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Wie stabil ist stable? Stablecoins unter die Lupe genommen

Kryptowährungen sind starken Kursschwankungen unterlegen. Stablecoins sollen davon weniger betroffen sein. Doch ist das wirklich so und wie funktionieren die „stabilen“ Coins? Wir klären auf.

10 Min. Lesezeit

Stablecoins gelten als wertstabil und kalkulierbar – doch die Kryptowährung ist nicht frei von Risiken. (Bild: Pixels Hunter / Shutterstock)

Die wichtigsten Stablecoin-Fakten im Überblick:

  • Stablecoins sind Kryptowährungen, die im Verhältnis 1:1 an traditionelle Vermögenswerte wie Fiatwährungen gekoppelt und damit in der analogen Welt verankert sind.
  • Im Gegensatz zu Kryptowährungen wie Bitcoin bleibt der Wert von Stablecoins durch die Kopplung weitestgehend stabil und unterliegt nur einer geringen Volatilität.
  • Stable ist nicht gleich stable: Die Wertbeständigkeit von Stablecoins unterscheidet sich von Coin zu Coin.
  • Stablecoins lassen sich schnell und unproblematisch in andere Kryptowährungen und traditionelle Assets eintauschen – und umgekehrt.

Was sind Stablecoins?

Im Kern sind Stablecoins genau wie Bitcoin, Ethereum und Co Kryptowährungen – allerdings mit eingebautem Sicherheitsnetz. Im Gegensatz zu ihren Kryptokollegen wirbeln Stablecoins nämlich nicht allein in der Manege der Blockchain-Infrastruktur. Stattdessen sind sie eng an analoge Assets wie Fiatwährungen oder Gold gekoppelt und damit vor Abstürzen ins Ungewisse abgesichert.

Die Sprunghaftigkeit der etablierten Kryptowährungen mag zwar auf Trader:innen verlockend wirken – immerhin stecken hierin die Chancen auf große Gewinnmargen –, doch erst durch niedrige Wertschwankungen werden die digitalen Geldmittel auch für Anleger:innen und reguläre Handelsgeschäfte interessant.

Hier setzt die Idee der Stablecoins an. Da Stablecoins meist im Verhältnis 1:1 an ihr traditionelles Asset geknüpft sind, bleiben sie weitestgehend wertstabil und damit als Zahlungsmittel kalkulierbar. Die Fallhöhe bleibt also niedrig und das Risiko eines plötzlichen, finanziellen Genickbruchs gering.

Der stabilen Kryptowährung fallen 3 fundamentale Aufgaben zu:

  1. Tauschmittel/Medium of Exchange gegen Waren und Dienstleistungen.
  2. Rechnungseinheit/Unit of Account für den realen Wert einer bestimmten Einheit.
  3. Wertspeicher/Store of Value zur Sicherstellung der Kaufkraft.

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Welche Arten von Stablecoins gibt es?

Doch sind Stablecoins gleich Stablecoins? Die Antwort ist einfach: Nein. Zwar steht bei Stablecoins immer die Wertstabilität im Zentrum, allerdings muss die Kryptowährung nicht zwangsläufig an eine andere traditionelle Währung zur Absicherung gekoppelt sein. Insgesamt lassen sich vier verschiedene Arten von Stablecoins ausmachen:

  1. Fiat-gesicherte Stablecoins
  2. Rohstoff-gesicherte Stablecoins
  3. Krypto-gesicherte Stablecoins
  4. Algorithmisch-gesicherte Stablecoins

Fiat-gesicherte Stablecoins

Unter den Absicherungsarten ist dieses Verfahren wohl das geläufigste. Hierbei dienen der Kryptowährung klassische Assets wie der US-Dollar als Fallschutz – meist im Verhältnis 1:1. Das bedeutet, für jeden gekauften Coin muss beim jeweiligen Anbieter ein entsprechender physischer Gegenwert hinterlegt werden. Entscheidet man sich zum Beispiel für den Stablecoin-Klassiker und -Marktführer Tether (USDT), entspricht der Wert jedes einzelnen Coins genau einem US-Dollar.

Möchten Investor:innen ihre Stablecoins in die absichernde Währung auslösen, passiert das ebenfalls im paritätischen Verhältnis, also wieder 1:1, ein US-Dollar für ein USDT. Dieses Vorgehen soll die Wertstabilität des Coins garantieren und die digitale Währung auch abseits wilder Spekulationen schmackhaft machen.

Der große Vorteil dieses Mechanismus steckt im regulierenden Marktumfeld klassischer Assets: Die vergleichsweise geringe Volatilität von Fiatwährungen wirkt sich stabilisierend auf ihre Kryptopartner aus.

Einen Haken gibt’s trotzdem: Geht der Stablecoin-Anbieter der Wahl in die Insolvenz, besteht trotz Kopplung an ein traditionelles, stabileres Asset keine Einlagensicherung – das Sicherheitsnetz wird Anleger:innen also einfach unter den Füßen weggezogen. 

Rohstoff-gesicherte Stablecoins

Eine weitere klassischere Sicherheitsleine bietet die Kopplung an diverse Handelsgüter. Edelmetalle, allen voran Gold, sind hierbei die am weitesten verbreiteten Gegenwerte. Es geht aber auch skurriler: Nach der Talfahrt des algorithmischen Stablecoins Terra hat das Kunstkolletkiv Mossy einen der wertstabilsten Coins entwickelt: USDTea basiert auf der Ethereum-Blockchain und Arizona Ice Tea.

Fällt die Wahl auf ein „goldenes“ Safety-Net, gehören Perth Mint Gold Token (PMGT), Digixglobal (DGX) und Goldcoin (GLC) zu drei der bekanntesten und beliebtesten Token. Doch auch Tether mischt mit seinem goldgedeckten Stablecoin Tether Gold (XAUT) auf dem Goldmarkt mit. Laut Cryptomoday entspricht der Wert eines XAUT dem einer Feinunze Gold – ab einer Mindestanzahl an Tethers Gold-Token sollen Besitzer:innen ihre Coins einlösen und die entsprechende Menge Gold empfangen können. 

Ob und unter welchen Bedingungen ein solcher (physischer) Tausch stattfindet und wie viel Gold eine zu erwerbende Einheit umfasst, legen die jeweiligen Stablecoin-Anbieter fest. Über allem schwebt indes der aktuelle Goldpreis.

Da der Kauf und Besitz von Gold schnell eine kostspielige und an zahlreiche Auflagen geknüpfte Investition werden kann, bieten goldgedeckte Stablecoins die Möglichkeit, mit nur niedrigen Eintrittshürden ins Gold-Geschäft einzusteigen.

Krypto-gesicherte Stablecoins

Kryptowährungen durch Kryptowährungen absichern? Klingt fast wie ein Scherz, schließlich möchte man doch gerade die hohe Volatilität von Währungen wie Bitcoin oder Ethereum durch Stablecoins vermeiden, statt sich mit ihnen über den Abgrund des Wertverlusts zu schwingen.

Der Schlüssel liegt in der Überbesicherung: Klassische Kryptowährungen unterliegen starken Wertschwankungen. Daran lässt sich nicht rütteln, doch indem Anleger:innen ihre Stablecoins durch ein überproportional hohes Collateral absichern, können sie mögliche Wertunterschreitungen ausgleichen.

Investor:innen müssen also kompensieren und möglichen Verlusten vorbeugen, wenn sie ihre Stablecoins durch eine volatile Währung wie Bitcoin vor dem Absturz sichern wollen. Neben der häufig geringen Akzeptanz auf diese Weise abgesicherter Stablecoins ist die Überbesicherung ein eindeutiger Nachteil.

Die gute Nachricht: Durch Smart Contracts fällt der sonst nötige Intermediär beziehungsweise Mittelsmann weg – das vereinfacht nicht nur den Verwaltungsprozess, sondern bringt auch einiges an Transparenz und mehr Dezentralität mit sich.

Algorithmisch-gesicherte Stablecoins

Doch was, wenn Anleger:innen keine Sicherheiten einzahlen wollen oder können? In diesem Fall schreiten automatisierte An- und Verkauf-Algorithmen zur Tat. Fliegt der Kurs eines Stablecoins über den Basiswert eines US-Dollars, fangen die Algorithmen den Ausbrecher wieder ein, indem sie den Markt mit mehr Coins bedienen und so das vorhandene Angebot künstlich in die Höhe treiben. Der Kurs sollte sich nun wieder auf einer geraden Flugbahn einfinden.

Ähnlich wie die Absicherung durch andere Kryptowährungen ist die algorithmische Besicherung ein transparentes System, das ohne Intermediär auskommt. Anleger:innen sollten allerdings beachten, dass auch Algorithmen nicht unfehlbar sind und Volatilität dennoch möglich sein kann – häufiger als bei anderen Absicherungsformen. Das Paradebeispiel ist der Fall von Terra/Luna. Dadurch sinkt auch die Akzeptanz der auf diese Weise gesicherten Stablecoins, was sich negativ auf die Liquidität auswirken kann.

Welche Vorteile haben Stablecoins?

Wir haben die wichtigsten Vorteile der stabilen Kryptowährungen einmal kurz und knapp für euch zusammengefasst:

  • Sicherheit: No risk no fun, würde manche:r Trader:in sagen. Stablecoins bieten die gemäßigtere Alternative und die Möglichkeit, seine Coins bei Bedarf schnell in wertstabilere Token oder Vermögenswerte zu wechseln. Damit bleiben die eigenen Anlagen auch bei fallenden Kursen nahezu unbetroffen.
  • Vergleichbarkeit: Die hohe Volatilität gängiger Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum macht eine Gegenüberstellung ohne umfassende vorherige Kursanalysen schwer. Stablecoins hingegen repräsentieren einen klaren, stabilen Wert, der sich einfacher mit anderen Währungen ins Verhältnis bringen lässt.
  • Flexibilität: Stablecoins sind jederzeit gegen Krypto- oder Fiatwährungen eintauschbar.
  • Kurze Wege: Im Gegensatz zu Fiatwährungen fallen bei Transaktionen mit Stablecoins der Umweg und eventuelle höhere Transaktionsgebühren weg.
  • Wenig Inflation: Aufgrund der Kopplung an analoge Mittel wie Gold oder Fiatwährungen ist in Stablecoins die Verknappung quasi mit eingebaut. Das begrenzte Vorkommen ihres Kopplungspartners schützt die Kryptowährung vor Inflation.

Welche Risiken gibt es mit Stablecoins?

Stablecoins klingen zu gut, um wahr zu sein, doch die stabile Kryptowährung ist nicht frei von Risiken.

Beispielhaft demonstrierte das der rasante Fall des Stablecoins Terra/Luna im Mai 2022. Der bis dahin größte existierende, algorithmische Coin stürzte zusammen mit seinem peg (= Bindung), dem an den US-Dollar gekoppelten Token Luna, infolge des Crashs ins Bodenlose ab. Zahlreiche Anleger:innen verloren daraufhin nahezu ihre gesamten Vermögenswerte. Ob und wann ein vergleichbarer Kollaps erneut auftreten könnte, ist schwer bis kaum vorauszusehen.

Problematisch wird es beim Thema Dateneinspeisung. Denn um Smart Contracts tatsächlich zur Ausführung ihrer einprogrammierten Governance-Regeln zu bringen, benötigt es Daten von der Blockchain selbst oder externen Datenquellen. Über sogenannte Oracles können Daten von außen an Smart Contracts herangetragen werden. Durch den benötigten Mittelsmann wird der Prozess jedoch anfälliger für Fehler und Manipulationen durch Dritte.

Und ein weiterer Punkt befleckt die scheinbar weiße Weste der stabilen Kryptowährungen: Zwar versichern Tether und andere Stablecoin-Anbieter immer wieder aufs Neue, jeder ihrer Coins sei wertgleich durch genau einen US-Dollar gedeckt, in der Realität liegt jedoch nur ein Teil der Reserven in der Fiatwährung oder sicheren Bankeinlagen vor, der Rest wird durch Geldmarkt- und Wertpapiere gesichert, wie Der Standard berichtet.

Dieser Umstand fiel bisher noch nicht wirklich auf, da Stablecoins in der Vergangenheit vor allem zum Kauf anderer Kryptowährungen genutzt wurden. Dies wirft allerdings die Frage auf, ob das System einer großen Tauschwelle in die besichernde Fiatwährung überhaupt standhalten würde, wenn die versprochenen Reserven eigentlich gar nicht zur Verfügung stehen.

Sollte ein Marktriese wie Tether der Boden unter den Füßen wegbrechen, hätte dies nicht nur fatale Auswirkungen auf die Kryptoszene: Auch die analoge Finanzwelt wäre von den Wellen des Bebens betroffen.

Das System Stablecoin basiert auf Vertrauen und dem Glauben an die gründliche Abdeckung durch das Basis-Asset. Oder anders ausgedrückt: Das zugrundeliegende Sicherheitsnetz hat Lücken, kleinere und größere. Doch das ist so lange kein Problem, wie die Artist:innen daran glauben, dass es sie im Ernstfall halten wird. Wie porös die Maschen tatsächlich sind, kann kaum überprüft werden.

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