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Solarisbank: Europäische Großbanken stecken 56 Millionen Euro in Berliner Fintech

Das Solaris-Managing-Board und CTO Peter Großkopf. (Foto: Max Threlfall)

Die Solarisbank erhält ein Mega-Funding über 56 Millionen Euro von Europäischen Großbanken. Das gleicht einem Paukenschlag und ist ein Signal für die gesamte Fintech-Branche.

Paukenschlag in der deutschen Fintech-Branche: Die erst 2016 gegründete Berliner Solarisbank wird nach exklusiven Informationen des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“. heute eine Funding-Runde über 56,6 Millionen Euro bekanntgeben – die hinter Kreditech bislang höchste Finanzierung für ein hiesiges Fintech überhaupt. Zu den Investoren gehören die spanische BBVA und die niederländische ABN Amro, was ein Novum darstellt. Denn bislang hat noch keine führende europäische Bank in großem Stil in ein deutsches Finanz-Startup investiert. Daneben gibt es mit dem Kreditkartenkonzern Visa und dem Venture-Capital-Fonds Lakestar zwei weitere prominente neue Aktionäre. „Wir haben genau die Investoren gefunden, die wir uns gewünscht haben“, sagte Solarisbank-Aufsichtsratschef Gerrit Seidel im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“.

Solarisbank erhält Mega-Funding

Die Finanzierungsrunde ist nicht nur für die Solarisbank, sondern für die gesamte Fintech-Branche hierzulande ein Signal. Denn: Zuletzt hatte es immer wieder Zweifel gegeben, ob Mega-Fundings in Höhe von 50 Millionen Euro und mehr für junge deutsche Finanz-Startups überhaupt realistisch sind. Das Beispiel Solaris zeigt nun jedoch, dass global tätige Investoren prinzipiell bereit sind, auch in hiesige Fintechs hohe Summen zu pumpen. Allerdings geht damit offenbar eine gewisse Erwartungshaltung einher, sprich: Das Geschäftsmodell sollte einigermaßen singulär und nicht nur auf den deutschen Markt beschränkt sein. Entsprechend kündigte Solarisbank-Chef Roland Folz gegenüber „Finanz-Szene.de“ an: „Mit den neuen Mitteln wollen wir neben der weiteren Produktentwicklung auch unsere Internationalisierung vor allem in weitere europäische Märkte vorantreiben.“

„Mit den neuen Mitteln wollen wir neben der weiteren Produktentwicklung und Internationalisierung vorantreiben.“

Die Solarisbank war im Frühjahr 2016 an den Start gegangen. Als eines der ersten deutschen Fintechs sicherte sie sich damals eine Bank-Lizenz bei der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) – und baut seitdem um diese Lizenz herum ihr Geschäftsmodell auf. Das sieht in der Praxis etwa so aus, dass vermeintliche Startup-Banken wie Hufsy, Penta und Kontist ihren Kunden zwar Bankdienstleistungen wie Konto oder Kreditkarte anbieten, die Transaktionen aber in Wirklichkeit über die technische Plattform von Solaris abgewickelt werden.

Ein anderes Beispiel: Das Gebrauchtwagen-Portal Autoscout24 bietet seinen Nutzern inzwischen eine eigene Kreditfinanzierung an. Auch dahinter steht, wenn man genau hinguckt, die Solarisbank – übrigens nicht nur als technischer Dienstleister, sondern auch als die Bank, die den Kredit auf die eigene Bilanz nimmt. Auch das Vergleichsportal Smava und die Direktbank MoneyYou (die zur ABN Amro gehört) bieten seit Kurzem unter eigener Marke einen sogenannten Sofortkredit an, der eigentlich von der Solarisbank kommt.

Solarisbank bleibt unabhängig

Hervorgegangen ist das Vorzeige-Fintech ursprünglich aus dem Berliner Company Builder Finleap. Der dürfte auch nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit rund 30 Prozent immer noch der größte Aktionär sein. Dahinter kommt jetzt BBVA, wobei der Anteil der Spanier so hoch sein soll, dass es ein Inhaberkontrollverfahren durch die Bafin geben wird. Alle anderen Aktionäre halten Anteile im einstelligen Prozentbereich. Von den Altaktionären beteiligten sich der japanische Fintech-Investor SBI Group und die Bertelsmann-Tochter Arvato. Darüber hinaus bleibt auch der kleine, aber feine Münchner VC-Investor Yabeo (dem unter anderem Solaris-Aufsichtsratschef Seidel angehört) an Bord. Die Hypo-Vereinsbank hingegen hat ihre Anteile – mit ordentlichem Gewinn – an BBVA verkauft.

„Uns war wichtig, dass an der Unabhängigkeit der Solarisbank-Plattform trotz des Einstiegs großer strategischer Investoren auch weiterhin keinerlei Zweifel bestehen. Durch das breit gefächerte Aktionariat ist dieser Punkt in jedem Fall gewährleistet“, sagte Gerrit Seidel. Zur Bewertung wollten sich weder er noch Folz äußern. Nach Angaben aus Finanzkreisen dürfte sie bei grob geschätzt rund 175 Millionen Euro liegen (wobei die Post-Money-Bewertung nochmal rund 50 Millionen Euro höher sein dürfte).

Was auffällt: Durch den Ausstieg der HVB ist nun keine deutsche Bank mehr bei der Solarisbank an Bord, wohl aber zwei ausländische Institute. Als Grundsatzentscheidung will Folz das nicht verstanden wissen, er sagt allerdings: „Wir sind bei der Suche nach den geeigneten Investoren gezielt auf jene europäischen Banken zugegangen, die unserer Meinung nach technologisch am progressivsten sind.“ Auf die BBVA trifft das ohne Zweifel zu. Die Spanier schwenkten deutlich früher als hiesige Banken auf Fintech-Kurs, übernahmen zum Beispiel 2014 die amerikanische Startup-Bank Simple und 2016 das finnische Fintech Holvi. Erst gestern verlautete zudem, dass die Spanier die neue Mega-Finanzierungsrunde bei der britischen Challenger-Bank Atom anführen. Laut einer kürzlich erschienenen Oliver-Wyman-Studie ist BBVA in puncto Digitalisierung sogar die am weitesten fortgeschrittene Bank in Europa. Ganz so ausdefiniert ist das Fintech-Profil der ABN Amro zwar nicht, allerdings wird auch sie tendenziell zu den digitalen Vorreitern gezählt.

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