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Digitale Gesellschaft

Spritz: Mit dieser Technik kannst du doppelt so schnell lesen wie auf Papier

Ein neues Unternehmen aus den USA namens Spritz versucht uns das Lesen neu beizubringen. Mithilfe der neuen Technik soll jeder seine Lesegeschwindigkeit deutlich erhöhen können. Je nach Person soll es möglich sein, die Geschwindigkeit zu verdoppeln oder verdreifachen.

Es ist immer wieder erstaunlich, welche banalen Bereiche des Lebens die heutige Startup-Generation zu verändern versucht. Mit Spritz steht ein neues Startup aus Boston in den Startlöchern, das nicht weniger möchte, als die Art und Weise wie wir Texte lesen zu revolutionieren.

Spritz: Wörter werden nacheinander eingeblendet

Die Grundlage von Spritz ist eigentlich relativ simpel: Der größte Zeitfresser beim Lesen von Texten ist demnach die Bewegung der Augen von Wort zu Wort und von Zeile zu Zeile. Spritz zeigt deswegen die Wörter nacheinander an der selben Stelle an. Durch eine besondere, horizontale Positionierung der Worte muss der Leser nur auf die gleiche Stelle blicken und kann das Wort so schneller erfassen. Die Lesegeschwindigkeit lässt sich auf diese Weise ganz einfach erhöhen, indem die Geschwindigkeit erhöht wird, in welcher die Wörter im Lesefeld erscheinen.

Diese animierte Grafik demonstriert das grundlegende Prinzip von Spritz. (Quelle: learn2spritz.com)
Diese animierte Grafik demonstriert das grundlegende Prinzip von Spritz. (Quelle: learn2spritz.com)

Spritz soll die Lesegeschwindigkeit erhöhen

Auf seiner Seite bietet Spritz bisher lediglich einige Beispiele zum Üben an. Dabei lässt sich die Lesegeschwindigkeit auch zwischen 250 und 400 wpm (Wörter pro Minute) variieren. Ein herkömmlicher, schneller Leser schafft es auf Papier etwa auf 200 wpm. Angeblich sollen mit Spritz in besonderen Fällen auch Lese-Geschwindigkeiten über 1000 wpm möglich sein. Normale Nutzer sollen aber auch leicht in Regionen um 400 wpm vordringen können – immerhin deutlich schneller als auf Papier.

Nachteil: Überblick geht verloren

Das Verfahren bringt natürlich auch Nachteile mit. Der Leser hat keinen Überblick, und weiß nicht, wie weit er in einem Text bereits vorangeschritten ist. Außerdem ist es aufwendig spezifische Passagen oder einzelne Wörter zu wiederholen. Auch besonders lange, zusammengesetzte Wörter, wie sie im Deutschen sehr oft vorkommen, könnten Probleme bereiten, weil sie zu lang sind um sie innerhalb des jeweiligen Sekundenbruchteils lesen zu können.

Spritz lässt den Leser die Geschwindigkeit zwischen 250 und 400 Wörtern pro Minute festlegen. (Quelle: learn2spritz.com)
Spritz lässt den Leser die Geschwindigkeit zwischen 250 und 400 Wörtern pro Minute festlegen. (Quelle: learn2spritz.com)

Ideal für kleine Displays, zum Beispiel in Smart Watches

Viel Informationen bietet das Startup auf seiner Webseite nicht an. Auch die Social-Medie-Präsenzen der Firma sind bisher noch weitestgehend leer gefegt. Es kommt die Frage auf, wie ernst es der Firma mit ihrer Idee ist. Wie Spritz seine Technik in den Markt bringen möchte, ist bisher ebenfalls noch unklar – denkbar wären vor allem Software-Partnerschaften.

via www.cnet.de

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10 Reaktionen
Andreas

Speed reading ist an sich eine gute Sache! Ein Mensch liest im Durchschnitt ca. 210 Wörter in der Minute, während ein Profi-Speed-Reader 3800 Wörter pro Minute schafft und dann gibt es noch die Photo-Reader, die auf ca. 25.000 Wörter pro Minute kommen.
Beim Lesen eines Romans ist diese Technik gewiss nicht nützlich, beim Sichten der E-Mails nach dem Urlaub schon! Letzendl_ch müss_n w_r n_cht a__e B_chs_ab_n seh_n, um d_n Te_t zu ver_t_h_n ;)

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Simon Appelt

Also ich finde die Technik ansich ganz cool, verstehe nur nicht so ganz was so toll daran sein soll das man damit ein Startup gründen kann. Habe das ganze gerade mal in ca 30 min nachgebaut. Ist noch ein wenig unsauber aber sind höchstens kleine Verbesserungen zu machen, dann funktioniert es vermutlich genauso gut.
Wen es interessiert: https://mega.co.nz/#!KwwgjAab!BF9JIzJaAAvhU7RGhuSBld5acavXdLLLd-jiXB2UZls

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Gepard

Funktionieren nicht genau so die Lesegeschwindigkeits-Förderungs-Apps? ;-) Ich meine, das gab's sogar schon für den C64. Neu ist vielleicht die Ausrichtung an einem Buchstaben.

Speedreading ist allerdings ein alter Hut. Hat mir alles nie was gebracht, weil ich Sätze öfter mehrmals und dann sehr gründlich lesen muss und mir einzelne Details wichtig sind, auch bei Romanen. Andere überfliegen ja eher Texte. Ich mach das im Netz eher, um zu entscheiden, den Text nicht vielleicht ganz zu lesen.

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Alexandra Graßler

In der Tat ist es so, dass die Augenbewegungen momentan der hemmende Faktor in der Lesegeschwindigkeit sind. Die Geschwindigkeit kann sogar noch mehr erhöht werden, wie oben geschildert, wenn der Text in der Mitte erscheint und nicht die Augen bewegt werden müssen.

Wir können auch nur mit einem relativ kleinen Teil unseres Sehvermögenss (10 - 15 %) überhaupt lesen. Nur in diesem Fokusbereich auf den ich sehe, lese ich. Etwa 4 Zeichen links von uns und etwa 8 Zeichen rechts von uns können wir dabei noch wahrnehmen, alles andere verschwimmt und ist nicht lesbar.

Wer sich genauer dafür interessiert, sollte sich das Buch "lesen" anschauen. Hier werden alle gehirnphysiologischen Vorgängen zum jetzigen Stand der Forschung in Bezug auf Lesen erläutert. Sehr spannend http://www.amazon.de/Lesen-Erfindung-Menschheit-unseren-passiert/dp/344274394X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1392210036&sr=8-1&keywords=lesen

Im Prinzip wird die Zukunft des beschleunigten Lesens bei den elektronischen reader davon abhängen, inwieweit sie diese Technik umsetzen lernen.

Es bleibt also spannend.

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elementar nützlich

Mich stört das Design vieler Webseiten schon lange. Das Lesen dauert unnötig lange und ist unnötig umständlich. Reader-Mode für Safari ist vielleicht nett, aber den benutze ich nicht.
Ich hätte schon lange gerne Scripte/Proxy-Regeln/Greasemonkey-Skripte für Firefox oder andere Browser. Oder um am Ipad den Text auf 2 Spalten zu verteilen. Sowas gibts leider alles nicht, obwohl man es mit CSS wohl hinbekommen würde.
Ineffizienzen kümmern leider zu wenige.
Da gabs doch noch ein Startup welches wohl Worte in unterschiedlichen Farben anzeigte damit man schneller lesen konnte. So uninteressant ist das Thema nicht und bei Smartwatches vielleicht sogar elementar nützlich.

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ben_

Ah! Da ist endlich ja Spritz! Ich hatte das Gerücht darum schon vor einer Weile gehört, man konnte aber nicht viel dazu finden. Wenn das gut funktioniert, dann könnte das wirklich ein Gamechanger werden, weil dann viel, viel kleinere Displays funktional werden.

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Kevin

Cool!

Ich bin eh ein "Schnell-Leser", aber an die Technik, hatte ich noch nicht gedacht. Danke für die News! :)

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kahner

Klasse!
Wie so vieles... wenn man es erstmal drüber nachgedacht hat, dann fragt man sich, warum nicht schon früher.

Den Vorwurf der mangelnden Übersicht kann ich zwar nachvollziehen, denn keine Technik ist für jede Anwendung gut.

Bei Mails und vergleichbaren Kommunikationsarten gut! Ich bin ja kein GoogleGlas-Fan aber auch hier sehr gut. Als komplexere Texteinblendung im Headup-Display eines Autos ausgezeichnet!
Man will sich bei wichtigen Infos ja nicht erst in einer *lichten Bleiwüste* orientieren wollen.

Und solange es Dienste wie Twitter gibt, kann ich jetzt bei Spritz nicht gerade den Untergang des literarisch kulturellen Abendlandes sehen. Texte (auch Sach-) mit Tiefgang und hohem Aufmerksamkeitslevel werden auch bei mir *klassisch* bleiben.

Gutes Teil!

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Martin

Vermutlich kann das Tool auch zum Lesen von unseriösen Texten verwendet werden ;) Die Idee ist ganz nett, aber ob man damit beim "normalen Lesen" wirklich schneller wird?

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seppel

Ich vermisse dann doch die Erklärung warum fehlende Informationen unseriös sein sollten ?

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