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Startups

Startup-Interview-Reihe – 9 Fragen an Billomat: „Versucht nicht, die Big Player zu kopieren“

Mit neuen Ideen und viel Engagement haben die Unternehmensgründer auf sich aufmerksam gemacht, die wir in unser neuen Reihe mit Startup-Interviews vorstellen. Für diese Rubrik möchten wir einen Blick auf die Gedankenspiele, Herausforderungen und Motivationen bei der Startup-Gründung werfen. Im dritten Teil unserer Startup-Interview-Reihe stellen wir 9 Fragen an Simon Stücher, Gründer und Geschäftsführer von Billomat, einem Online-Dienst für Angebots- und Rechnungserstellung.

Mit dem Online-Rechnungsverwaltungsdienst Billomat haben Simon Stücher und Steve Mattuschka bei der Gründung ein Geschäftsmodell entwickelt, das im Bereich der Fakturierung auf viel Zuspruch gestoßen ist. Billomat ermöglicht das einfache Schreiben, Generieren, Sortieren und Drucken von Rechnungen und Angeboten. Das Unternehmen aus Herdorf zeigt überfällige Rechnungen an und stellt außerdem die Umsatzentwicklung dar.

Wir haben Simon Stücher neun Fragen rund um Billomat und seine Erfahrungen als Startup-Gründer gestellt.

Wie sind die Idee und das Konzept für das Startup entstanden?

2006 war die Suche nach einem passenden Online-Tool für die Fakturierung leider wenig vielversprechend. Bestehende Desktop-Lösungen waren zu kompliziert, nur lokal verfügbar oder passten einfach nicht in den Workflow eines Webworkers. Zusammen mit Steve Mattuschka wurde dann Billomat vor allem für den Eigenbedarf konzipiert und entwickelt. Da es keine Alternativen auf dem deutschsprachigen Markt gab und auch andere Selbständige vor den gleichen Problemen stehen mussten, war es naheliegend, ein Geschäftsmodell darauf aufzubauen. Ende 2007 ging Billomat dann online und bekam sofort viel Zuspruch. Rasant wachsende Nutzerzahlen zeigen, dass der Markt eine zeitgemäße Software zur Rechnungsstellung braucht.

Wie viele seid Ihr heute?

Heute arbeiten drei Personen fest angestellt und in Vollzeit für Billomat. Dadurch, dass wir unsere Arbeitsabläufe und Strukturen optimiert haben, können wir selbst mit einem kleinen Team viel bewegen. Dabei werden natürlich auch viele Aufgaben über externe Partner und Freelancer abgewickelt. Dazu gehören Buchhaltung, Affiliate-Betreuung, Website-Design, PR-Arbeit, Werbemittel-Erstellung, Übersetzung etc.

Wie hat sich die Unternehmensfinanzierung in der Anfangsphase gestaltet?

In der Anfangsphase wurde Billomat komplett vom Gründerteam finanziert – keine VCs, keine staatliche Förderung, keine Gründerfonds. Zugute kam natürlich, dass keine großen finanziellen Mittel für z.B. Maschinenpark und Produktionshallen notwendig waren: Da ich selber Webentwickler bin, war es vor allem ein zeitlicher Invest, der erbracht werden musste.

Sicherlich hätten externe Entwickler und eine massive Marketing-Kampagne zu einem schnelleren Wachstum beigetragen. Aber gerade in der Anfangsphase ist es für Gründer wichtig, Zeit für Learnings zu bekommen und Sachen mit kleinem Budget auszuprobieren. So bleibt auch das Risiko vor allem in der kritischen ersten Zeit überschaubar und man kann zur Not seine Ausrichtung anpassen oder sogar einen kompletten Rückzieher machen. Mit Fleiß und einem Produkt, das am Markt überzeugt, konnte dann schnell ein sich tragendes Geschäftsmodell etabliert werden.

Wie wichtig waren „richtige Kontakte“, ein großes Netz an Kontakten für den Einstieg/Start?

Vitamin B ist natürlich immer von großer Bedeutung, aber nicht der alles entscheidende Punkt. Durch Fleiß, Beharrlichkeit, ein innovatives Produkt, guten Support und Engagement hat man sich aber in absehbarer Zeit ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut, welches nicht immer nur aus A-Bloggern und Promis bestehen muss. Bei Billomat stehen einzig und allein die Nutzer im Mittelpunkt.

Hat der Ort der Startup-Gründung eine wichtige Rolle beim Erfolg des Startups gespielt, oder würdest du eher sagen, dass ihr ortsunabhängig seid?

Im Prinzip sind wir unabhängig vom Ort. Telefon und ein Internetanschluss genügen. Wir haben den Vorteil, dass wir ein ortsunabhängiges Produkt haben. Entwicklung, Distribution und Support von Billomat könnten überall auf der Welt erledigt werden.

Allerdings hat es natürlich enorme Vorteile, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, um sich gegenseitig zu befruchten. Das ist bei uns in der Provinz (Billomat kommt aus Siegen) etwas schwieriger als z.B. in Berlin. Aber wir machen diesen Nachteil durch Präsenz auf Events wie Barcamps und Webmontagen und als Mitorganisator regionaler Veranstaltungen wieder wett.

Die größten Hürden auf dem Weg zur Gründung waren?

Zeit. Es kostet einiges an Mühe, neben dem bestehenden Geschäft für das tägliche Brot auch einen nicht ganz trivialen Webdienst zu konzipieren, entwickeln, supporten und vertreiben.

Auf der anderen Seite war die beschränkte Zeit aber auch einer der größten Helfer, da man sich so auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren muss. Das kommt sowohl der Arbeitsweise als auch dem Produkt sehr zugute. Oder wie es in Getting Real heißt: „Constraints force creativity.“ Ich denke, ich kann sagen, dass das Billomat-Team im Laufe der Zeit gelernt haben, auch mit knappen Ressourcen zu haushalten und Großartiges zu schaffen. Das bestätigt uns täglich aufs neue das Feedback der Nutzer.

Wie habt ihr es zu Beginn geschafft, in aller Munde zu kommen, bekannt zu werden, euch zu positionieren?

Wir haben durch eigene Erfahrung gemerkt, dass es eine große Nachfrage ohne ein entsprechendes Angebot gibt. Und genau diese Lücke haben wir mit Billomat geschlossen. Somit nimmt Billomat auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle ein, die für Nachahmer eine große Hürde darstellt.

Einiges Glück hatten wir durch einen Bericht bei deutsche-startups.de direkt nach dem Launch. Außerdem haben wir von Anfang an den Dialog mit unseren Kunden gesucht. Nicht nur das „über“, sondern „mit“ einem Produkt/Startup reden zu können macht extrem sympathisch und motiviert, die positiven Erfahrungen weiter zu erzählen. Tatsächlich kommen viele unserer Kunden über Empfehlungen anderer zu uns. Wenn das Produkt überzeugt, kommt der Rest von alleine.

Was würdest du in der Gründungsphase rückblickend anders machen?

Im Prinzip haben wir unsere vorhandenen Ressourcen schon recht optimal ausgenutzt. Allerdings würde ich bereits in einer sehr frühen Phase auf ein API setzen. Die Möglichkeiten mit Mashups sind einfach zu essentiell, um das Thema nur stiefmütterlich zu behandeln.

Welche wichtige Empfehlung oder welchen Tipp würdest du Gründern mit auf den Weg geben?

Versucht nicht, die Big Player zu kopieren. Die kämpfen trotz vielleicht dickem Finanzpolster und starker Manpower mit Problemen, die man gar nicht haben will (Hierarchien, festgefahrene Strukturen, usw.). Klein und jung (unternehmenstechnisch gesehen) hingegen hat den Vorteil, dass man frei an neue Sachen herangehen kann, schnell und flexibel ist und das machen kann, was einem Spaß macht. Und sympathisch wird man dadurch auch.

Außerdem sollte man Beschränkungen in Zeit, Geld und Ressourcen nicht als notwendiges Übel betrachten, sondern als echte Chance, daraus etwas Unglaubliches zu schaffen.

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Eine Reaktion
Jongo

Abschließend sehr wahre Worte. Egal ob Unternehmensgrüdung im Bereich von Produken oder Dienstleistungen. Auch das der Faktor Zeit vor Vitamin B gestellt wird, finde ich passend und zumindest meiner praktischen Erfahrung entsprechend. Außerdem wachsen die Vitamin B mit dem Wachstum des Unternehmens, ein guter Kreislauf..

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