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Kommentar

Sparkasse plant eigenes Mobile Payment: Kooperation mit Google keine Option

Die Sparkasse plant eine Insellösung beim mobilen Bezahlen. (Bild: Redpixel.pl / Shutterstock)

Bei Mobile Payment gibt es eine Vielzahl an Lösungen – und wenig Standardisierung. Jetzt will auch noch die Sparkasse eine Insellösung vorstellen. Mit Google zu kooperieren sei hingegen keine Option.

Alle reden über Google Pay, das am Dienstag in Deutschland gestartet ist. Die Banken und Kooperationspartner, die dabei sind, jubeln und sind begeistert. Jene, die möglicherweise irgendwann Kooperationspartner werden können, halten sich bedeckt. Und ein paar, denen Google Pay nicht in die eigene Strategie passt, erklären, dass das für sie ja gar nicht in Frage kommt, mit der Datenkrake aus Übersee zusammen zu arbeiten. Da ist (neben der Fidor Bank, die das eigene System Fidor Pay pushen will) vor allem die Sparkassengruppe. Die arbeitet nämlich an einem eigenen Bezahlsystem auf kontaktloser Basis und twittert selbstbewusst, „eine Kooperation mit Google ist in Deutschland keine Option“. Das sparkassen-eigene System soll dann auch in der Lage sein, mit einer hinterlegten Sparkassen- oder Girocard und eben nicht nur mit einer Visa- oder Mastercard auszukommen.

Bald kommt was Eigenes: Payment-Lösung der Sparkasse

Wie ein Sparkassensprecher gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung mitteilt, soll die Lösung bereits Anfang August an den Start gehen. In ihrer Funktionsweise soll sich die Sparkassen-Pay-App wohl gar nicht so sehr von Google und Apple Pay unterscheiden. Smartphone, kontaktlos, NFC-basiert, hinterlegte Bank- oder Kreditkarte… alles nichts Neues. Einzig die Akzeptanz der Girocard (ehemals EC-Karte) könnte ein USP sein, den Google eben nicht bietet.

Im Prinzip sagt man, dass Konkurrenz das Geschäft belebt – doch gerade beim Etablieren von Standards ist das nicht immer richtig. Da ist der Kunde eher verwirrt, wartet ab und tut am liebsten gar nichts, wenn es zu kompliziert erscheint. Bislang fristen mobile Bezahlverfahren auch deswegen ein Nischendasein in Deutschland – in einem Land, wo nur Bares Wahres ist und allenfalls noch die Girocard in Frage kommt, weil die fast jeder kennt und nutzt. Dabei ist gerade bei kleineren Beträgen das Bezahlen per NFC-Chip eine gute Option und die Verbreitung der hierfür benötigten Hardware nimmt kontinuierlich zu. Und sowohl Google Pay als auch Apple Pay, wenn es denn in Deutschland endlich mal kommt, sind insbesondere beim Bezahlen von Kleinbeträgen unter 25 Euro unschlagbar in ihrer Einfachheit.

Sparkassen-Finanzgruppe: Größe ist relativ

Es ist durchaus lobenswert, dass die Sparkasse, die in Deutschland ein komfortables Standing hat, sich für groß genug hält, um ein eigenes System in den Markt zu drücken, aber hilfreich in der Sache ist das dennoch nicht, weil sie im Hinblick auf Standards weder für Europa noch für den tonangebenden US-Markt eine Rolle spielen wird.  Und von Paydirekt, dem Paypal-Klon der deutschen Bankenwirtschaft, über Kwitt, den P2P-Geldtransfer der Sparkassen, bis hin zu aufladbaren Geldchips haben alle diese Alleingänge gezeigt, dass ein System eben nur dann von der breiten Bevölkerung angenommen wird, wenn es möglichst einfach ist und wenn ein bestimmtes (oder zwei ähnliche) Verfahren sich etabliert haben. Google und auch Apple sind zwei Namen, die einem hier naheliegenderweise in den Sinn kommen.

Man verstehe mich nicht falsch – auch die Sparkassengruppe kann Innovation, hat mit dem S-Hub ein Innovationslabor, das noch dazu gerade vergangene Woche im Capital-Ranking ziemlich gut wegkam. Doch die Sparkasse hat in der Vergangenheit auch oft genug an der Zielgruppe und am Bedarf vorbei entwickelt und programmiert. Ein eher trauriges Beispiel ist die Yomo-App, die gezielt junge Zielgruppen ansprechen soll, aber den Jugendlichen eher aus anderen Gruppen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Einige der Beteiligten versuchen in den letzten Monaten, sich heimlich, still und leise aus dem Projekt zurückzuziehen, und so wirklich gerne spricht niemand mehr über Yomo. Die Hamburger Sparkasse plane, so heißt es, jetzt ein eigenes Konto für die jungen Zielgruppen – das man ab Mitte 2019 anbieten wolle. Mehr ist dazu angesichts von N26, Revolut und Co. eigentlich nicht zu sagen.

Insellösungen bevormunden den Kunden

Das Beispiel zeigt, wie es den Sparkassen mit ihrem geplanten Payment-System ergehen kann – denn Kopieren alleine wird nicht reichen, um Kunden zu überzeugen. Das rote S in der App mag zwar einen gewissen Vertrauensvorsprung mit sich bringen – dass das reicht, darf man angesichts der zahlreichen Me-too-Systeme im Mobile Payment bezweifeln. Denn hinter einer solchen Insellösung steht technisch mehr als nur eine App. Sämtliche relevanten Kassensysteme und POS-Terminals müssen entsprechend eingerichtet werden, auch wenn im Prinzip vieles dank NFC-Konfiguration genormt ist.

Abgesehen davon wäre es, wenn die Sparkasse tatsächlich so überzeugt von ihrer Lösung ist, ein feiner Zug, den Kunden selbst darüber entscheiden zu lassen, ob er seine Sparkassenkreditkarte mit Google Pay, Apple Pay oder eben dem sparkassen-eigenen System verbinden will. So geht Kundenservice 2018 – ohne Bevormundung und Insellösung.

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Eine Reaktion
Marco Trotta

Die Sparkassen bieten doch bereits ein Bezahlsystem an mit Paydirect - und das ist keine Insellösung, weil das die deutschen Banken und Sparkassen gemeinsam machen. (Es geht lediglich bisher noch nicht zwischen Privatpersonen, sondern nur an Händler.) So wie die deutschen Buchhandlungen den E-Book-Reader Tolino gemeinsam anbieten, eine tolle Alternative zu Amazons Kindle.
Datenkraken aus Übersee sind alles andere als ein Grund zum Jubeln, es sei denn man hat nur Geld und Bequemlichkeit als Kriterien. Hier wird meines Erachtens eine nicht lebenswerte Welt geschaffen und sowieso gegen geltendes Recht verstoßen.
Der Kommentar geht vom mündigen Konsumenten aus, den es aber nur geben kann, wenn er aufgeklärt ist über die Vorgänge und Zusammenhänge und nicht von sehr viel Werbung und Gruppenzwang manipuliert wird, und er damit den Eindruck erhält, Google sei sowieso alternativlos.
Alternativlos ist immer schlecht, hat in einer Demokratie nichts zu suchen, gehört wenn überhaupt in staatliche Hände, nicht zu größenwahnsinnigen Nerds, die alle schon beim Studieren in einer Clique waren.
Google bevormundet die Menschen. Indem ihnen sehr viele System gehören, die ständig benutzt werden, miteinander verknüpft sind, gegenseitig aufeinander verweisen, vorinstalliert sind, mit der Marktdominanz und Geldmacht die Spielregeln bestimmen.

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