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Startup: Warum es sinnvoll ist, erst in fortgeschrittenem Alter zu gründen

Jetzt oder später? Es gibt gute Gründe, erst mit mehr Erfahrung zu gründen, auch wenn man dann nicht mehr 25 ist. (Foto: Juthamat89)

„Gründe dein Unternehmen, so lange du jung bist und noch keine Familie hast”, haben gerade anlässlich der Startup-Konferenz Bits & Pretzels wieder mehrere Redner gesagt. Doch das ist Unsinn.

Mit 25 Jahren und direkt von der Hochschule ist man „jung und hungrig“ – auch so ein Spruch auf Startup-Konferenzen, der vom gebetsmühlenartigen Wiederholen nicht besser wird. „Wenn du jung bist und noch keine Familie hast, kannst du problemlos gründen. Du hast ja nichts zu verlieren“, gab auch Rocket-Internet-Boss Marc Samwer den jungen Leuten mit auf den Weg, die gerade einmal halb so alt sind wie er selbst. Er hat das Ende der 90er Jahre mit seinen zwei Brüdern so durchgezogen, war damit nicht immer kreativ, aber immerhin erfolgreich.

Gründer sollten erst einmal das Business lernen

Klar gehört Scheitern zum Startup-Alltag dazu und jeder Zweite erzählt auf der Bühne mit mehr oder weniger großem Stolz von Fehlentscheidungen. Aber muss man deswegen gleich im jugendlichen Übermut Geld versenken oder wäre es nicht vernünftiger, erst einmal irgendwo als Offizier anzuheuern und das Steuern eines Schiffs mit ruhiger Hand zu lernen, bevor man den eigenen Dampfer im ersten Sturm vor den Felsen setzt?

Direkt nach dem Studium nimmt man manche Belastung leichter hin, ist möglicherweise auch noch eher dazu bereit, unendlich viele Überstunden zu machen und sich zu verausgaben (auch wenn eine Untersuchung zeigt, dass gerade die heutigen Absolventen deutlich mehr Wert auf eine intakte Work-Life-Balance legen als ihre Eltern vor 20 Jahren). Doch es gibt gute Argumente dafür, erst im fortgeschrittenen Alter das eigene Unternehmen zu gründen. Denn es spricht vieles dafür, dass Gründer mit 35 oder 40 Jahren ihr Unternehmen souveräner führen, weil sie einfach über mehr Erfahrungswerte im geschäftlichen Umgang verfügen – und weil sie auf mehr Fachwissen in ihrer Branche zurückgreifen können.

Mit 25 hast du nun einmal naturgemäß nur das Wissen aus dem Studium, wenn’s gut läuft auch noch ein paar Monate in einer Unternehmensberatung oder in einem Großkonzern verbracht. Aber eines hast du nicht: Wirkliche langjährige Erfahrung in einer Branche und möglicherweise auch den Blick nach links und rechts. Und wer glaubt, quasi aus dem Methodik-Baukasten heraus (s)ein Unternehmen führen zu können, wird über kurz oder lang an seine Grenzen stoßen.

Branchenkenntnisse kommen erst mit der Zeit

Natürlich gibt es die Beispiele, dass Gründer mit jugendlicher Unbekümmertheit das nächste Möchtegern-Ebay hochziehen, ein Startup gründen, das aus Plankton und Urzeitkrebsen eine schmackhafte Mahlzeit zaubert oder sich als Germanys next Internet-Guru versuchen. Doch gerade im B2B-Umfeld und in erklärungsbedürftigen Branchen wie Medizintechnik, Industrie 4.0 oder Datenanalyse wirst du eher mit mehr Erfahrung zum erfolgreichen Unternehmenslenker. Und je nach Branche wird man dich auch erst mit einem entsprechenden Hintergrund in einem für dein Geschäftsfeld relevanten Bereich ernstnehmen.

Dass man mit fortschreitendem Alter darüber nachdenkt, eine Familie zu gründen und dass es bekanntermaßen gerade in den ersten Jahren nicht einfach ist, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, davon können vor allem weibliche (zunehmend aber auch männliche) Fach- und Führungskräfte ein Lied singen. Das will auch niemand bestreiten. Doch gerade hier bietet ein eigenes Unternehmen mehr Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten als der Angestelltenjob. Und die eigene Familie im Hintergrund zu haben, erdet ungemein – bei waghalsigen geschäftlichen Entscheidungen ebenso wie beim Beurteilen der Frage, ob man jetzt wirklich die Nacht durcharbeiten will.

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3 Reaktionen
Jonas

Wenn es um Erfahrungen geht macht es doch erst recht Sinn früh anzufangen.

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Gordian Hense

Man braucht sich nur die Sendung "Die Höhle der Löwen" ansehen und muss bemerken, dass die meisten jungen Bewerber null Ahnung haben vom Unternehmertum. Ob das fehlende Ausbildung in Wirtschafts - und Betriebswirtschaftsfragen ist oder fehlende Allgemeinbildung. Manche können nicht einmal rechnen. Um sich selbständig zu machen und erfolgreich zu sein benötigt man Erfahrung, Wissen und Können auf allen möglichen Gebieten - nicht nur in dem Fachgebiet in dem man Produkte anbieten will. Natürlich kann man sich auch jung selbständig machen und ein Unternehmen gründen. Aber die Wahrscheinlichkeit dass man dann einen Misserfolg hat ist viel grösser, als wenn man das macht wenn man schon ein bisschen Lebenserfahrung hat. Ich habe auch schon alte Leute gesehen, die gescheitert sind, einfach weil ihnen Wissen gefehlt hat. Das ist aber das A und O bei einer Unternehmensgründung. Je mehr man dieses Wissen hat und diese Wissen auch versteht und anwenden kann, um so grösser ist die Chance das man Erfolg hat. Das hat natürlich nur bedingt was mit dem Alter zu tun. Trotzdem sind die Wahrscheinlichkeiten klar verteilt. Lebenserfahrung lernt man nicht auf der Schule, sonder nur in dem man am Leben teilnimmt. Und da kann man in einem Angestelltenjob erst mal die anderen Fehler machen lassen und daraus lernen, oder?

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Lars

Beide Wege haben ihre Vor- und ihr Nachteile.

Jung gründen und ruhig mal auf die Nase fallen ist der amerikanische Weg, der durchaus seine Berechtigung hat und einige sehr erfolgreiche Unternehmen hervorgebracht hat.

Erstmal Business lernen und dann gründen ist typisch deutsch, aber nicht falsch. Etwas was aber im Artikel keine Erwähnung findet ist das Thema scheitern im Altern. Wenn man im Alter scheitert ist häufig (aber nicht immer) auch die Altersvorsorge futsch. Das tut mehr weh als mit Anfang 20.

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