitengenerator Pelican. Außerdem wird die Farbtiefe bei allen Bildern radikal verringert. Das verschafft ihnen einen interessanten Retro-Touch. Selbst auf Font-Vorgaben im Quelltext verzichtet die Websites. Ihr bekommt die Texte demnach immer in der Standard-schriftart eures jeweiligen Browsers angezeigt.

Letztlich ist die solarbetriebene Website des Low-Tech Magazines ein interessanter Weg, um auf den enormen Energieverbrauch des Internets aufmerksam zu machen. Einer Studie zufolge könnten ab 2025 20 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs auf die Internetinfrastruktur entfallen. Gleichzeitig wollen de Decker und seine Mitstreiter auch unsere „Always-online“-Mentalität in Frage stellen. Denn müssen wir wirklich selbst simple Arbeiten wie das Verfassen von Texten über das Internet erledigen – oder wäre es nicht schon aus Umweltgründen sinnvoller, auch mal ab und an ohne Internet auszukommen? Ganz ohne dauerhafte Netzverbindung geht es aber auch beim Low-Tech Magazine nicht: Bis auf weiteres ist auch die alte, nicht solarbetriebene Variante der Website noch verfügbar.

Ebenfalls interessant: Dieses Online-Magazin könnt ihr nur lesen, wenn ihr den Internetzugang deaktiviert.

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