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Dieses Startup will dein Gehirn erhalten – und dich dafür umbringen

(Grafik: Shutterstock.com)

Ein US-Startup will menschliche Gehirne mittels eines chemischen Prozesses haltbar machen, damit sie irgendwann in der Zukunft als Computersimulation wieder aufleben können. Das Ganze hat nur einen klitzekleinen Haken: Die Prozedur ist „zu 100 Prozent tödlich“.

Das US-Startup Nectome arbeitet an einem Verfahren, mit dem das menschliche Gehirn über einen extrem langen Zeitraum haltbar gemacht werden kann. Die Idee: Wissenschaftler der Zukunft soll das Gehirn dann eines Tages einscannen und in Form einer Computer-Simulation wieder zum Laufen bringen. Die Sache hat allerdings einen gewissen Schönheitsfehler: Die Haltbarmachung, bei der eine chemische Lösung in den Körper gepumpt wird, soll am lebenden Menschen durchgeführt werden und ist, wie es Firmengründer Robert McIntyre gegenüber der MIT Technology Review beschreibt, „zu 100 Prozent tödlich“.

Immerhin sollen die zahlenden Nectome-Kunden dank verabreichter Schmerzmittel keinerlei Schmerzen dabei empfinden. Im hier etwas deplatziert wirkenden Startup-Jargon erklärt McIntyre: „Die Nutzungserfahrung wird identisch zu ärztlicher Suizidbeihilfe.“ Ob der Plan des Unternehmens überhaupt aufgehen kann, ist zwar umstritten, dennoch hat das Startup bereits eine Million US-Dollar von Investoren einsammeln können. 120.000 Dollar davon stammen vom dem bekannten Startup-Inkubator Y Combinator. Weitere Einnahmen soll eine Warteliste generieren. Denn wer zu den Ersten gehören möchte, die unter fragwürdigen Erfolgsaussichten umgebracht werden, muss 10.000 Dollar bezahlen.

Reicht ein Abbild des Gehirns, um unseren Geist wiederaufleben zu lassen?

Derzeit ist völlig unklar, ob ein auf Nectome-Art erhaltenes Gehirn überhaupt ausreicht, um daraus die notwendigen Informationen auszulesen, die zur Simulation unseres Geistes notwendig wären. Der renommierte Neurowissenschaftler Edward Boyden, der mit Nectome zusammenarbeiten wird, glaubt zumindest, dass sich hilfreiche Erkenntnisse aus der Prozedur ziehen lassen.

Der Neurowissenschaftler Michael Hendricks wiederum hält das Geschäftsmodell für betrügerisch und wiederholt damit seine bereits in früheren Artikeln aufgestellte These, dass eine Abbildung neuronaler Verbindungen nicht ausreichen kann, um daraus die Simulation einer Persönlichkeit zu generieren. Für den kommerziellen Erfolg des Startups ist das aber vermutlich auch egal. So heißt es im Nectome-Pitch dann auch: „Product-Market-Fit sind Menschen, die daran glauben, dass es funktioniert.“ Und der Glaube funktioniert, wie wir alle wissen, auch ganz hervorragend ohne wissenschaftliche Beweise.

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