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Solo-Selbstständige oft unter Mindestlohn-Niveau

Solo-Selbstständige: Große Unterschiede bei den Einkünften. (Foto: Shutterstock/ESB Professional)

Viele Solo-Selbstständige in Deutschland verdienen laut einer ZEW-Studie weniger als den aktuellen Mindestlohn. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie in prekären Verhältnissen leben.

Mehr als zwei Millionen Solo-Selbstständige, also jene ohne Angestellte, gibt es in Deutschland. Die Gruppe der Solo-Selbstständigen ist aber keineswegs homogen, sondern vielmehr stark gespalten. Auf der einen Seite gibt es eine große Anzahl von Gutverdienern. Andere verdienen so wenig, dass es sich für sie nicht einmal lohnt, in die Rentenversicherung einzuzahlen, wie die Welt am Sonntag berichtet.

Selbstständige verdienen oft weniger als den Mindestlohn

Eine im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums erstellte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) belegt die Unterschiede. Demnach verdienen mehr als 30 Prozent der Soloselbstständige weniger als den aktuellen Mindestlohn, der für Angestellte gilt. Dabei handele es sich oft um Personen, die scheinselbstständig sind, heißt es in der Zeitung, der die bisher unveröffentlichte Studie vorliegt.

Allerdings weisen die ZEW-Forscher darauf hin, dass dieses Drittel der Solo-Selbstständigen trotz der geringen Einnahmen nicht unbedingt in prekären Verhältnissen leben muss. Oft würden die Einkünfte durch jene von Partnern im Haushalt ergänzt. In Summe würden Haushalte, in denen Solo-Selbstständige mit geringem Einkommen lebten, mehr verdienen als abhängig Beschäftigte der gleichen Einkommensklasse.

Scheinbar handelt es sich bei den Geringverdienern unter den Solo-Selbstständigen oft um Tätigkeiten im Nebenerwerb oder einen Teilzeitjob, während der Partner Vollzeit arbeite. Dennoch sehen die Forscher Handlungsbedarf für die Politik. Dabei geht es um den Ruhestand. Hier benötigen nämlich deutlich mehr zuvor Selbstständige staatliche Hilfe (Grundsicherung). Derzeit wird etwa diskutiert, die Gefahr von Altersarmut zu verringern, indem Selbstständige in die Rentenversicherung einbezogen werden, heißt es in der Welt.

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3 Kommentare
Gunter Haake
Gunter Haake

„Tatsächlich ist bei einer Scheidungsrate von knapp 40 Prozent fraglich, ob die Partner-Einkommen bei der Frage der individuellen Altersvorsorge von Solo-Selbstständigen (um die es dem Auftraggeber BMAS zurzeit ja letztlich geht) ein taugliches Argument darstellen.“ – Quelle: https://selbststaendigen.info/2019/01/21/oekonomische-spaltung-bei-solo-selbststaendigen/

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Demnach verdienen mehr als 30 Prozent der Soloselbstständige weniger als den aktuellen Mindestlohn, der für Angestellte gilt.“

Was für ein asoziales Verhalten sich durch den Partner subventionieren zu lassen und Menschen die auf anständigen Lohn angewiesen sind, den Arbeitsplatz zu stehlen und den anderen den Lohn zu drücken.

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K.I.
K.I.

K.I.
Ich gehöre zu den Solo – Selbstständigen die noch nicht einmal den Mindestlohn verdienen! Nicht weil ich es so will, sondern weil die Tätigkeit als Tagesmutter keine andere Möglichkeit vorsieht! Wir sind „selbstständig“ unterstehen aber dem Jugendamt und werden auch vom Jugendamt bezahlt! Die Vergütung liegt bei 5,20€/Stunde und Kind! Hört sich im ersten Augenblick vielleicht viel an, aber nach den Abzügen liegt der Verdienst bei ca 2,87€/Stunde und Kind! Uns ist es gesetzlich verboten den Stundenlohn, durch die Eltern, auf den Mindestlohn aufzustocken! Ebenfalls ist es uns untersagt zusätzliche Gelder wie zum Beispiel Essensgeld zu nehmen!
Was auch ausschlaggebend für die Höhe des Verdienstes ist, ist die Anzahl der zu betreuenden Kinder und deren bewilligte Betreuungszeit!
5 Kinder dürfen gleichzeitig und maximal bis zu 8 Kinder dürfen betreut werden! Es gibt Kinder mit weniger Betreuungsstunden, da ist der Verdienst dann nicht so hoch, bei mehr Stunden gibt es einen höheren Verdienst! Man weiß aber nie genau wie viel man im nächsten Jahr verdient!
Im Aufgabenbereich sind wir einer Kita gleichgestellt!
Wenn man mit diesem Verdienst als Alleinstehende seinen Lebensunterhalt bestreitet sieht es manchmal sehr schwierig aus, zumal wir beim Finanzamt, der Krankenkasse und der Rentenversicherung wie „normale“ Selbstständige geführt werden und auch so die Beiträge bezahlen!
Es ist unmöglich von diesem Verdienst Rücklagen zu bilden! Geschweige denn privat für die Rente vorzusorgen!
Das Jugendamt erstattet zwar die Hälfte der Beiträge, aber es ist trotzdem nicht ganz billig!
Ich bin der Meinung man sollte sich über die Gruppierungen von Selbstständigen informieren, denn wie gesagt bei unserer Tätigkeit gibt es keine andere Möglichkeit!
Mir wäre es auch lieber, wenn diese Tätigkeit eine Festanstellung wäre!

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