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Startups

Mit Bits gegen Stress – SOMA Analytics bietet App-Frühwarnsystem für Firmen [CeBIT 2014]

Das Startup SOMA Analytics. (Foto: SOMA Analytics)

Stress ist der Produktivitätskiller Nummer eins, das bekommen vor allem Unternehmen schmerzhaft zu spüren. Das deutsche Startup SOMA Analytics hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht und bietet Personalern ein App-basiertes Frühwarnsystem mit Gamification-Ansatz.

SOMA Analytics: Smartphone-App gegen Stress und Depressionen

Stress, Burnout und Depressionen sind längst keine Randerscheinung mehr, die Zahl der psychisch bedingten Krankheitsfälle steigt seit Jahren – vor allem am Arbeitsplatz macht sich das bemerkbar. Hier hat sich der Anteil der Fehltage, die durch psychische Erkrankungen verursacht wurden, in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Das belegt eine Studie der BundesPsychotherapeutenkammer zur Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit (PDF). Fehlten Mitarbeiter deswegen im Jahr 2002 noch rund 7,5 Tage pro Jahr, sind es inzwischen fast 14 pro Jahr. Für die Unternehmen ist das ein kostspieliges Problem, das es in Zukunft noch intensiver zu lösen gilt als bisher.

SOMA Analytics: Die App misst das Stresslevel von Mitarbeitern und soll Firmen zu mehr Produktivität und weniger Kosten verhelfen. (Screenshot: SOMA Analytics)
SOMA Analytics: Die App misst das Stresslevel von Mitarbeitern und soll Firmen zu mehr Produktivität und weniger Kosten verhelfen. (Screenshot: SOMA Analytics)

Ein vielversprechender Ansatz könnte von SOMA Analytics kommen, das ist ein junges Startup aus Deutschland. SOMA Analytics hat eine Smartphone-App entwickelt, die das Stresslevel von Nutzern misst und auswertet. Die Besonderheit: Ein Sensor in Form eines Hardware-Gadgets braucht es dafür nicht. Stattdessen nutzt SOMA Analytics die Sensoren, die schon im Smartphone verbaut sind und macht das Gerät somit selbst zum Messinstrument. So werden über das Mikrofon zum Beispiel die Emotionen in der Stimme während eines Telefongesprächs gemessen, ein Bewegungssensor analysiert außerdem den Schlafrhythmus. Zudem wird auch das Tipp-Verhalten – etwa beim Versenden einer SMS – durch SOMA Analytics erfasst.

Diese Daten werden dann mithilfe eines Algorithmus ausgewertet und in Tipps für eine bessere Stressprävention umgemünzt. Der Nutzer kann hier wie im Trendsegment Quantified Self üblich verschiedene Erfolge erringen. Beim zugrundeliegenden Algorithmus zur Berechnung der Stresswerte verlässt sich SOMA Analytics auf Daten aus der Wissenschaft, die das Startup zum Beispiel von Forschungseinrichtungen, Universität und Psychologen erhält. Wie valide all diese Daten letztlich sind, bleibt abzuwarten. Im Unterschied zu Herzfrequenz- oder Pulsmessern ist nämlich fraglich, inwieweit man mit Bewegungsmessungen etwa Aussagen über die Schlafqualität treffen kann.

„Wir sind kein Hire- and Fire-Werkzeug für Personaler“

„Die Daten laufen sicher und anonym über unsere Server“

Adressiert die Smartphone-App von SOMA Analytics in erster Linie den Endnutzer, sollen nach dem Willen des Startups vor allem Unternehmen in den Genuss der Daten des Startups kommen: „Stress im Alltag macht sich zwangsläufig immer auch im eigenen Berufsumfeld bemerkbar“, sagt Peter Schneider von SOMA Analytics gegenüber t3n auf der CeBIT in Hannover. Dadurch gehen Unternehmen nicht nur viel Produktivität, sondern auch viel Geld verloren. So sollen zum Beispiel Personalchefs die Technologie des Startups nutzen, um datengestützte Entscheidungen in Echtzeit für ihre Mitarbeiter treffen zu können. Etwa um ein hohes Stresspotential in einer Abteilung frühzeitig zu erkennen, Maßnahmen zur Prävention einzuleiten und durch krankheits- und motivationsbedingte Fehlzeiten verursachte Kosten besser kontrollieren und steuern zu können.

Dass Unternehmen die Daten auch dafür einsetzen könnten, stressanfällige Mitarbeiter gezielt zu identifizieren und mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen zu konfrontieren, glaubt Schneider nicht: „Wir sind kein Hire- and Fire-Werkzeug für Personalchefs“, sagt der 28-jährige und weist darauf hin, die Daten würden vollständig anonym und geschützt über die SOMA-Server an die Web-Schnittstelle des Unternehmens übertragen.

SOMA Analytics: Vom Münchner Hörsaal ins Londoner Startup-Biotop

Das Startup-Team von SOMA Analytics um die vier Gründer Christopher Lorenz, Johann Huber, Peter Schneider und Fabian Alt (nicht im Bild) (Foto: SOMA Analytics)
Das Startup-Team von SOMA Analytics um die vier Gründer Christopher Lorenz, Johann Huber, Peter Schneider und Fabian Alt (nicht im Bild) (Foto: SOMA Analytics)

Entstanden ist die App-Idee aus einer persönlichen Erfahrung heraus: Weil ein Freund des vierköpfigen Gründerteams an Depressionen erkrankte, suchten die Münchner nach einer Lösung, die Menschen künftig frühzeitig für den Umgang mit der Krankheit sensibilisiert und erste Hilfe leistet. „Natürlich konnten wir keinen Arzt ersetzen, aber wir wollten zumindest präventiv etwas dagegen tun“, so Schneider. Zusammen mit seinen drei Kommilitonen Johann Huber, Christopher Lorenz und Fabian Alt entwickelte Schneider daraufhin noch an der Münchner Universität einen ersten Prototypen.

Der gefiel dem US-amerikanischen Startup-Inkubator Healthbox so gut, dass die vier Münchner als einziges deutsches von insgesamt sieben Jungunternehmen mit in das neue Büro im Londoner Stadtteil Westminster ziehen durften, das Epizentrum des Londoner Startup-Biotops. Nach einem ersten Pilot-Projekt mit einem irischen Softwareunternehmen testet aktuell ein britischer Großkonzern die Dienste von SOMA Analytics. Im Sommer dann soll die App offen für alle Endnutzer (und Mitarbeiter) bereitstehen.

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