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Kolumne

„Insolvenzen müssen belohnt werden“

Was der Bundeverband Deutscher Startups von der neuen Bundesregierung erwartet. (Foto: Factory Berlin)

Deutschland wird künftig wohl von einer Jamaika-Koalition regiert. Doch was können Gründer in der kommenden Legislaturperiode erwarten? Ein Wunschzettel von Startup-Lobbyist Florian Nöll.

Würden in Deutschland nur Gründer zur Bundestagswahl gehen, sähe die Parteienlandschaft völlig anders aus: Linke wie Rechte würden die Fünf-Prozent-Hürde verfehlen. Stattdessen müsste sich Christian Lindner als Mehrheitsführer überlegen, ob er mit der Union oder den Sozialdemokraten regiert.

Die Realität aber ist eine andere: Der Bundesverband Deutsche Startups stellt sich auf eine Jamaika-Koalition ein und sieht für einige zentrale Forderungen der Gründer durchaus Umsetzungswillen – jedenfalls gemessen an den Wahlversprechen.

Auf diese Meilensteine kommt es an

Denn weil bislang in Deutschland eine Gründerkultur weder gelebt noch gelehrt wird, entwickelt sich die Zahl der zukunftsorientierten Startups Jahr für Jahr zu langsam. Zwar haben wir inzwischen zahlreiche Gründerlehrstühle an renommierten Hochschulen und eine vitale Startup-Szene in den Großstädten – aber die Bereitschaft und die Fähigkeiten zum Unternehmertum sind in der Bevölkerung kaum verankert.

Gründen gilt nach wie vor als letzte Option, wenn es mit einem „richtigen Job” nicht geklappt hat. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Starter gehen ein wirtschaftliches Risiko ein, obwohl sie von ihren Möglichkeiten her beste Angebote haben. Aber ihr Wille, etwas Neues zu denken und zu schaffen, ist stärker. „Wir arbeiten nicht, um Ferien zu haben. Wir machen das einfach wahnsinnig gerne und lieben das, was wir tun“, sagte Math42-Gründer Raphael Nitsche nach dem Exit bei Spiegel Online.

Gründen muss zum Schulfach werden

Diese Haltung darf nicht länger auf Unverständnis stoßen – weder in den Amtsstuben, in denen Anträge oft zu langsam oder gar falsch bearbeitet werden. Noch in den Schulen, wo es zwar inzwischen gutgemeinte MINT-Initiativen gibt, aber das wirtschaftliche Verständnis weiterhin verkümmert. Entrepreneurship kann man lernen, ebenso wie die Bereitschaft, wohlkalkulierte Risiken einzugehen. Zwischen 15 und 20 Prozent der Schüler, die in der Sekundarstufe an einem Firmenprojekt teilnehmen, gründen später ihr eigenes Unternehmen. Wir fordern deshalb, dass Entrepreneurship schon in der Schule zum Lernstoff im Bildungskanon gehört. Die Absicht der FDP, „Wirtschaft“ als Schulfach einzuführen, kann dafür einen Rahmen schaffen.

Entbürokratisierung vorantreiben

Aber wir müssen den Gründern auch bürokratische Steine aus dem Weg räumen. Jamaika ist sich darin glücklicherweise einig, dass eine zentrale Anlaufstelle als „One-Stop-Shop“ für alle Belange der Firmengründung etabliert werden muss. Damit einher muss aber auch eine deutliche Entbürokratisierung der bisherigen Bestimmungen gehen. Und gleichzeitig muss bei künftigen Gesetzgebungen streng darauf geachtet werden, dass bürokratische Folgeerscheinungen vermieden werden.

Auch hier sind sich alle Farben der Jamaika-Koalition einig. Der Startup-Verband wird die künftige Bundesregierung hier beim Wort nehmen und auf die Einhaltung dieser Wahlversprechen pochen. Denn Entbürokratisierung ist – wie übrigens auch die Digitalisierung – kein Einmalprojekt, sondern muss Tag für Tag auf allen Ebenen der Legislative und Exekutive angegangen werden.

Keine Steuern vor dem ersten Umsatz

Zur Entbürokratisierung gehört es auch, dass unnötige und wachstumshemmende steuerliche Belastungen wegfallen. Auch hier sind sich – zumindest auf dem Papier – die vier Parteien einig. Die Grünen versprechen eine „Steuergutschrift von 15 Prozent“, um Forschungs- und Entwicklungsausgaben besser zu fördern. Bei den Freidemokraten sollen Gründer künftig nicht schon Steuern zahlen müssen, bevor die ersten Umsätze oder Gewinne überhaupt angefallen sind.

Das Crowdfunding muss gestärkt werden

Ebenso positiv sehen wir die Absichten der Freidemokraten, Investoren fair zu besteuern. Als einen entscheidenden Punkt eines Venture-Capital-Gesetzes erwarten wir den Abbau der Substanzbesteuerung sowie ein Ende der steuerlichen Diskriminierung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital sowie die steuerliche Anrechenbarkeit von Investitionen – und das auch für Investitionen in Interlectual Properties.

Neue Finanzierungsformen, wie sie die Grünen zum Beispiel beim Crowdfunding stärken wollen, sehen wir ebenfalls als wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Gründerkultur in Deutschland. Insbesondere wird sich die neue Bundesregierung daran messen lassen müssen, ob es ihr gelingt, endlich privates Kapital im großen Stil für Startups zu mobilisieren. Sie hat es regulatorisch in der Hand, dass Versicherer, Pensionsfonds und Family-Offices diese Anlageklasse für sich entdecken.

Ein Einwanderungsgesetz wie eine Stellenanzeige

Die USA ziehen erhebliches Innovationspotential aus der Tatsache, dass Menschen mit Migrationshintergrund seit jeher hohe Gründungsbereitschaft zeigen und bestausgebildete Mitarbeiter mit hohem Motivationspotential stellen. Angesichts eines Fachkräftemangels in Deutschland mit mehr als 50.000 unbesetzten Stellen allein im IT-Sektor können wir es uns nicht länger leisten, Zuwanderung dem Zufall zu überlassen. Deshalb muss der Einwanderungsprozess für Fachkräfte und Gründer so leicht wie nur möglich gestaltet werden.

Dazu benötigen wir ein Zuwanderungsgesetz, das in seiner Stoßrichtung mit einer Stellenanzeige vergleichbar ist: Wir sagen, wen wir suchen, was wir bieten und zu welchen Konditionen und Bedingungen wir die Stelle vergeben. Die Vorrangprüfung, bei der Arbeitgeber nachweisen müssen, dass sie für die gesuchte Position keinen geeigneten Kandidaten in Deutschland finden können, muss abgeschafft werden. Menschen aus Drittstaaten soll es ermöglicht werden, in Deutschland zu gründen. Hierfür brauchen wir ein Startup-Visum.

Insolvenzen müssen belohnt werden

Und in Anlehnung an das Schulfach „Wirtschaft“ bekräftigen wir die Bedeutung einer Kultur der zweiten Chance. Die ethische und moralische Würdigung des Unternehmermuts muss bereits früh in den Köpfen herangebildet werden. Nur so kann die in Deutschland gerade im Wahlkampf erkennbare Neidkultur umgewandelt werden in eine Kultur der Anerkennung. Wir brauchen also einer Unternehmerkultur, in der Fehlschläge nicht als Niederlage, sondern als Erfahrung bewertet werden.

Das spiegelt sich auch im Insolvenzrecht wieder: Ziel eines neuen Insolvenzrechts muss die schnelle Wiedererlangung der Handlungsfähigkeit von redlichen Gründern sein. Den Begriff des „ehrbaren Kaufmanns“ möchten wir zum „ehrbaren Gründer“ weiterentwickeln und mit dem Insolvenzrecht verknüpfen. Wir fordern daher eine Abkehr von der Disqualifizierungsstrategie hin zur Belohnungsstrategie, nach der ein redlicher Gründer mit Erleichterungen im Insolvenzverfahren rechnen kann.

Wenn wir diese Maßnahmen umsetzen, dann werden wir auch die Entstehung neuer Weltmarktführer aus Deutschland erleben.

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7 Reaktionen
Julia Nikolaeva

Sehr guter Artikel, der weiterdenkt. Kann jede Aussage unterschreiben. Vielen Dank!

Carsten

Insolvenzen belohnen,... Daumen hoch!
"Du kannst deine Rechnungen nicht mehr bezahlen? Gut gemacht, weiter so! "

Julia Nikolaeva

Haben Sie den Artikel überhaupt komplett gelesen? Oder nur die Überschrift? Wahrscheinlich zu viel Text für Sie, ne?

Viktor

Was für ein geistiger Nonsense dieser Artikel doch ist. Anstatt Gründen ein Schulfach werden zu lassen (in der HöHa nennt sich das VWL!!) sollte man eher mehr Lehrer einstellen, damit der Nachwuchs wieder richtig Lesen und Schreiben kann und am besten etwas rechnen. Die Forderungen hier sind auf so einen kleinen Mikrokosmos begrenzt, das es schon schmerzt zu sehen wir die Realität aus den Augen verloren wird.

Julia Nikolaeva

Geistiger Nonsense ist vor allem Ihr Kommentar.

Joachim

Viel Erfolg mit dieser roadmap.. manche Menschen scheinen tatsächlich nicht mitzubekommen in was für einer Blase Sie leben..

lola

Super Idee. Wir amerikanisieren unsere Gesellschaft vom sicheren Angestellten zum freien Mitarbeiter. Und als Belohnung gibts den amerikan Way.

Und am Ende haben wir wenige Reiche und viele Arme.

Wir sollten eher "Entwicklungsabteilungen" und "Mitarbeiterbeteiligungsmodelle" fördern.

Und die Zinsen wirder HOCH

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